Ein ordentlicher Spatz
0:0 beim Hamburger SV: Eintracht Frankfurt bleibt weiter im Aufwind
Von Christian Heimrich
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Lufthoheit: Frankfurts Patrick Ochs (rechts) behauptet sich gegen den Hamburger Tomas Rincon. Foto: Klein Wieder ein Punkt gegen einen Großen der Bundesliga: Mit ein wenig Glück wäre sogar mehr möglich gewesen.
Hamburg. Patrick Ochs strahlte über das ganze Gesicht, als er im Bauch der Hamburger WM-Arena abgekämpft, aber glücklich Richtung Kabine strebte. «Das ist ein verdientes Pünktchen», meinte der Rotschopf. Diebische Freude spielte dabei um seine Mundwinkel. Denn die Frankfurter Eintracht hatte dieses «Pünktchen» erneut gegen ein Schwergewicht in der Fußball-Bundesliga ergattert. Ochs hielt in seiner Genugtuung die Erinnerung an noch nicht allzu verflossene Zeiten wach: «Früher haben wir auswärts solche Spiele 0:4 verloren.»
Auch ein Kaliber wie der Hamburger SV, immerhin Tabellenvierter und Europa-League-Teilnehmer, scheint also seinen Schrecken für die Eintracht verloren zu haben. Erfolge gegen die Großen der Branche entwickeln langsam eine lange nicht dagewesene Normalität. «Wir hätten hier gewinnen können», meinte Trainer Michael Skibbe nach dem 0:0 ziemlich entspannt. Fairerweise fügte er noch hinzu: «Mit ein bisschen Pech hätten wir auch verlieren können.»
Schlapper HSV
Dazu hätten die Hamburger in der ersten Halbzeit allerdings mehr Köpfchen beweisen müssen. Doch sowohl Marcus Berg (25.) als auch der in der Bundesliga noch nicht allzu auffällig gewordene Tunay Torun (39.) zielten nach Flanken von Boateng am langen Pfosten lauernd vorbei. Kurz vor der Pause scheiterte dann noch Petric nach einem präzisen Zuspiel von Trochowski. Damit hatte der HSV sein Pulver verschossen. Schlapp wirkte der Favorit, ohne Ideen und Spielwitz. Das Europa-League-Spiel gegen Eindhoven am Donnerstagabend hatte seine Spuren hinterlassen. «Natürlich ist das ein Wettbewerbsnachteil gegenüber einem Gegner, der top ausgeruht ist», haderte Hamburgs Trainer Bruno Labbadia.
Wenn dieser Gegner dann auch noch gut organisiert und als Team kompakt auftritt, fällt alles doppelt schwer. «Wir haben den HSV gut in Schach gehalten», meinte Ochs. «Wir wollten defensiv gut stehen und haben das als Mannschaft überragend gemacht», lobte Pirmin Schwegler. Der Schweizer agierte nach endlich ausgeheilter Bänderverletzung wieder im defensiven Mittelfeld und legte dabei schnell jegliche Angst vor erneuten Schmerzen ab.
Einziges Frankfurter Manko: Bei den Kontern wurde doch immer wieder geschlampt. Das war natürlich auch Skibbe unangenehm aufgefallen: «Hinten haben wir uns fußballerisch klasse vom Druck befreit. Aber die Pässe nach vorne waren dann oft zu ungenau.» So hatte die Eintracht eigentlich ebenfalls nur drei nennenswerte Chancen. Gleich zu Beginn, als Ochs nach Meiers langem Pass im Strafraum der Ball versprang (2.). Und dann wieder während der stärksten Frankfurter Phase in der zweiten Halbzeit. Zuerst kam Teber nach erneuter Vorarbeit von Meier gegen HSV-Keeper Rost zu spät (57.). Und sechs Minuten später klärte Boateng vor dem einschussbereiten Ochs, nachdem ein Schuss von Meier an Rost abgeprallt war.
Teber gesperrt
Zu mehr Angriff ließ Skibbe nicht blasen, deswegen verzichtete er lange auf die Einwechslung zusätzlicher Offensivkräfte. Vorstandschef Heribert Bruchhagen sprach dennoch von einer «reifen Leistung», und sein Trainer zeigte sich zufrieden: «Dieser Punkt ist ein Erfolg für uns.» Der Spatz in der Hand sei besser als die Taube auf dem Dach, heißt es ja gerne auf deutschen Allgemeinplätzen. «Und hier in Hamburg ist das ein ordentlicher Spatz», diagnostizierte Skibbe.
Beim Spiel in Stuttgart wird Selim Teber pausieren müssen. Der Mittelfeldspieler sah nach einem Foul an Petric im Mittelfeld in der 75. Minute seine zehnte Gelbe Karte. Skibbe war darüber nicht verstimmt: «Die Aggressivität in den Zweikämpfen gehört zu seinem Spiel.» Wichtiger war ihm, dass nicht auch Patrick Ochs seine fünfte Verwarnung kassierte: «Beide zur gleichen Zeit zu ersetzen, wäre schwierig.» Dazu läuft es momentan zu gut bei der Eintracht.

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Kommentare
Gast Gast schrieb am 22.02.2010 11:32 Uhr
Ochs
Schade, dass der auf den Flügeln schnelle und gute Ochs vor dem Tor oftmals die Nerven verliert. Wenn Herr Ochs die Chancen besser nutzen würde, die er hat, hätten wir einen Spieler mehr, der vor des Gegners Tor für Unsicherheit sorgen könnte.