Er bleibt auf dem Teppich

Vilbeler Händler Erfan Enayati engagiert sich ehrenamtlich für Jugendliche und seinen Glauben

Erfan Enayati ist ein ausgeglichener Mensch – ausgeglichen, aber entschieden. Sein Leben führt er bewusst, ein Teil davon ist sein Beruf. Und der ist kein gewöhnlicher, ganz im Gegenteil: Der aus Persien stammende Wahl-Vilbeler verdient sein Geld damit, Orientteppiche zu designen und mit ihnen zu handeln.

Von Deliah Eckhard

Im Beruf handelt er Teppiche, in der Freizeit hilft er jungen Leuten, unter anderem mit Gewaltprävention: Wahl-Vilbeler Erfan Enayati. Foto: Eckhard Bad Vilbel. "Der Teppichhandel ist eine alte Familientradition", erklärt Enayati stolz. Er übertreibt dabei nicht: Bereits seit 1956, also in der dritten Generation, sind die Enayatis in diesem Bereich tätig. "Frankfurter Orientteppich Import" – kurz F.O.T.I. – ist der Name des Betriebs, der inzwischen in Frankfurt-Fechenheim seinen Sitz hat. Früh wurde der junge Erfan in die Familiengeschäfte involviert: Als Zwölfjähriger nahm er das erste Mal an einer Geschäftsreise teil und sammelte so Erfahrung. Studiert hat der 45-jährige Familienvater Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in Gießen und Frankfurt.

Eine kreative Ader muss man haben, um erfolgreich als Teppich-Gestalter arbeiten zu können, bestätigt Enayati: Ein Gespür für Farben und Formen sei unerlässlich. "Ich bin künstlerisch veranlagt, spiele auch Instrumente – Kreativität hilft, das richtige Gespür für Designs zu bekommen." Fünf feste Mitarbeiter stehen ihm bei seiner Arbeit mit Rat und Tat zur Seite. Neben den klassischen orientalisch anmutenden Designs geht F.O.T.I. auch mit dem Trend: "Moderne Designs und schlichtere Muster sind immer mehr im Kommen", verrät Enayati. "Die Kunden wollen weniger Farbe und mehr Ruhe. Besonders Pastell ist beliebt."

Stoff ist entscheidend

Viele Teppiche sind Neuauflagen älterer Designs. So werden beispielsweise Änderungen an Muster oder Farbkombination vorgenommen. Wird allerdings ein Teppich vollständig neu gestaltet, dauert das seine Zeit: Zwei bis drei Jahre kann die komplette Produktion in Anspruch nehmen.

Zunächst machen sich Enayati und seine Angestellten dann Gedanken über die richtigen Farben: Mehrere geknüpfte Farbmuster dienen zur Auswahl. Auch der Stoff des Teppichs ist von entscheidender Bedeutung – Seide, Schurwolle oder Korkwolle sind nur einige der vielen Möglichkeiten.

Erst wenn diese Entscheidung getroffen ist, wird beschlossen, welches Muster der Teppich erhalten soll. Hergestellt werden die Teppiche nach Vorlage schließlich im Ausland, unter anderem in Indien, China und Iran, von wo aus sie wieder zum Verkauf nach Deutschland gelangen.

Genaue Preise zu nennen, das vermag Enayati nicht. "Es spielen zu viele Faktoren eine Rolle: Knüpfdichte, Material, Arbeitsaufwand – die Preisspanne ist groß." Verkauft werden die Teppiche schließlich nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland und sogar weltweit, unter anderem an Kunden in Japan, Afrika und Brasilien.

Projekt fördert Integration

"Mein Beruf bedeutet mir viel – doch er ist nicht alles für mich", sagt Enayati. Wichtig ist ihm ebenfalls sein ehrenamtliches Engagement beim "People‘s Theater", einem von Enayati ins Leben gerufenen gemeinnützigen Verein. "Das Ziel des Vereins ist es, Sozialkompetenzen bei Kindern und Jugendlichen zu fördern, Gewaltprävention zu leisten und Integrationsprozesse anzustoßen", erklärt er.

Mehrere Auszeichnungen wurden ihm und seinem Verein schon verliehen: 2006 gewann er mit seinem Projekt den bundesweiten sozialen Ideenwettbewerb "startsocial" unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin, außerdem erhielt er 2008 den Bürgerpreis der Stadt Frankfurt am Main.

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