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Wenn Porträts erzählen
Fotograf Giorgio Gocci hat 50 Freunde und Bekannte in den Sucher genommen
"Menschenbilder – ich-du-er-sie-es-Porträts" nennt Giorgio Gocci seine Ausstellung in der Stadtbücherei. Die Fotos zeigen ganz normale Menschen, die einen Gegenstand mit ins Fotostudio gebracht haben, der ihnen am Herzen liegt.
Von Katja Schuricht
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Den Teddy, der ihn sein ganzes Leben begleitete, hatte Gerhard zum Fotografen Giorgio Gocci mitgebracht, der die beiden mit der Kamera porträtierte.Oberursel. Ist Bernd ein typischer Macho? Seine Pose könnte diese Vermutung nahelegen: Selbstbewusst blickt er in schwarzer Lederjacke in die Kamera, in der einen Hand hält er eine Zigarre. Mit Kaffeeliebhaberin Sabine könnte man bei einem Tässchen Espresso nett plauschen. Und Maren, die ihre Kletterschuhe hält, erzählt uns sicher ein paar spannende Geschichten von ihren Touren.
Bernd, Sabine und Maren gehören zu den 50 Menschen, die eins gemeinsam haben: Sie alle hat der Neu-Anspacher Fotograf und Grafik-Designer Giorgio Gocci im Laufe der vergangenen Jahre porträtiert. Unter dem Titel "Menschenbilder – ich-du-er-sie-es-Porträts" zeigt er seine Serie derzeit in der Galerie der Stadtbücherei. Der Clou: Die Art der Darstellung, das Format, das Licht sind immer gleich. Alle stehen im rechten Bildteil in im imaginären schwarzen Raum. "Alles andere würde ablenken. Denn mir geht es nur um denjenigen, den ich porträtiere. Wenn ich jeden im gleichen Modus fotografiere, unterstreicht das die Individualität und Authentizität", betont Gocci.
Keine Ablenkung
Nichts lenkt ab von dem Menschen, der den Betrachter freundlich und direkt aus seinem Porträt anschaut. "Mir geht es einzig und allein um den Menschen, der im Fotostudio vor mir steht, um die schlichte Konzentration auf die Person", erläutert er. Trotzdem erzählen die Fotos etwas über die Abgelichteten. "Ich habe jeden gebeten, fürs das Porträt einen Gegenstand, der etwas über ein besonderes Interesse, Hobby oder eine Leidenschaft aussagt, mitzubringen", so Gocci.
"Diese Tradition alter Gemäldeportraits, in denen beispielsweise der Bürgermeister symbolisch den Schlüssel zum Stadttor in der Hand hält, der Tuchhändler in feinste Stoffe und Spitze gehüllt ist, der Geograf seine Karten studiert oder der König die Reichsinsignien zeigt, wollte ich aufgreifen und in die heutige Zeit übertragen."
Wie ein großes Band hängen alle Bilder lückenlos in der Stadtbücherei. "Trotzdem aber haben alle – zum Unterstreichen ihre Individualität – einen eigenen Rahmen, doch alle sind ja durch die Begegnung miteinander verbunden", hebt Gocci hervor.
Zwei Porträts tanzen aus der Reihe: "Diese habe ich ganz bewusst großformatig dargestellt. "Das unterbricht die Reihe und unterstreicht die Wirkung der Bilder", so der Fotograf, der von den Anfängen seines "Menschenbilder-Projektes" erzählt: Vor fünf Jahren hat er begonnen, die Menschen um sich herum zu fotografieren. Zuerst die Familie, dann Freunde, Freunde von Freunden, Bekannte, Kollegen, dann Geschäftspartner. "Porträts, Abbildungen von Menschen, kennt jeder: Berühmte Persönlichkeiten der Geschichte hängen in Museen und begegnen uns in den Geschichtsbüchern. Ausstellungen und Bildbände zeigen prominente Politiker, Schauspieler, Künstler, Musiker oder Sportler. Mir geht es um normale Menschen, Menschen wie du und ich. So ist diese interessante Serie entstanden, die weiter wächst", berichtet Gocci, der schon als kleiner Junge mit der Familienkamera umhergezogen ist.
"Fotografieren ist schon immer meine große Leidenschaft gewesen", sagt er. In Dortmund hat er Grafik-Design und Fotografie studiert. "Die Kamera ist mein Ausdrucksmittel", erklärt Gocci.
"Für jedes Foto nehme ich mir sehr viel Zeit, um ein authentisches Porträt zu erhalten. Das sieht man meinen Fotos wohl an", kommentiert der Fotograf. "Bis das eine Foto darunter ist, das der Person entspricht, kann es sein, dass ich 500 bis 800 Bilder geschossen habe", meint er.
Die Ausstellung ist bis einschließlich 14. Februar in der Galerie der Stadtbücherei zu sehen.



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