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Mit Humor gegen verkrustete Strukturen
Piraten-Partei trifft sich zum ersten Mal zu Stammtisch in Bad Vilbel – Einsatz für mehr Demokratie und Transparenz
Bundesweit liegt die Piraten-Partei im Trend. Sie will anders sein als die etablierten Parteien. In der Wetterau hat sie eine eigene Strategie, ihre Ziele durchzusetzen.
Von Susanne Krejcik
Bad Vilbel. ![]()
Bei ihrem ersten Stammtisch in Bad Vilbel waren sich die Wetterauer Piraten in einem einig: Sie wollen Politik anders gestalten. Foto: Susanne KrejcikEine Augenklappe trägt keiner. Peter Ringel hat eine blaue Seemannsmütze, Hamburger Elbsegler, genannt, auf dem Kopf. Die orangefarbene Piraten-Fahne mit schwarzem Schriftzug steht mitten auf dem Tisch zwischen Gläsern und Tellern.
Doch den Initiatoren des ersten Stammtisches der Piraten-Partei in Bad Vilbel geht es nicht nur ums gemütliche Beisammensein. Auf ihre politischen Inhalte und Ziele angesprochen, sprudelt es nur so aus ihnen heraus.
53 Mitglieder bislang
Die Piraten-Partei verzeichnet bundesweit derzeit über 16 000 Mitglieder, in Hessen sind es 1045, in der Wetterau bislang 53. Zur Gesprächsrunde im Restaurant "Down Under" in der Innenstadt sind elf Bürger gekommen. Sieben sind bereits Mitglieder der Partei, die bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September 8,9 Prozent der Stimmen erzielte.
Es fallen häufig die Begriffe "Basisdemokratie" und "Transparenz". "Wir reden nicht nur von Transparenz, wir leben sie auch", sagt Matthias Geining, Kreisvorsitzender. So seien die Vorstandssitzungen im Internet nachzulesen. "Mit Ständen auf der Straße informieren wir die Bürger, die keinen Internetzugang haben", fügt Peter Ringel hinzu.
Ringel war bis ins Jahr 2009 Mitglied bei den "Linken" in Bad Vilbel, seit 2010 gehört er der Piratenpartei an. Henning Halfpap ist gekommen, um sich ein Bild von der Partei und ihren Vertretern zu machen. "Ich hoffe, dass sich die Piraten nicht von anderen vereinnahmen lassen", sagt Halfpap. Er lebt seit drei Jahren in Bad Vilbel.
Dass Vieles in Frage gestellt werde, gefalle ihm. Er wünscht sich mehr Transparenz in der Bad Vilbeler Kommunalpolitik. "Wem würde die Errichtung eines Kombibades oder die Ansiedlung von Segmüller nutzen? Brauchen das die Bürger wirklich? Und welche Verhandlungen laufen hierzu hinter verschlossenen Türen? Das möchte ich wissen", sagt er.
Die Piraten wollen mit ihrer Forderung nach mehr Transparenz frischen Wind in die politischen Strukturen bringen. "Nach so vielen Jahren an der Macht sind es die etablierten Parteien nicht gewohnt, sich zu rechtfertigen", sagt Geining. Würde man den Bürgern mehr erklären, was warum gemacht werde, "so gäbe es mehr Verständnis", ist er überzeugt. Es gebe weniger eine Politikverdrossenheit als vielmehr eine Parteienverdrossenheit, sagt Geining.
"Bei den etablierten Parteien wird man nicht gehört", sagt Ulrich Schäfer und berichtet von eigenen Erfahrungen. Indes könne bei den Piraten jeder seine Ideen anbringen, "denn es gibt noch viel Platz im Parteiprogramm", sagt Schäfer und deutet auf das 26-seitige Programm vor sich auf dem Tisch, das er mitgebracht hat.
Gegen Überwachungswahn
Bei aller Ernsthaftigkeit der Themen gehen die Piraten manches mit Humor an. Ringel überreicht einen Aufkleber mit der Aufschrift "Diese Toilette wird aus politischen Gründen videoüberwacht", am Rand sind zwei Videokameras zu sehen. Damit wende sich die Partei auf ironische Weise "gegen den Überwachungswahn". "Bis wir bei den nächsten Wahlen in den Bundestag kommen", sagt Geining selbstbewusst, "müssen wir die Durststrecke überbrücken. Dabei schadet ein bisschen Humor nicht."
Der nächste Stammtisch der Wetterauer Piraten findet morgen (Dienstag) ab 19.30 Uhr in der Pizzeria "Da Toni", Siemensstraße 10, in Altenstadt statt. Weitere Termine und Informationen unter http://www.piratenpartei-wetterau.de im Internet.



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