Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 26.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Sag niemals nie
Für seinen Freund Michael Bresagk beendet der mittlerweile 40 Jahre alte Daniel Kunce den Eishockey-Ruhestand: Der ehemalige DEL-Verteidiger feiert bei den Frankfurter Löwen ein Comeback.
Von Michael Löffler
Frankfurt. ![]()
Ein etwas älterer Löwe: Daniel Kunce. Foto: Storch Wenn‘s dem Esel zu gut geht, geht er auf‘s Eis. Da ist etwas Wahres dran: In kaum einer Mannschaftssportart gibt es so viele erfolgreiche "Oldies" wie im Eishockey. Der legendäre Bobby Hull stürmte mit 41 in der NHL an der Seite von Gordie Howe. Dieser beendete seine Karriere als 52-Jähriger in einem Sturm mit den Söhnen Marty und Mark. Die "4" vorne hatten bei ihrem letzten NHL-Spiel auch Legenden wie Ray Bourque, Igor Larionov, Mark Messier, Stan Mikita oder Bobby Orr. Jaromír Jágr wirbelt mit 40 in Philadelphia, der tschechische Torwart Dominik Hašek macht mit 47 gerade ein Jahr Pause, will dann aber wieder bei einem gut zahlenden Verein anheuern.
So gesehen, kann Frankfurts Neuzugang Daniel Kunce noch lange spielen. Schließlich wird er erst im Juli 41. Auch der Löwen-Verteidiger hat tschechische Wurzeln. 1990 kam er nach Deutschland, wo er 20 Jahre lang in der höchsten deutschen Klasse für Kaufbeuren, München, Nürnberg, Krefeld, Duisburg und zuletzt für die Frankfurt Lions spielte. 1996 wurde Daniel Kunce deutscher Nationalspieler. Er nahm an sechs Weltmeisterschaften teil, zwei Mal startete er bei den Olympischen Spielen. Mit dem Ausscheiden von Hans Zach als Bundestrainer nach der WM 2005 entschloss sich auch der 112malige Nationalspieler, seine internationale Karriere zu beenden.
Nach dem unrühmlichen Aus der Lions in der DEL im Frühjahr 2010 hörte Daniel Kunce frustriert mit dem Leistungssport auf. Zunächst hielt er sich in der Traditionsmannschaft der Krefeld Pinguine fit, mit denen er 2003 Deutscher Meister wurde. Dann ging er in sein Geburtsland. In Olmütz half er der tschechischen Eishockey-Legende Jirí Dopita ein wenig beim Training der Jugend. Wollte er selbst noch spielen? "Lose Gedanken an ein Engagement bei einem kleineren tschechischen Verein gab es, aber nichts Konkretes. Meine sportlichen Aktivitäten beschränkten sich im letzten halben Jahr auf zweimal Skifahren, ein wenig Schlittschuhlaufen und einmal tauchen", erzählt der alte Haudegen.
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Dann bekam er ein unerwartetes "Weihnachtsgeschenk." Am 23. Dezember erreichte ihn ein Anruf aus Frankfurt. "Am Apparat war mein Freund und letzter Mitspieler Michael Bresagk. Zwei Verteidiger seien ihm ausgefallen. Ob ich nicht helfen könnte. Ich brauchte nicht lange zu überlegen. Da ich kaum zugenommen habe und bei einem Versuch auf dem Eis feststellen konnte, dass ich noch geradeauslaufen kann, gab ich am 3. Januar meine Zusage", schildert Kunce, "und machte mich auf den Weg. Am 4. war ich in Frankfurt, zwei Tage später spielte ich gegen Ratingen. Und habe es überlebt. Sogar ohne Herzinfarkt."
Die Fans begrüßten ihn mit langanhaltenden Ovationen. "Ich war erstaunt, wie viele Zuschauer da waren. Und wie viele mich noch kannten. Ein tolles Gefühl. Ehrlich: Ich würde nirgendwo sonst spielen. Frankfurt war meine einzige Option, noch einmal die Schlittschuhe anzuziehen. Nicht des Geldes wegen. Wegen Michael: Er weiß, wovon er spricht. Ich habe die Geburt der Löwen auch verfolgt und bewundert, wie er es macht."
Dass er noch nicht fit ist, auf dem Eis kleinere Brötchen backen muss, weiß Kunce selber am besten. "Ich denke, in zwei Wochen habe ich meine Form wieder", meint der Verteidiger. "Klar ist der Körper mit 40 nicht das, was er früher war. Die Ansprüche sind geblieben, nur der Körper macht noch nicht mit. "
Im Training spürte er am eigenen Leibe, wie schnell einige seiner neuen Mitspieler sind. "Klar, dass ich nicht wie mit 20 spielen kann." Damals zeichnete ihn ein gewaltiger Schuss sowie die Fähigkeit aus, vor dem eigenen Tor abzuräumen. Letzteres wird nun die vorrangige Aufgabe des 1,86 Meter und 95 Kilo schweren Routiniers sein. Wie lange? "Darüber mache ich mir wirklich keine Gedanken. Ich will mich nicht blamieren. Und hoffe, das ich die Mannschaft gut ergänzen kann. Eines habe ich inzwischen gelernt: Sag niemals nie!"


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