Ansgar – der ewige Adler
Der weiße Brasilianer sprach im Eintracht-Museum über sein bewegtes Leben
Kaum ein Ex-Fußballprofi kann auf eine dermaßen bewegte Karriere zurückblicken wie Ansgar Brinkmann. Obwohl er nur zwei Jahre für die Eintracht kickte, verehren ihn die Frankfurter Fans noch heute. Ihnen stellte Brinkmann im Eintracht-Museum sein neues Buch vor.
Sachsenhausen. ![]()
Ansgar Brinkmanns Augen strahlen bei der Erinnerung an alte Frankfurter Zeiten. Foto: Rüffer Als die Eintracht am 29. Mai 1999 durch einen sensationellen Übersteiger von Jan Åge Fjørtoft in der vorletzten Spielminute den 5:1-Kantersieg gegen Europapokal-Aspirant 1. FC Kaiserslautern und zugleich den Last-Minute-Klassenerhalt besiegelte, da stand ganz Fußballdeutschland Kopf. "Danach war es zwei Wochen lang wie fliegen", erinnert sich Ex-Eintracht-Profi Ansgar Brinkmann (42). Er war maßgeblich am für unmöglich gehaltenen Nichtabstieg beteiligt. Dieser Moment gehört ohne Zweifel zu den größten in der Karriere des für seine feine und aufopferungsvolle Spielweise bekannten Flügelflitzers.
Verkauf nach Klassenerhalt
Genutzt hat es letztlich nichts: Als die Eintracht zwei Jahre später den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antrat, kickte der 1997 verpflichtete Brinkmann bereits für den VfL Osnabrück. Die Liaison mit Tennis Borussia Berlin, wo er dachte, dass "da zwei Nullen zu viel im Vertrag standen", hielt nicht lange. Obwohl der "weiße Brasilianer", der es in seiner 20-jährigen Karriere auf 360 Zweit- und 75 Erstligapartien brachte, nur zwei Jahre in Frankfurt spielte, vergöttern ihn die Fans bis heute.
Brinkmann wiederum hält große Stücke auf den sonst so besonnenen Heribert Bruchhagen. Umso mehr war er von dessen Wutausbruch in der HR-Sendung Heimspiel überrascht. "So erregt habe ich Harry noch nie erlebt. Es war aber sehr unterhaltsam", sagte Brinkmann, der gemeinsam mit Bruchhagen im Studio war und kaum zu Wort kam. Doch auch der ostwestfälische Straßenkicker und Charakterkopf sorgte bei seinem Besuch im Eintracht-Museum für beste Unterhaltung. Die zahlreich erschienenen Fans hingen an den Lippen des anekdotenreichen Spielers, der auf amüsante Weise erklärte, warum er bei manchem seiner 38 Trainer in Ungnade fiel.
"Im Nachhinein sind viele meiner Entscheidungen nicht logisch zu erklären", bekennt das fast unmerklich gealterte Fußballidol. Doch sein Engagement in Frankfurt sei "eine Ehre, das steht fest. Mit Bernd Schneider und Thomas Sobotzik zu spielen war großartig." Und mancher Abend mit Uli Stein sei äußert unterhaltsam verlaufen. Für Offenbach zu spielen wäre hingegen "ein bisschen so wie sterben", sagt Brinkmann mit der ihm eigenen Prägnanz.
So verschlungen wie Ansgar Brinkmanns fußballerischer Lebensweg, so aufrichtig und idealistisch ist seine Einstellung zum Sport: "Talent ist nicht alles. Der Wille spielt eine große Rolle." Für ihn steht daher fest, dass die Eintracht den direkten Wiederaufstieg schaffen wird. Dabei wäre Ansgar Brinkmann beinahe nicht in Frankfurt, sondern in Zwickau gelandet. "Ich habe zuvor beim BV Cloppenburg gespielt und auf der Weihnachtsfeier gesagt, es sei egal, ob der Trainer oder der Busfahrer auf der Bank sitzt", entsinnt sich der umtriebige Fußballer an den Grund seiner Degradierung in die zweite Mannschaft. Auf dem Weg nach Zwickau habe er einen Anruf aus Frankfurt bekommen: "Erst habe ich gedacht, da will mich jemand veräppeln." Beim zweiten Anruf habe er auf der Autobahn kehrtgemacht und sei die 350 Kilometer in den Süden gefahren, wo Trainer Horst Ehrmantraut ihm in einem zweiminütigen Gespräch erklärte, was er von ihm erwarte: Leistung und Leidenschaft.
Schon zu Beginn seiner Karriere spielte Brinkmann mit späteren Stars: Alles fing in Uerdingen an, wo der damals 16-Jährige mit seinem Teamkollegen Oliver Bierhoff deutscher A-Jugend-Meister wurde. "Olivers Vater war RWE-Vorstandsvorsitzender. Seine Jacke hat mehr gekostet als mein ganzer Kleiderschrank", sagt Brinkmann.
Stets heimatverbunden
Statt in Uerdingen einen gutdotierten Profivertrag zu unterzeichnen, wechselte der heimatverbundene Jungprofi zum VfL Osnabrück. 1995 zog es ihn dann nach Mainz. Trotz eines frisch verlängerten Vertrags und einem Monatsgehalt von 10 000 Euro beschloss er quasi über Nacht, dass Mainz nicht das rechte Pflaster war. Er wechselte zum Drittligisten Preußen Münster, wo er lediglich ein Drittel seines Mainzer Salärs verdiente. "Als der Mainzer Manager anrief und fragte, warum ich nicht zum Training komme, war ich gerade in London auf einem Konzert von Bruce Springsteen", belegt Brinkmann, sein stets recht eigenes, aber liebenswertes Image. mov

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