Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 25.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Der Traum von Olympia
Sechs Schwimmer der SG Frankfurt haben ein Ziel: Sie wollen nach London
Die Olympischen Spiele sind der Höhepunkt jeder Sportlerkarriere. Doch der Weg dorthin ist nicht einfach. Getreu dem Motto "Gemeinsam sind wir stark" hat sich bei der Schwimmgemeinschaft (SG) Frankfurt in den vergangenen Monaten eine sechsköpfige Trainingsgruppe gebildet. Ihr Ziel: London 2012.
Von Vanessa Bosch
Frankfurt. ![]()
Marco di Carli, hier bei einem Wettkampf im Juli in Shanghai, absolut bei den Deutschen Meisterschaften in Wuppertal ein umfangreiches Programm. Foto: dpa Betreut wird das Sextett von Michael Ulmer, dem Sportdirektor der SG Frankfurt. Schon vor Ostern hatten Marco di Carli und Manuel Schwarz dem hiesigen Stützpunkttrainer Martin Grabowski den Rücken zugewandt. Sie klopften bei Ulmer an mit der Bitte, sie bis zu den Deutschen Meisterschaften zu betreuen. Nach der überragenden Vorstellung von di Carli bei den nationalen Titelkämpfen mit dem Deutschen Rekord über die 100 Meter Freistil waren sich die drei schnell einig, diese so erfolgreich begonnene Liaison bis ins Olympia-Jahr hinein zu verlängern. Es dauerte nicht lange, da wechselten mit Martin Kutscher und Jan Philipp Glania zwei weitere Aktive zu Ulmer. Und auch Lukasz Wojt, der überwiegend alleine seine Bahnen im Wasser gezogen hatte, erkannte die Vorteile dieser Trainingsgemeinschaft. "Wir sind so was wie das Real Madrid des Schwimmsports", scherzt er.
Zwischen 65 und 70 Trainingskilometer pro Woche legen Ulmers Olympia-Kandidaten im Wasser zurück und schinden sich darüber hinaus regelmäßig im Kraftraum. Unterstützung erhalten sie außerdem durch den Hessischen Schwimm-Verband und den Olympiastützpunkt Rhein-Main.
Im September komplettierte dann noch Annika Mehlhorn die Gruppe. Die ehemalige Europarekordhalterin über 200 Meter Schmetterling war bereits bei den Spielen 2004 in Athen dabei und will es nun über die kürzere 100-Meter-Distanz wissen. "Diese Strecke ist besonders im Hinblick auf die Lagenstaffel interessant", sagt die ausgebildete Polizeikommissarin. Zunächst muss sie wegen ihrer Verletzung jedoch den daraus resultierenden Trainingsrückstand aufholen. Von daher wird sie nicht bei den heute beginnenden Deutschen Meisterschaften in Wuppertal starten.
Mammutprogramm
Auch Marco di Carli musste nach einer Operation an der Leiste mehrere Wochen pausieren. Im Gegensatz zu Mehlhorn wird er in Wuppertal dabei sein und mit zehn Einzel- und zwei Staffelstarts ein Mammutprogramm absolvieren. Der 26-Jährige schwimmt die Rennen aus dem vollen Training heraus. Bestzeiten sind daher nicht zu erwarten, folglich ist auch die Europameisterschaft im Dezember kein Thema. Somit kreisen seine Gedanken alleine um die Olympiaqualifikation. Die Normzeit über seine Paradedisziplin, die es zu knacken gilt, steht mit 48,40 Sekunden nämlich schon fest. Hierfür muss der großgewachsene Rotschopf nahe an seinen eigenen Rekord (48,24) schwimmen.
Mit ehrgeizigen Zielen tritt unterdessen Manuel Schwarz bei den Kurzbahn-Meisterschaften an. Der Langstreckenschwimmer feierte unlängst mit dem dritten Platz beim Weltcup in Berlin seinen größten internationalen Erfolg. Jetzt will er das EM-Ticket lösen.
Dieses hat Lukasz Wojt im Übrigen längst in der Tasche. Der für Polen startende Schwimmer freut sich schon auf seinen Auftritt über die 400 Meter Lagen in seinem Heimatland.
Für den Freistilspezialisten Martin Kutscher soll 2012 ein ganz besonderes Jahr werden. "Neben meinem Uni-Abschluss wäre ein Start in London sicherlich ein schönes Abschiedsgeschenk von meiner Schwimmkarriere", sagt der Sportstudent. Der 27-Jährige ist Sohn eines Deutschen und einer Uruguayerin und lebte zehn Jahre in dem südamerikanischen Land, für das er auch bei internationalen Rennen antritt.
Die Zukunft im Schwimmen hat der erst 23 Jahre alte Jan Philipp Glania gewiss noch vor sich. Erst vor kurzem hat er seine Belastungsgrenzen bei den drei Weltcup-Rennen in Asien getestet. Auf der ersten Station in Singapur schwamm er über 50 und 100 Meter Rücken jeweils Bestzeiten. Bei den Deutschen Meisterschaften startet der Student der Zahnmedizin ebenfalls über die Rückenstrecken, um sich für die Europameisterschaft zu qualifizieren. Danach wird er sich voll und ganz auf das Fernziel London konzentrieren. "Eines ist doch ganz klar: Olympia ist der Traum unserer ganzen Gruppe", sagt Glania.


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