Probleme mit der Energiewende

Naturschutzbund fordert Ausgleich für Windräder und kritisiert Monokulturen für Biogasanlagen

Lange Zeit galt die Atomenergie in Deutschland als sicher. Erst das Reaktorunglück in Fukushima brachte ein Umdenken bei der Energiegewinnung ins Rollen. Auch in Karben wird zunehmend auf Solarstrom, Biogasanlage und bald Windkraft gesetzt. Hans Hansen vom Naturschutzbund Karben (Nabu) erläuterte diese Entwicklung.

Von Ingrid Zöllner

Karben. Hans Hansen erklärte bei einem Vortragsabend des Naturschutzbundes Karben, wie sich das Unglück von Fukushima auf die Energiepolitik in Deutschland ausgewirkt hat. Foto: Ingrid ZöllnerEs war der erste Vortrag in diesem Jahr, zu dem der Naturschutzbund eingeladen hatte. Rund 30 Gäste hatten sich im Bürgerzentrum eingefunden, um den Ausführungen von Hansen zu lauschen. Der Nabu-Vorsitzende Jürgen Becker begrüßte die Anwesenden. "Das Unglück in Fukushima ist auch an Karben nicht spurlos vorübergegangen", sagte er. Wie es dazu gekommen ist, zeigte Hansen in einem Bildervortrag.

Anhand von Karten erklärte er, wie die Verschiebung der Erdkrusten, der so genannten Plattentektonik, das Erdbeben und damit auch den Tsunami ausgelöst hatte. Die Erdplatten hatten sich um drei Meter verschoben. Das Beben der Stärke neun und die über zehn Meter hohe Welle waren die Ursache für das Reaktorunglück in Fukushima.

Windenergie holt auf

Hansen schilderte, wie das Atomkraftwerk aufgebaut war und wo letztlich die Problematik gelegen hatte: "Wenn kein Strom und kein Wasser mehr zur Kühlung der Brennstäbe zur Verfügung steht, ist das für ein Atomkraftwerk tödlich, dann kommt es unweigerlich zur Kernschmelze." Auf der Insel Hon-shu war durch die ausgetretene Radioaktivität um Fukushima ein Gefahrenkreis von 260 Kilometern gezogen worden.

In Deutschland hatte sich die Politik Ende 2010 noch für eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke ausgesprochen. Ein knappes halbes Jahr später folgte die Wende um 180 Grad. Acht Kernkraftwerke sind abgeschaltet, die restlichen neun gehen bis 2022 vom Netz. Hansen erläuterte auch an einem Lageplan von Biblis, dass sich das Kernkraftwerk mit den Blöcken A und B zwar in der Bauart unterscheide, aber auch dort die Notwendigkeit von Strom und Wasser für die Kühlung gegeben ist, um ein Unglück zu vermeiden.

"Während im Jahr 2010 in Deutschland noch 22 Prozent Strom durch Atomenergie produziert wurde, waren es 2011 nur noch 20 Prozent. Um zwei Prozent stieg dagegen die Windkraft auf 19 Prozent an", erläuterte Hansen. Bei gerade mal drei Prozent liege Photovoltaik, die aber die meiste Förderung erhalte. "Das soll sich jedoch künftig ändern." Der Referent stellte einige Modelle vor, in denen auf CO2-neutrale Art Energie gewonnen wird. Eines davon ist das Projekt "Desertec" (die FNP berichtete), bei dem Spiegel auf einer riesigen Fläche das Sonnenlicht auffangen und es umwandeln.

"In Deutschland wird die Nutzung der Windkraft weiter voran gehen", glaubt Hansen. Er selbst sieht in der Wetterau lieber Windräder als Hochspannungsleitungen. "Die Räder werden größer und effizienter", sagte er.

Zwiespältige Windräder

Der Nabu-Vorsitzenden Becker sieht das Thema Windräder in Karben jedoch zwiespältig. "Natürlich wollen wir grünen Strom. Wichtig wäre es, für jedes Windrad eine Ausgleichsmaßnahme zu schaffen", sagte er auf Anfrage der FNP. "Was man der Natur wegnimmt, muss an anderer Stelle wieder hergestellt werden", forderte er. Er denkt dabei an Ackerrandstreifen für Wildblumen, Teiche, Bienenhotels und Ähnliches.

Für die Biogasanlage sei ein Ausgleich geschaffen worden, jedoch sieht der Nabu die Entwicklung kritisch. "Nach meinen Informationen wird mehr Mais benötigt als vorher. Für die vielen Maisfelder gibt es keinen Ausgleich. Das sind reine Monokulturen, und die stören das Gleichgewicht der Natur", sagte er.

Der Nabu bemüht sich derzeit unter anderem um einen Referenten von der Vogelschutzwarte, der aus seinen Erfahrungen berichten soll, inwieweit sich Windräder störend auf Vögel auswirken.

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