Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 26.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Mainzer Wechselbäder
Gegen Schalke zur Halbzeit 2:0 geführt, dann noch 2:4 verloren. Die Gelsenkirchener drehen nicht nur das Spiel, sie dürfen auch weiter mit ihrem Star Raul spielen.
Von Jürgen Heide
Mainz. ![]()
Schalker Glücksgefühle, hier bei Kyriakos Papadopoulos (rechts) und Christian Fuchs (vorne). Foto: dpa Nachdem er die auf den Boden liegenden Mainzer Bo Svensson und Marco Caligiuri nach der 2:4 (2:0)-Niederlage getröstet hatte, forderte Lewis Holtby die FSV-Fans auf, die 05-Spieler zu unterstützen, was diese dann auch mit Beifall taten. "Ich fühle mich Mainz immer noch verbunden", erklärte der vor der Saison von den 05ern nach Schalke zurückgekehrte Nationalspieler seine Aufbauhilfe.
Dass die Mainzer nach der spektakulären Partie am Boden waren, war verständlich, da bis zur Pause nichts darauf hingedeutet hatte, dass die Gäste mit einem Erfolg nach Gelsenkirchen zurückkehren würden. "Wir haben so gespielt, als wären wir direkt aus dem Flieger aus Helsinki gestiegen", merkte Trainer Ralf Rangnick treffend an. Nahtlos hatten die Königsblauen an die 0:2-Pleite in der Europa League angeknüpft und lagen bereits nach elf Minuten durch Gegentore von Andreas Ivanschitz und Elkin Soto, nachdem Keeper Ralf Fährmann einen Schuss von Sami Allagui nur abprallen ließ, mit 0:2 zurück.
"In der Halbzeit herrschte bei uns eine Stimmung, als würde es 0:5 stehen", sagte Rangnick. "Sie hätten auch vier Tore kriegen können", sagte 05-Präsident Harald Strutz und niemand widersprach ihm. Obwohl die aggressiven Mainzer bis dahin fast jeden Zweikampf gegen die lethargischen Gäste gewonnen hatten "und es so unmöglich weitergehen konnte", so Rangnick, behielt der Coach die Ruhe. "Er hat uns nicht angeschrien, sondern uns aufgebaut", sagte Holtby, dessen Team nach dem 1:2 durch Klaas-Jan Huntelaer (57.) urplötzlich wieder im Spiel war und dieses auch dank des eingewechselten Jefferson Farfan noch drehte. Benedikt Höwedes (64.) und Joel Matip (82.) nutzten dabei nach Ecken des Peruaners die Mainzer Schwäche bei Standardsituationen, bevor ausgerechnet Christian Fuchs mit einem Freistoß der 4:2-Endstand gelangt (90.). Während Holtby mit viel Beifall begrüßt wurde, war der Österreicher, der Mainz verlassen hatte, bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen worden.
Der Linksverteidiger stand quasi sinnbildlich für die zwei Gesichter der Gäste, weil er in der ersten Hälfte äußerst schwach agierte und vor dem 0:1 Ivanschitz aus den Augen ließ, bevor er sich wie sein neues Team nach dem Wechsel gegen die immer mehr nachlassenden Gastgeber steigerte.
Am Ende konnten sich die Schalker dann nicht nur über die Punkte freuen, sondern auch über Rauls Erklärung, in Gelsenkirchen bleiben zu wollen.


Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.
Folge uns unter