Die gefühlte Unsicherheit

Parlament stoppt SPD-Alleingang mit Ideen für Bahnhof Groß-Karben – erst soll Fachgespräch abgewartet werden

Diverse Ideen hat Karbens SPD, wie die gefühlte Sicherheit am Bahnhof in Groß-Karben besser werden könnte. Doch zum Zuge kommen die Genossen nicht: Die übrigen Parteien überlassen den Fachleuten das erste Wort.

Karben. Sicher und doch ein schlechtes Gefühl? Über den Bahnhof in Groß-Karben diskutieren die Politiker reichlich. Foto: Dennis Pfeiffer-Goldmann Ist es an Karbens "Hauptbahnhof" nun sicher oder ist es das nicht? Die Polizeistatistik vermeldet keine merkenswert erhöhte Kriminalität an der Station Groß-Karben.

Trotzdem schleicht bei manch einem der tausenden täglicher Pendler ein ungutes Gefühl mit.

Genossen warten nicht

Diese gefühlte Unsicherheit wollen die Politiker bekämpfen. Eine Videoüberwachung sollte das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessern. Rechtlich wäre das jedoch nur an einem Kriminalitätsschwerpunkt möglich, warnt Bürgermeister Guido Rahn (CDU) – was der Bahnhof ja gerade nicht ist.

Die Polizei will die Überwachung dennoch: Mit ihr könnte sie Bösewichte beobachten, wie sie vor und nach Ladendiebstählen im benachbarten Selzerbrunnencenter die S-Bahn-Züge der S 6 benutzen.

Wie es nun weitergeht mit der Videoüberwachung und dem Sicherheitsgefühl, wollen die Fraktionschefs, Vertreter von Stadt, Polizei und Kreis am Montag in einem Gespräch ausloten. So lange möchte die SPD nicht warten: Sie hatte im Parlament einen Antrag eingebracht, um Rahns Regierung aufzufordern, einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten. Mit ganz konkreten Vorschlägen, etwa verlängerte Öffnungszeiten der Ordnungspolizei im Bahnhofsgebäude, Rückschnitt von Büschen und Bäumen und mehr Streifengänge der Polizei.

"Das soll nur der Vorläufer für ein eventuelles Konzept sein", wirbt Michael Schmidt (SPD). Allerdings lehnt die Fraktion ab, ihren Antrag so lange zurückzustellen, bis das Gespräch am Montag gelaufen ist. "Die ganze Graffitimalerei kommt sicher nicht daher, dass der Bahnhof gut überwacht ist", sieht Schmidt Handlungsbedarf.

Mit ihrem Vorstoß wolle die SPD bloß Aktivität vortäuschen, hält CDU-Fraktionschef Mario Beck dagegen. Denn alle Ideen könne die SPD doch ins Gespräch einbringen und dort gleich mit den Fachleuten besprechen. Dass das Parlament schon vorab entscheide, mache keinen Sinn – zumal die Ideen der SPD in vielen Punkten in fremde Entscheidungsbereiche eingriffen.

Gefahr herbeigeredet?

So könne die Stadt weder auf Bahngelände Grünrückschnitt vornehmen, noch häufigere Polizeistreifen veranlassen. Wolle die SPD längere Dienstzeiten der Ordnungspolizei, müsse sie die Personalkosten dafür auch beantragen, findet Beck. "Erzeugt es denn Sicherheit, wenn jemand dort im Büro sitzt?"

Das seien "abstruse Argumente", hält Helge Gottschalk (SPD) dagegen. "Sagen Sie doch, wenn sie das Sicherheitsgefühl der Bürger nicht interessiert." Genau das scheine die SPD nicht zu scheren, widerspricht Beck. Wenn man ständig darüber diskutiere, dass an einem objektiv sicheren Ort "Mord und Totschlag verhindert werden müssten", dann sei das "fast schon eine sich selbst erfüllende Prophezeiung". dpg

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