Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 22.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Glamourgirl mit Familiensinn
Serie, Teil 5: Fatmire „Lira“ Bajramaj
Jung, attraktiv, erfolgreich: Die gebürtige Kosovo-Albanerin ist die Frau mit den meisten Werbeverträgen im DFB-Team.
Von Michael Löffler
Frankfurt. ![]()
Auch bei Regen ein Blickfang: Lira Bajramaj. Foto: Hübner Fatmire Bajramaj ist so etwas wie das Glamourgirl der Nationalmannschaft. Lira, wie sie genannt wird, ist anders als ihre Mitspielerinnen. Sie lackiert sich in allen möglichen Farben ihre Fingernägel, holt gerne extravagante Klamotten sowie High Heels aus dem Schrank. Unvergessen ihr Auftritt vor rund zwei Jahren, als sie in den schicken, hochhackigen Tretern zwei Bälle auf der Sportstudio-Torwand des ZDF versenkte. Der US-Sender CNN sieht sie bereits als Ikone des Frauenfußballs. Sie ist jung, feminin, attraktiv, eine Vollblutfußballerin und erfolgreich. Kein Wunder, dass die gebürtige Kosovo-Albanerin die meisten Werbeverträge im DFB-Team absahnt.
Das liegt auch an ihrer Lebensgeschichte. Fünf Jahre war sie alt, als ihre Eltern mit ihr und den beiden Brüdern aus dem Kriegsgebiet Kosovo nach Deutschland flohen. Ihre Kriegserfahrungen haben sie für humanitäre Aktionen sensibilisiert. Als Botschafterin beim Kinderhilfswerk "World Vision" engagiert sie sich gegen Kinderarmut und für die Bekämpfung von HIV in Afrika. Zwischen Weihnachten und Silvester war sie deshalb in Tansania. Gemeinsam mit ihrem achtjährigen Patenkind Amina kickte sie im Steppensand. "Ich mag Kinder. Auch mit eigenen will ich mir nicht zu viel Zeit lassen", sagt der 23-jährige Shooting-Star, der ab der kommenden Saison für den 1. FFC Frankfurt spielen wird.
Ihre Liebe gilt jedoch weiterhin einem anderen Verein: Borussia Mönchengladbach. Nach der Flucht lebte sie mit ihrer Familie in der Stadt am Niederrhein, bewunderte Arie van Lent, Toni Polster und Michael Frontzeck, war mit Schal und Trikot im Stadion: "Ein Traum geht in Erfüllung. Jetzt werde ich beim Vorrundenspiel gegen Frankreich dort auf dem Rasen stehen, und 45 000 Fans, darunter meine noch dort lebende Familie werden mir applaudieren."
Islamische Wurzeln
Lira Bajramajs zweite Heimat ist und bleibt das Kosovo: "Dort leben viele Cousins von mir. Einmal jährlich besuche ich sie." Ihre Wurzeln will sie nicht kappen. Dazu gehört auch, den islamischen Glauben zu leben. Zumindest gemäßigt: "Ich bete vor dem Schlafen und vor Spielen, esse kein Schweinefleisch. Aber ich trage kein Kopftuch, schminke mich gerne, liebe Partys, meinen weißen Einser-BMW und Süßigkeiten."
Zu spielen begann sie heimlich, gegen den Willen des Vaters. "Er wollte, dass ich Ballett tanze. Fußball sei nur etwas für Männer." Sie selbst wollte zunächst auch lieber Schauspielerin werden. Ihre Brüder nahmen die Sechsjährige mit auf den Bolzplatz. "Du bist klein, kannst nichts. Gehe ins Tor", sagten sie mir. "Nach fünf Minuten war ich draußen. Ich hatte keine Lust, mich beschießen zu lassen." Als sie bemerkte, dass sie sich als Feldspielerin behaupten konnte, kam die Lust auf mehr.
Sie heuerte beim FSC Mönchengladbach an. Bald kam der Papa dahinter. "Zunächst sträubte er sich dagegen. Nachdem ich ihn überzeugen konnte, sich mein Spiel anzuschauen, wurde er mein größter Fan", sagt Lira. Mit 16 wechselte sie in die Bundesliga zum FCR Duisburg. Ein Jahr später debütierte die wieselflinke und technisch überragende Offensivspielerin in der Nationalelf. Im Sommer 2006 wurde sie mit der U 19 Europameisterin, im selben Jahr nahm sie an der U 20-Weltmeisterschaft teil. Als im Finale der WM 2007 in China nur noch eine Viertelstunde zu spielen war, signalisierte ihr Bundestrainerin Silvia Neid, den Trainingsanzug abzulegen. "Ich wollte nicht spielen, war zu aufgeregt, zog mich extrem langsam aus. Aber es half nichts. Ich musste aufs Feld". Zehn Minuten lang spielte sie gegen Brasilien. Und wurde Weltmeisterin.
Diesmal hofft sie auf einen Final-Einsatz. "So extrem habe ich mich noch nie auf etwas gefreut. Das wird geil", sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Für das Finale hat sie auch schon die Zeitungs-Überschrift parat: "Bajramaj schießt Deutschland in der Nachspielzeit zum dritten WM-Titel."
Am Dienstag lesen Sie: Kerstin Garefrekes.


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