19.03.2010 Eintracht Frankfurt

Interview mit Martin Fenin

«Ich habe noch ein bisschen Angst»

Von Roland Stipp

Nach monatelanger Verletzungspause wieder zurück: Eintrachts Martin Fenin. Foto: dpaNach monatelanger Verletzungspause wieder zurück: Eintrachts Martin Fenin. Foto: dpaNach monatelanger Verletzungspause wieder zurück: Eintrachts Martin Fenin. Foto: dpa Frankfurt. Seit Anfang November hatte Martin Fenin wegen starker Schmerzen nicht mehr in der Bundesliga gespielt, die Verletzung hatte ihm schon seit Ende August zu schaffen gemacht. Nach monatelanger Reha ist der tschechische Nationalspieler wieder zurück. Gegen Schalke und in Hannover kam es nun mehr zu Kurzeinsätzen.

Herr Fenin, wie geht es Ihnen? Haben Sie nach Ihrem Kurzeinsatz Beschwerden?

Nein, mir geht es gut. Ich habe fast keine Schmerzen mehr, nur ab und zu zieht es ganz leicht. Im Vergleich zu den Wochen und Monaten vorher geht es mir super und ich freue mich über jeden Tag, an dem ich im Training mithalten kann.

Was hatten Sie denn nun eigentlich genau?

Jedenfalls war es nicht nur die Leiste, wie es immer hieß. Ich glaube wie der Arzt der tschechischen Nationalmannschaft, der mir letztendlich geholfen hat, dass es auch mit dem Rippenbruch zu tun hatte, den ich vorher hatte. Ich habe damals mit einem Brustpanzer gespielt und daraus ist dann eine Entzündung im Bauchbereich entstanden. Die Leisten- Operation war jedenfalls wohl nicht nötig. Nach so einer Operation ist man normalerweise ja auch nach fünf Wochen wieder fit.

Sie waren eine Weile in Donaustauf zur Rehabilitation, was wurde da gemacht?

Ich war fünf Wochen da und habe alles gemacht, außer Fußball spielen. Ich konnte ab und zu laufen, im Kraftraum arbeiten und mit einem Reha-Trainer arbeiten. Aber die Schmerzen waren immer noch da.

Ist es nicht furchtbar langweilig und einsam in einem Reha- Zentrum?

Das war die schlimmste Zeit, die ich bisher als Fußballer erlebt habe. Es war total deprimierend, jeden Tag das gleiche zu machen. Die ersten zwei Wochen war ich noch total motiviert, aber als es nicht besser wurde, war ich schon frustriert. Zum Glück kam in der fünften Woche Milan Baros auch dort hin, da wurde es etwas lustig (Baros ist wie Fenin tschechischer Nationalspieler, Anm. d. Red.).

Wie viele Trainingseinheiten haben Sie denn vor Ihrem Einsatz gegen Hannover mit der Eintracht absolviert?

Ich kam vor dem Schalke-Spiel zurück, war also zwei Wochen dabei.

Und dann hat Sie der Trainer gleich mitgenommen und spielen lassen. Das zeugt ja von großem Vertrauen.

Stimmt, und das freut mich natürlich sehr. Und ich weiß auch, dass der Trainer sich Sorgen macht, weil ich schon zwei Mal wieder angefangen hatte und dann doch wieder ausgefallen bin. Und ganz ehrlich: Ich habe selbst auch noch ein bisschen Angst.

Hatten Sie Schwierigkeiten, sich wieder an den Alltag zu gewöhnen?

Für mich ist der Alltag natürlich super. Ich habe mir ja die ganze Zeit nichts mehr gewünscht als endlich wieder dabei sein zu können. Schwer ist es höchstens manchmal wegen der Kälte, wenn man es nicht mehr so gewohnt ist. Und natürlich sind die Jungs alle weiter, die stecken ja mitten in der Saison.

Die Stimmung in der Mannschaft dürfte ja im Moment nicht die beste sein?

Naja, wir hatten einen super Lauf und da kam schon etwas Euphorie auf. Und es ist natürlich schade, dass wir das jetzt erst mal verspielt haben. Aber wenn wir gegen die Bayern gewinnen, ist das alles vergessen.

Stimmt, die Bayern kommen. Ist da nicht die nächste Niederlage gewiss?

Wir wollen die Bayern schlagen. Und nach drei Niederlagen ist es für uns das Beste, was passieren kann, dass wir jetzt gegen sie spielen. Wir müssen kompakt stehen und auf unsere Chance lauern. Jedenfalls darf es nicht nach 20 Minuten schon wieder 0:3 stehen.

Zwischenzeitlich wurde in Frankfurt schon vom Europapokal geträumt. Wie groß ist jetzt noch die Motivation für den Rest der Saison?

Ich bin ja gerade erst zurück gekommen und deshalb der letzte, der meint, es wäre besser, wenn die Saison schon vorbei wäre. Als ich vor zwei Jahren zur Eintracht kam, waren wir auch schon mal dran und haben den letzten Schritt nicht gemacht. Ich meine, wir müssen für die nächste Saison einen Weg finden, um uns weiter zu stabilisieren. Und damit müssen wir jetzt anfangen, denn großartig wird sich der Kader im Sommer sicher nicht verändern. Sechster, Siebter oder Achter können wir schon werden, das muss das Ziel sein. Und warum sollen wir es nicht in den Uefa-Pokal schaffen?

Im Sommer findet die WM statt – ohne Tschechien.

Ja, das ist ein schwarzer Punkt für mich und für ganz Tschechien. Die Qualifikationsgruppe war so leicht, das hätten wir auf jeden Fall schaffen müssen. Ich fürchte, das schlechte Gefühl wird während der WM noch schlimmer.

Läuft schon ein Neuaufbau – und sind Sie da eingebunden?

Es geht jetzt in eine neue Richtung, ein Neuaufbau muss ja auch sein. Jetzt kommen eben die jungen Spieler nach, so wie ich, wenn ich kann und endlich wieder fit bin. Die Motivation ist groß, bei mir und bei allen anderen Spielern. Und die Chance ist groß, dass ich um einen Stammplatz kämpfen kann, wenn ich wieder richtig fit bin.

Schauen Sie die WM oder verweigern Sie das als Tscheche jetzt grundsätzlich?

Doch, doch, ich werde mir die guten Spiele schon anschauen. Aber ich werde hundertprozentig nicht jedes Spiel sehen. Manchmal werde ich sicher sagen: lieber nicht, das tut zu sehr weh. Andererseits ist es für mich fast leichter, dass wir nicht dabei sind, denn ich hätte wohl keine Chance mehr, in den Kader zu kommen. Und es wäre ja fast noch schlimmer, wir wären dabei, aber ich müsste zu Hause bleiben.

Sie haben noch einen Vertrag bis 2012. Glauben Sie daran, mit der Eintracht in dieser Zeit vorwärts kommen zu können?

Ich hoffe das, denn deswegen bin ich hier. Ich werde im April 23 und es ist toll, in Frankfurt zu spielen. Und ich habe natürlich den Ehrgeiz, im Europapokal zu spielen, am allerliebsten mit der Eintracht.

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