Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 24.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Gladbach schockt die Bayern
Nach 16 Jahren hat der FC Bayern München erstmals wieder gegen die Borussen verloren und damit einen bitteren Auftakt in die Bundesliga-Saison erlebt. Ausgerechnet ein grober Schnitzer von Manuel Neuer verursacht den Münchner Fehlstart.
München. ![]()
Der Mönchengladbacher Igor de Camargo (links) bejubelt mit Mike Hanke und Marco Reus (rechts) den "goldenen Treffer". Foto: MiSWelch ein Schock: Ein grober Patzer von Nationaltorhüter Manuel Neuer hat dem Fußball-Rekordmeister FC Bayern einen bitteren Saison-Fehlstart beschert. Nach dem 0:1 (0:0) im Bundesliga-Klassiker gegen Borussia Mönchengladbach müssen die hoch gewetteten Münchner dem furios gestarteten deutschen Meister Borussia Dortmund gleich zu Saisonbeginn wieder hinterherlaufen.
Matchwinner für die aufopferungsvoll kämpfenden Gäste war Igor de Camargo, der in der 62. Minute nach einem langen Ball von Roel Brouwers mit dem Kopf vor Neuer am Ball war, der sich beim Herauslaufen böse verschätzt hatte. Beim erst zweiten Sieg in München war auf Gladbacher Seite der 19-jährige Torwart Marc-André ter Stegen der entscheidende Rückhalt. Zuletzt war den Borussen im Oktober 1995 ein solcher Coup in München gelungen.
Bayern-Trainer Jupp Heynckes nannte die Situation beim Gegentor ein Missverständnis zwischen Neuer und Abwehrchef Jerome Boateng. "Manuel muss da nicht raus", meinte er. "Das geht hundertprozentig auf seine Kappe. Er muss im Tor bleiben, Boateng war am Ball und hat fünf Meter Vorsprung", kritisierte Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer indes den Münchener Keeper, der vor der Partie als "Fußballer des Jahres" ausgezeichnet worden war. "Das war sein Fehler, und das weiß er auch."
"Ich bin sauer. Alle guten Vorsätze sind wieder beim Teufel". ärgerte sich Nationalspieler Thomas Müller nach der ersten Auftaktniederlage der Bayern in der Bundesliga seit 2001. "Der Gegner macht aus dem Nichts ein Tor. Das ist unser Problem." Gladbachs Trainer Lucien Favre konnte sein Glück kaum fassen: "Wir haben die ganze Woche hart gearbeitet, um den Spielern das Vertrauen zu geben. Sie haben das Glück provoziert."
Beinahe 90 Minuten berannten die Bayern vor 69 000 Zuschauern, darunter Bundestrainer Joachim Löw, in der ausverkauften Arena das Tor der Gladbacher. Doch zumeist agierten sie zu kopflos - oder hatten Pech.
So traf Mario Gomez, Bundesliga-Torschützenkönig der Vorsaison, in der 54. Minute per Kopf nur den Pfosten. In der 77. Minute wurde den Münchnern ein Treffer von Thomas Müller fälschlicherweise wegen angeblicher Abseitsposition nicht anerkannt. "Es war alles gut anzuschauen, aber nicht zwingend genug", stellte Heynckes fest.
Von Beginn an ging es nur in Richtung Gladbacher Tor. Die Bayern waren optisch klar überlegen, doch es fehlten die zwingenden Aktionen. Die Gäste standen mit zehn Spielern kompakt um den eigenen Strafraum herum und machten die Räume eng. Immerhin stand auch die umformierte Bayern-Deckung mit ihrem neuen Abwehrchef Boateng lange sicher. So war angesichts der starken Abwehrreihen die Partie über 40 Minuten ein Spiel ohne Chancen. Die Gäste warteten auf den Lucky Punch.
Nach dem Wechsel erhöhten die Gastgeber den Druck. Trainer Jupp Heynckes brachte nach einer Stunde für den wirkungslosen Toni Kroos auch noch Franck Ribery. Ausgerechnet kurz danach fiel der Treffer für die in der vergangenen Saison lange abstiegsgefährdeten Borussen wie aus dem Nichts.


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