Es geht auch ohne Scouts
Beim FSV Mainz will Manager Christian Heidel kein unnötiges Geld ausgeben
Von Jürgen Heide und Klaus Veit
Trainer Michael Skibbe möchte den Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt in vielen Bereichen verändern. Gigantismus muss dabei nicht immer sein, wie der Nachbar FSV Mainz 05 zeigt.
Mainz/Frankfurt. Christian Heidel hat seine eigene Meinung über das Thema Scouting. «Die größten Scoutingabteilungen haben die geringsten Erfolge», sagt der Mainzer Manager. «Wen hat Bayern denn gescoutet? Ribéry bestimmt nicht, und wer glaubt, dass die Hoffenheimer Scouts Obasi und Ba entdeckt hätten, hat keine Ahnung», fügt er an. Wichtig sei es, ein Netzwerk zu haben. So werden er und seine Kollegen in den drei Bundesligen täglich mit DVDs und E-Mails von Beratern über deren Spieler bombardiert. Über spezielle Agenturen könne er sich innerhalb von 48 Stunden weltweit Aufnahmen von Spielen besorgen, wenn man einen Tipp über einen bestimmten Spieler bekommen habe. «Da zahle ich doch nicht sechsstellige Jahresbeträge für hauptamtliche Scouts, sondern schicke wie bei Elkin Soto auftragsbezogen jemanden hin. Die Scoutingabteilungen sind oftmals ABM-Maßnahmen, um ehemaligen Spielern eine Stelle zu schaffen», sagt Heidel.
Der FSV wäre sowieso nur die Nummer 342
So hat der FSV keinen hauptamtlichen Scout, während Co-Trainer Roland Vrabec für die Gegnerbeobachtung zuständig ist. Zuvor war unter Jürgen Klopp Chefscout Peter Krawietz für das Ausschau halten nach preisgünstigen, guten Spielern verantwortlich, bevor Heidel die Stelle strich, nachdem Krawietz vor knapp eineinhalb Jahren Klopp als Assistent nach Dortmund folgte. Auf U-19-Weltmeisterschaften oder ähnlichen Veranstaltungen sind die Mainzer nicht vertreten, weil sie sich die interessanten Spieler nicht leisten können. «Das Geld sparen wir uns, weil wir da hinter Chelsea, Arsenal und Bayern nur die Nummer 342 wären», sagt Heidel, der Spielmacher Andreas Ivanschitz über Kontakte zu dessen Berater Georg Stanggassinger verpflichtet hat.
Bei Jugendspielern suchen die FSV-Verantwortlichen im Umkreis von 100 Kilometern nach Talenten, während Ex-Torjäger Michael Thurk und Abderrahim Ouakili (Laufbahnende) einst nach Tipps ihres verstorbenen Ex-Trainers Winfried «Django» Mann den Weg nach Mainz gefunden hatten. Wichtig sei zudem, dass man sich bei der Verpflichtung von Spielern aus einem anderen Kulturkreis um diese kümmere, «weil zum Beispiel Brasilianer viele Einflüsse hier erstmal nicht verkraften». So saß der Ex-Mainzer Wellington vor zwei Jahren mit Kappe und Winterklamotten sechs Wochen lang in seiner Wohnung, bevor die Dolmetscherin bei einem Besuch die Heizung aufdrehte, die dem Brasilianer unbekannt war.
Eintracht Frankfurts Trainer Michael Skibbe hatte nach dem 0:4 in Leverkusen Veränderungen auch in der hiesigen Scout-Abteilung angemahnt, anschließend aber Chefscout Bernd Hölzenbein eine gute Arbeit attestiert. Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende der Eintracht, hat inzwischen darauf hingewiesen, dass ein Großteil der Sichtung sowieso bereits im Jugendbereich ablaufe und damit in den Händen von Eintracht Frankfurt e. V. liege. Dort ist beispielsweise Holger Müller unterwegs, um den Nachwuchs zu sichten. Mit dem Neubau am Riederwald sollte sich in rund einem Jahr die Chance erhöhen, Jugendspieler an den Main zu holen.
Bruchhagen wies auch darauf hin, dass es nicht unbedingt eine Frage des Geldes sei, ob eine Verpflichtung zum Erfolg wird oder nicht: «In den vergangenen Jahren hatten wir eher mit den Low-budget-Spielern Erfolg als mit denjenigen, die für relativ viel Geld zu uns kamen.» Darüber mache man sich durchaus Gedanken.

Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.
Kommentare
schrieb am 12.11.2009 12:22 Uhr
naja ...
... das Vorbild sollte vielleicht ja auch nicht der Provinzklub aus Mainz sein, sondern eher Hausnummern wie Barca, ManU oder Arsenal. Und wenn die keine professionellen Scouting-Strukturen haben, dann fresse ich nen Besen. Was die DVD-Sessions der Eintracht in den letzten Jahren gebracht haben, ist doch ein abschreckendes Beispiel. Kracher wie Kweuke, Petkovic, Bellaid und Co. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wieso man in Frankfurt so hartnäckig die Augen vor diesem Probelm verschließt. Weil Holz mal Weltmeister war, oder wieso? Oder weil er mal Tony Yeboah geholt hat? Das war vor 20 Jahren!
schrieb am 12.11.2009 18:12 Uhr
Erfolg gibt Ihnen recht
Also eines muss man den Bonbonwerfern in Mainz lassen. Sie machen Ihren Job, wie Sie das möchten und lassen sich von niemand reinquatschen. Habe kürzlich in Kicker oder Sportbild gelesen, daß mainz einen Transferüberschuß von 15 Mio € in vier
Jahren erzielt hat. Hut ab! auch dieses jahr liegen die nicht so schlecht. was haben wir da gescoutet und bezahlt: Galindo, Korkmaz, Mantzios, Petkovic, Caio und viele andere. Ergebnis:Lieber nicht... Auch wenn ich die 05er nicht mag, sie sind um ein vielfaches effizienter und das seit Jahren.
schrieb am 12.11.2009 18:22 Uhr
Scout
Die Position eines "Scout" ist sicher-
lich schon wichtig für einen Profi-
Verein. Aber ich bezweifele, dass
ein Hölzenbein die Qualität hierfür
hat.Darüber sollte man mal nachden-
ken.
schrieb am 12.11.2009 21:57 Uhr
Viele Wege zum Ziel
Natürlich kann man mit und ohne professionelle Scouts arbeiten, solange der Erfolg stimmt. Bei der Eintracht schlägt aber mittlerweile überhaupt keine Neuverpflichtung (Ausnahme vielleicht P. Schwegler) mehr ein. Millionen wurden verbraten. Die für die Spielerauswahl verantwortlichen Personen haben offenkundig versagt.
In jedem Fall benötigt man aber ein funktionierendes Netzwerk und diese hat die Eintracht gegenwärtig nicht.
Bernd Hölzenbein ist sicherlich nicht mehr in der Lage ein solches Netzwerk aufzubauen und es reicht auch nicht, wenn er vor langer Zeit einmal einen Antony Yeboah empfohlen hat. Er sollte den Weg für neue Leute so schnell wie möglich frei machen. Alles andere schadet Eintracht Frankfurt.
schrieb am 13.11.2009 09:27 Uhr
Mainz als Vorbild?! Helau!
Guten Morgen zusammen,
ich muss mich ehrlich gesagt kaputt lachen, dass man sich Mainz als "Vorbild" herausnehmen sollte. Sie wirtschaften relativ gut und holen das optimale aus ihren Möglichkeiten heraus. Dennoch sollte für Frankfurt ein anderer Maßstab her, nicht vielleicht Barca, Arsenal oder dergleichen, aber dennoch um irgendwann mal vielleicht wieder europ. mitspielen zu können. Was die vergangenen Transfers betrifft, so ist dafür eine Person hauptverantwortlich nämlich F. Funkel. Der Trainer sagt, ob er einen Spieler möchte oder nicht, völlig unabhängig ob dieser gescoutet oder angeboten wurde. Hier muss ich sagen, obwohl ich die Arbeit von Funkel größtenteils positiv sehe, dass die meisten Transfers eher schlecht als gut waren. Zudem hat sich Funkel immer solche Spieler ausgesucht, die nur im Kollektiv funktionieren und sonst eben nicht auffallen. Ein Köhler, Spycher, Maier, Steinhöfer, Mantzios, Caio usw. sind eben keine Führungsspieler und auch keine die vorweg gehen. Für die Zukunft gilt es lieber nur ein, zwei, drei Transfers zu tätigen, dafür aber Qualität zu holen. Spieler wie Madhavikia, Caio, Köhler, usw. gehören meiner Meinung nach auf lange Sicht abgegeben wenn man um Platz 4 - 8 Spielen möchte. Die Verantwortung für diese Transfers trägt aber Funkel und nicht ein B.Hözenbein. Es braucht niemand zu glauben, dass der Trainer einen Spieler bekommt, den er nicht möchte. Auch Caio wurde F. Funkel vorher gezeigt, da braucht er sich gar nicht rausreden. Dennoch sollte man zusehen, dass man zumindestens ein besseres Netzwerk installiert und vielleicht 2-3 hauptberufliche Scouts beschäftigt.
Viele Grüße, Richard S.
schrieb am 13.11.2009 20:22 Uhr
Die typische Frankfurter Überheblichkeit
Ja, das war zu erwarten, dass sich hier vor allem Eintrachtfans einfinden und darüber jammern, dass man Mainz hier nicht als Maßstab nennen könnte, da ihr eigener Klub ja schließlich einige hausnummern größer sei.
Mooooooment mal: Das ist lange her, dass das so war. Wir sollten uns hier durchaus an Mainz messen, vor allem was das seriöse Wirtschaften angeht. Aber in Frankfurt wachsen die Häuser, pardon, die Fußballträume ja immer in den Himmel. Das geht ja gar nicht anders.
Bernd Rummel
OBERURSEL
schrieb am 13.11.2009 23:12 Uhr
Scouting Eintracht/Mainz
Finde Mainz macht es ohne festangestellte Scouts besser, der Erfolg bestätigt es ja. In dem Macho Sport Fussball kommt es ehe nicht drauf an, ob die Jungs was können, sondern auf Kontakte und Querverbindungen und dass möglichst viele viel Geld an einem verdienen. Wer mit Wem kann und Vitamin B scheint besonders wichtig. Die Kriterien nach denen entschieden wird, sind einem oft ein Rätsel. Neuer Trainer holt plötzlich neue Spieler, egal ob sie passen oder nicht usw. Wozu dann eine Scoutingabteilung? Wirklich überflüssig! Da hat der Karnevalsverein Recht. Mir kommen die Tränen, wenn ich sehe, wie viel talentierte deutsche Jungs nicht unterkommen, weil lieber Billigware aus dem Osten, Südamerika und Afrika den Markt überschwemmt. Ein Trauerspiel ist es auch, dass es Vereine in der 1. + 2. Liga gibt, die gerade zwischen 1 - 4 deutsche Spieler auf dem Platz haben. Da kann man wirklich schwerste DEPRESSIONEN bekommen, wenn man von Beruf Fußballer ist. Irgendwann bringt man keine 15 Mann mehr für die Nationmannschaft zusammen. (Bin ich jezt Rassist?)Die Kälte und Oberflächlichkeit, das schnelle Geld, unfähige Manager und die Söldnermentalität haben den Fussball längst kaputtgemacht. Bei der Eintracht sorgt das Angsthasenmanagment für die Talfahrt. Bin gespannt, wer diese stoppen wird/will.