03.08.2009 Eintracht Frankfurt

Eintracht-Fans suchten Ärger

Vor Pokal-Derby Polizisten angegriffen

Von Bastian Klein

Das Fußballspiel zwischen den Erzfeinden Eintracht Frankfurt und Offenbacher Kickers war gestern Anlass für Auseinandersetzungen zwischen Fans und der Polizei. Mindestens fünf Eintracht-Anhänger und ein Polizist wurden bereits vor dem Derby verletzt.

Frankfurt. Sie wollten Krieg – warfen mit Fackeln, Böllern und Steinen. 1500 Eintracht-Fans zogen gestern vom Mainufer zum Bieberer Berg. Fast 500 Chaoten und Randale-Fans marschierten der Truppe vorweg. Und die erzeugten, kaum waren sie in Offenbach angekommen, eine erschreckende Kulisse: Männer und Frauen mit blutenden Kopfwunden, andere Fans mit notdürftig verbundenen Schnittverletzungen an ihren Händen. Einige waren Opfer ihrer eigenen Glasflaschen und Steine geworden. Die flogen aus den mittleren Reihen zuhauf in Richtung der Polizisten, die versuchten, die Horde unter Kontrolle zu bringen. «Schrecklich. Das sind Szenen wie im Bürgerkrieg», sagte eine Spaziergängerin, die Zeugin des Geschehens wurde.

1000 Beamte im Einsatz

Wer den Randalierern zu nahe kam, setzte seine Gesundheit aufs Spiel. Neben Steinen flogen Hunderte Knallkörper. Einen Polizisten erwischte ein solcher Sprengsatz an seinem Ohr. Wie einige Kollegen, die etwas weiter entfernt standen, trug er anfangs keinen Gehörschutz. Doch die Hooligans warfen gezielt auf Polizisten, die am Rande standen und weniger gut gepanzert waren als ihre Kollegen an der Front. Der junge Mann erlitt ein Gehörtrauma und musste vom Notarzt versorgt werden. Einige Chaoten waren zudem nicht nur äußerst gewaltbereit, sondern auch völlig ohne Anstand: So urinierte eine Gruppe Eintracht-Fans auf einen Friedhof in Offenbach.

Während des gesamten, knapp sieben Kilometer langen Wegs versuchten die Fußball-Schläger ununterbrochen, eine Prügelei mit den insgesamt rund 1000 Polizisten vom Zaun zu brechen. Die ließen sich das meiste gefallen. Auch die verletzte Beamtin provozierte keinen Eingriff der Ordnungshüter. «Wenn wir jetzt mit Gewalt einschreiten, gibt es offenen Krieg. Wenn Sie mich fragen: Solche Märsche gehören verboten», sagte ein junger Polizist.

Jörg Winter, der einen Trupp Kollegen anführte, brachte es auf den Punkt: «Wäre dies eine Demonstration, würden wir die meisten verhaften, die so extrem provozieren.» Er schätzte, dass knapp ein Drittel der Gruppe prinzipiell zu Gewalt neige. Und er findet deutliche Worte für die Randale-Fans: «Das Gewaltpotenzial ist höher als bei dem Mai-Aufmarsch in Hausen.»

Ein Vergleich, der nicht unangebracht scheint. Denn zum ersten Mal seit langer Zeit wurde ein Eintracht-Fan festgenommen, weil er den verbotenen Hitler-Gruß zeigte. «Bei so etwas dürfen und können wir kein Auge zudrücken», sagte Winter kurz nach der Festnahme des jungen Mannes.

Zugegeben: Bei dem Bild, das die Eintracht-Fans an ihrer Spitze präsentierten, fällt es schwer zu unterscheiden. Selbstverständlich gab es auch zahlreiche friedliche Fans. Die liefen vor allem am Ende des Zuges. Junge Männer im weißen Eintracht-Hemd, die mit einem Bierchen in der Hand und der Freundin am Arm friedlich ins Stadion schlenderten. Sie freuten sich auf ein gutes Spiel, das war ihnen anzusehen. Und die Vernünftigen waren auch gestern in der Mehrheit. «Doch dieses Mal sind wir schwer an die Gescheiten herangekommen», sagte ein Polizist, der als Kommunikator die Aufgabe hatte, mit den Fußball-Anhängern zu sprechen. «Es wäre besser gewesen, wenn die Fans uns geholfen hätten, ihre Freunde zu beruhigen.»

Appelle halfen nichts

Seit Jahren setzt die Polizei bei solchen Märschen und Demonstrationen auf Deeskalation. Doch dieses Mal gestaltete sich diese Taktik schwierig. Selbst als der Einsatzleiter per Lautsprecher die Fans über den ersten Verletzten informierte, hielt das die Meute nicht vom Randalieren ab. Appelle an den Verstand halfen nicht. Im Gegenteil: Es flogen noch mehr Böller und Glasflaschen. Lange Zeit blieb den Polizisten nichts anderes übrig, als die Angriffe über sich ergehen zu lassen und nicht mit Gegengewalt zu reagieren. Erst als es zu extrem wurde, griff die Polizei mit Schlagstock und Pfefferspray ein.

Ein Fan behauptete hinterher, es habe die Falschen erwischt: «Ich bin friedlich in der ersten Reihe gelaufen und musste Prügel einstecken. Die hinter mir warfen mit Steinen und Böllern.» Anklagend zeigte er seine Hand, die in einem improvisierten Verband steckt, aus dem Blut tropft. Zum Arzt möchte er nicht. «Das Spiel will ich auf keinen Fall verpassen.»

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Kommentare

2wfelix schrieb am 04.08.2009 07:57 Uhr

...

Schade für die, die sich mit dieser Idee einen schönen Nachmittag machen wollten.
Jetzt sind sie in einem Topf mit diesem gesocks von hirnlosen Randalierern.
Eine Schande das da auch noch teilweise welche Trikots mit dem Adler darauf tragen.

10 Jahre Stadionverbot!

schrieb am 04.08.2009 14:14 Uhr

...

Na super... der populistische skandalhaschende "Journalismus" à la BILD ist jetz also endgültig auch in der FNP angekommen.
Eiegntlich sogar ein sehr lustiger Artikel: "Sie wollten Krieg", "...Während des gesamten [...] Wegs versuchten die Fußball-Schläger ununterbrochen, eine Prügelei mit den insgesamt rund 1000 Polizisten vom Zaun zu brechen."
Besonders gut und quasi ein Empfehlungssschreiben für die BILD auch die kreativen und abwechslungsreichen Bezeichnungen für diese sogenannten Fussballfans. Mein Favorit: Randale-Fans.

Wie gesagt, witzig, wenn man nicht wüsste dass dieser Schrott von zu vielen ernst genommen wird.

Natürlich haben sich einige daneben benommen, wie immer halt bei Fussballspielen. Aber die "erschreckende Kulisse: Männer und Frauen mit blutenden Kopfwunden, andere Fans mit notdürftig verbundenen Schnittverletzungen an ihren Händen" habe ich so nicht gesehen. Mag ja sein, dass einige Verletzungen davongetragen haben, aber das Bild eines Bürgerkriegsähnlichen Zustandes, das hier erzeugt wird, entspricht nicht mal annähernd den Tatsachen.
Zum Vergleich, das Fazit der Polizei zu diesem Nachmittag liest sich etwa wie folgt:
"'Die von vielen befürchteten größeren Randalen sind ausgeblieben', zog Polizeisprecher Josef Michael Rösch am Sonntagabend eine vorläufige Bilanz. Die Taktik der Polizei, auf eine strikte Fantrennung zu setzen, sei aufgegangen. Zu schwereren Ausschreitungen sei es bis zum Abend nicht gekommen, so Rösch. 'Es gab nur kleinere Scharmützel.'"

(Quelle: http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_37658528)

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