Halbes Geisterspiel
Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) griff nach der Platzstürmung im Anschluss an die 0:2-Niederlage gegen den 1. FC Köln am vorletzten Spieltag der abgelaufenen Saison hart durch. Und dennoch reagiert man in Frankfurt mit Erleichterung.
Von Klaus Veit
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Szenen nach dem 0:2 gegen Köln: Polizei musste Eintracht-Anhänger zurück in die Blocks treiben. Foto: Klein Frankfurt. Die Frankfurter Eintracht darf bei ihrem ersten Heimspiel in der Zweiten Liga lediglich 14 000 eigene Fans ins Stadion lassen, hinzu kommt das normale Gästekontingent von 5000 Tickets. Im Höchstfall werden also 19 000 Zuschauer die Partie live miterleben können. Außerdem muss die Eintracht 25 000 Euro einem karikativen Zweck zur Verfügung stellen.
Der gesamte Kurven- und Eckfahnenbereich der Heimfans bleibt gesperrt, also auch der gesamte Stehplatzbereich. Der Eintracht wurde außerdem auferlegt, keine Karten am Spieltag zu verkaufen, so dass lediglich Dauerkartenkunden auf die Tribüne dürfen. Wie die Eintracht das Urteil genau umsetzen wird, soll in der kommenden Woche detailliert ausgearbeitet werden.
Bisher wurden 20 500 Saisontickets verkauft. In etwa dürften 6500 davon auf den gesperrten Bereich entfallen, so dass wenigstens alle anderen Dauerkarteninhaber in die WM Arena dürfen.
Lötzbeier erleichtert
Die Eintracht hat dem Urteil zugestimmt und wird keinen Einspruch einlegen. Klaus Lötzbeier, das für Fan-Angelegenheiten zuständige Vorstandsmitglied, zeigte sich in einer ersten Reaktion sogar erleichtert: "Zunächst war uns sogar ein Geisterspiel als mögliche Strafe angekündigt worden. So können immerhin noch 14 000 Eintracht-Anhänger die Partie verfolgen."
Lötzbeier hofft, dass dieses Urteil ein heilsamer Schock für die gewaltbereiten Problemfans des Clubs sein wird: "Ich habe auf der jüngsten Fanvertreter-Versammlung den Wunsch geäußert, dass auch die Fans durch Verzicht auf Gewalt und Pyros in Vorleistung treten, weil das Image der Eintracht doch ziemlich beschädigt worden ist." Er ist sich aber auch im Klaren darüber, dass "dies ein frommer Wunsch von mir" sein könnte.
Nach dem Schlusspfiff gegen Köln am 33. Spieltag waren rund 150 Fans aus dem Stehplatzbereich aufs Feld gestürmt und hatten ihrem Frust über den bevorstehenden Abstieg Luft verschafft. Dabei kam es zu Sachbeschädigungen, unter anderem ging eine rund 500 000 Euro teure TV-Kamera zu Bruch. Die Polizei trieb die Horde dann wieder zurück auf die Tribüne, setzte dabei Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Bereits während des Spiels waren im Frankfurter Fan-Bereich Knallkörper und Pyros gezündet worden.
Wiederholungstäter
Die Eintracht wurde vom DFB-Sportgericht als Wiederholungstäter behandelt, da Teile ihrer Anhänger während der Saison schon mehrfach unangenehm aufgefallen waren. Bei den Auswärtsspielen in Nürnberg, Mainz und Dortmund war ebenfalls Pyrotechnik gezündet worden, die Eintracht hatte insgesamt bereits 11 000 Euro an Strafe bezahlen müssen. In Mainz war außerdem ein Holzstock aufs Spielfeld geschleudert worden.

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Kommentare
Attila Adler schrieb am 26.05.2011 08:47 Uhr
falscher weg
Wegen150 Leuten fast 30000 "auszusperren" halte ich schlicht für falsch. An einem solchen Spiel, wie dem gegen Köln ( wo ja klar war, dass eine angespannte Athmosphere herrscht) keinen Polizisten ins Stadion zu stellen sondern erst nach einer Ewigkeit zu reagieren ist nicht deeskalierend sondern war der Grund dafür, das andere den anfangs vielleicht 5 Leuten auf den Platz gefolgt sind. Zuguterletzt wurden Kamera und Bande erst im Zuge des Zurücktreibens durch die, wie eine wilde Horde Spartaner hereinstürmende, Polizei verursacht. Wie schon gegen Lautern und nache dem Mainz Spiel klare Fehler bei der Einsatzleitung.
Bastian Basti schrieb am 26.05.2011 10:32 Uhr
Geisterspiel
Ich kann Herrn Peter Bornat nur unterstützen in seinen Aussagen. Wir Dauerkarteninhaber müssen nun für ca. 200 Vollidioten die bittere Strafe tragen. Stadionverbot auf Lebenszeit sollte die Strafe für diesen unbelehrbaren Personenkreis lauten. Neben diesen Idioten, möchte ich aber auch das Sicherheitspersonal nicht aussen vor lassen. Diese Leute werden dafür bezahlt, dass u.a. erst gar keine Feuerwerkskörper, etc. in die Blöcke kommen. Die Kontrollen sind aber einfach nur mangelhaft. Zudem greifen die Sicherheitsverantwortlichen erst gar nicht ein bei evtl. Störungen, daher sollten auch hier Veränderungen vorgenommen werden. Ich verstehe aber die Verantwortlichen der Eintracht auch, dass sie die Strafe akzeptieren, bevor man noch einen Punktabzug für die kommende Saison riskiert. Trotzdem sollte die Eintracht aber nun nicht alle Stehplatzbesucher für die 200 Idioten bestrafen. Wir haben schließlich mit dem Erwerb unserer Dauerkarte einen Vertrag mit Eintracht Frankfurt geschlossen, der uns zum Besuch der Heimspiele legitimiert. Hier muss sich der Verein noch etwas einfallen lassen.
Anti Gewalt schrieb am 26.05.2011 11:32 Uhr
Null Toleranz gegen Gewalt!
Ursächlich für diese ganzen Exzesse sind der gewaltbereite Teil der Ultras und nicht die Polizei! Dies sind keine Fans, sondern kriminelle Vollpfosten, die bloß auf Randale aus sind und dem eigenen Verein schaden. Sogar im eigenen Block wurden Böller geworfen, ohne Rücksicht auf Verluste. Es gibt genügend Film- und Videomaterial vom Köln-Spiel,um diese kleine Gruppe zu ermitteln und strafrechtlich zu belangen. Herr Lötzbeier darf nicht mit wachsweichen Erklärungen und Entschuldigungen kommen, sondern muss entschieden gegen diese Gruppe vorgehen. Wir 'echten' Fans wollen in unseren Stadien keine italienischen Verhältnisse!
Romina Sch. schrieb am 26.05.2011 12:02 Uhr
Echte Fans Bestraft.....
Ich bin auch ziemlich enttäuscht das ich bein ersten Heimspiel unserer Eintracht nicht mit dabei sein "darf"...
Ich stehe in Block 36 und habe die Ausschreitungen dieser Deppen- Fans sind das für mich nicht- live miterlebt, klar ist, man muß so was bestrafen aber doch nicht die Fans die friedlich ins Stadion gehen um einfach nur ein Fußballspiel zu sehen.
Die Polizei hat die Randalierer doch gefilmt dann sollen sie die doch aussperren.
keine Gewalt schrieb am 26.05.2011 13:32 Uhr
Zwangsabstieg
Vereine wie Eintracht Frankfurt oder Dynamo Dresden, die ihre "Fans" wiederholt nicht im Griff haben, sollten nicht mit Geisterspielen bestraft werden.
....sie sollten als Strafe in die Oberliga zwangsabsteigen !!!!
P. H. schrieb am 26.05.2011 15:07 Uhr
Herr/Frau KEINE GEWALT....
wie Eintracht Frankfurt oder Dynamo Dresden, die ihre "Fans" wiederholt nicht im Griff haben....sie sollten als Strafe in die Oberliga zwangsabsteigen !!!!
Ist es wieder soweit, dass alle über einen Kamm geschert werden!!! "Mann"...sorry aber mir Verlaub von solchen Sprüchen habe ich die Schnautze gestrichen voll. Wenn ich mich nicht irre haftet den Deutschen solch an Spruch immer noch an und diesen Schuh ziehe ich mir nicht an. Wegen 200 Idioten eine ganze Region bestrafen...ob das im Sinne des Erfinders ist...Solche Vollpfosten gibt es in jedem Verein. Dann wäre Berlin jetzt höchstens in die 2. Liga aufgestiegen, Stuttgart und Köln wären schon während der Saison weg vom Fenster gewesen, St. Pauli wegen dem Bierbecherwerfer sowieso u.s.w. ..... Die Liste wäre lang. Solche unqualifizierten Bemerkungen können SIE sich getrost sparen. Sie beleidigen jeden "normalen" Fan, egal welche Vereinsfarben er trägt, der ins Stadion geht um Spaß zu haben....
Josef Uhl schrieb am 26.05.2011 15:22 Uhr
Vereine
Wer halbwegs klar im Kopf ist weiß: Nie und nimmer und in keinem Stadion der Welt lässt sich die Gewalt von ein paar Vollpfosten verhindern. Sonst müsste man neben jeden Zuschauer einen Sicherheitsbeauftragten stellen... Wer einen Verein so schädigt, dass dieser mit Geldstrafen etc. belegt wird, sollte lebenslanges Stadionverbot erhalten und für die Kosten aufkommen müssen. Nur so lässt sich das meines Erachtens in den Griff bekommen. Es kann ja nicht sein, dass so ein Kleingeist wie im Falle St. Pauli einen "vollen Bierbecher" schmeißt, und der Verein dafür bestraft wird!
Also müssen die Vereine endlich handeln, sonst nimmt das nie ein Ende!
Friedhelm Duch schrieb am 26.05.2011 16:52 Uhr
Herr Uhl -Vereine
Ich gebe Herrn Uhl völlig Recht, das die Vereine handeln müssen - aber damit ist kaum zu rechnen. Nach den Vörfällen beim Köln-Spiel habe ich eine Mail an die Geschäftsstelle geschickt und darin erklärt, dass ich als langjähriger Eintracht-Anhänger (mein erste Spiel sah ich auf den Schultern meines Vaters 1966)zu keinem Spiel mehr gehe, solange man diese selbsternannten Fans (in Wirklichkeit feiern diese Spinner nur sich selbst)noch ins Stadion kommen können. Diese Mail wurde nicht einmal beantwortet, schließlich muss diese "tolle Stimmung" pflegen...
Adieu, Verein und "Fans" haben mir den Adler aus der Brust gerissen.
Das nächste Mal sollte man die Eintracht zu zwei Heimspielen auf dem Bieberer Berg verurteilen...
Gerd Knebel schrieb am 26.05.2011 16:57 Uhr
Ultras raus
Richtig wäre es gewesen für ein Spiel den KOMPLETTEN STEHBLOCK leer zu lassen. So reguliert sich die Nordwest-Kurve von Innen heraus. Die Ultras müssen lernen sich selbst zu regulieren, anders wird es nicht gehen. Ultras sind wichtig und DER Stützpfeiler der Mannschaft aber nicht auf Kosten der Allgemeinheit.
Werner Reuter schrieb am 26.05.2011 18:47 Uhr
Straftäter festnehmen
Bei Leuten die Feuerlöscher oder andere
Gegenstände auf Polizeibeamten werfen
handelt es sich um strafbare Handlungen.(Feuerlöscher, Fahnenteile
usw.)
Im letzten Jahr hat eine Sicherheitskraft in Kalsruhe sein
Augenlicht verloren.
Die Vereine müssen solche Leute von
Fußballspielen ausschließen.
Warum dies nicht geschieht kann ich nicht nachvollziehen.
In Offenbach waren 1.000 Polizisten
beim Spiel OFC gegen Dresden im Einsatz !!!!
Das beste Druckmittel ist, wenn die Sponsoren nach solchen Ausschreitungen ein Sonderkündigungsrecht hätten.
Ich glaube, wenn die Fraport AG mit
Ausstieg drohen würden hätte der Spuk
schnell ein Ende.