09.12.2011 Eintracht Frankfurt

Karim Matmour: "Diese Rolle gefällt keinem richtig gut"

Karim Matmour hat als Joker schon dreimal gestochen

Der Algerische Nationalspieler kam im Sommer von Borussia Mönchengladbach zur Eintracht – dem Abstieg zum Trotz. Seither durfte er aber nur einmal durchspielen.

Von Roland Stipp

Auf dem Vormarsch – meist allerdings nur als „Joker“: Karim Matmour (links). Foto: RhodeAuf dem Vormarsch – meist allerdings nur als „Joker“: Karim Matmour (links). Foto: RhodeAuf dem Vormarsch – meist allerdings nur als „Joker“: Karim Matmour (links). Foto: Rhode Frankfurt. Seine 13 Kurzeinsätze nutzte der 26-Jährige immerhin zu drei entscheidenden Treffern und zwei Torvorlagen.

Hallo Karim. Sie sind in Frankreich aufgewachsen, aber in Deutschland Profi geworden. Wie kam denn das?

Karim Matmour: Tja, das hat sich so ergeben. Ich hatte auch in Frankreich die Möglichkeit, aber der SC Freiburg ist immer wieder gekommen und hat gefragt, drei Jahre hintereinander. Ich hatte erst immer ein bisschen Angst vor dem Ausland und vor Deutschland, wo ich ja die Sprache nicht verstanden habe. Und dann musste ich ja auch zu Hause weg, von den Eltern. Ich habe dafür ein bisschen gebraucht. Und dann war irgendwann klar, ich mache es. Die Bundesliga hat man ja in Straßburg auch mitbekommen.

Wieso sind Sie zur Eintracht gekommen – in die Zweite Liga?

Karim Matmour Ich wollte schon früher nach Frankfurt, nicht nur einmal. Aber das hat aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Die Eintracht ist für mich kein Zweitligaverein. Für mich war das ein Grund, warum ich hierher kommen wollte: Die Eintracht ist einer der großen Traditionsvereine: Da war es auch kein großes Problem, in die Zweite Liga zu gehen und zu helfen, den Aufstieg zu schaffen.

Mit Freiburg haben Sie den Aufstieg in die Erste Liga gleich dreimal knapp verpasst …

Karim Matmour Ja, das wir immer ein bisschen unglücklich. Einmal war sogar nur unser Torverhältnis zu schlecht. Deshalb muss es diesmal für mich einfach klappen.

Aber es kann auch wieder eng werden, weil ja mindestens vier Mannschaften um zwei direkte Aufstiegsplätze streiten, oder?

Karim Matmour In meinem Kopf sieht das anders aus. Wir haben dieses Ziel, das ist klar, das schaffen wir. Und mein Gefühl ist, dass es bei allen Spielern so ist. Wir sind total klar und auf dieses Ziel gerichtet und wir haben sehr viel Selbstvertrauen.

Bei der Eintracht haben Sie einen Vertrag über ein Jahr plus Option auf zwei weitere Jahre. Wovon ist denn abhängig, ob die Option greift? Hängt das vom Aufstieg ab?

Karim Matmour Ja, das hat mit dem Aufstieg zu tun. Aber da müssen Sie eher meinen Berater fragen. Ich habe geplant, drei Jahre hier zu bleiben, nicht nur ein Jahr. Ich fühle mich hier wohl und zwar umso länger ich da bin desto mehr. Meiner Frau und mir gefällt die Stadt und wir wollen gerne hier bleiben. In meinem Kopf ist keine Idee davon, woanders hin zu gehen.

Es ging ja auch gleich gut los für Sie bei der Eintracht mit dem Siegtor in Fürth. Die Rolle als Einwechselspieler sind Sie aber noch nicht los geworden. Das kann Ihnen ja nicht gefallen, oder?

Karim Matmour Also das ist natürlich eine Rolle, die gefällt keinem Spieler richtig gut. Aber im Moment habe ich sie eben. Alle Fußballer wollen Stammspieler werden, ich auch. Es ist nicht leicht, etwas zu reißen, wenn man nur Kurzeinsätze hat. Trotzdem habe ich versucht, das Beste daraus zu machen, in der Hinrunde. Es gibt ja dieses eine Ziel vom Verein und von der Mannschaft, das ist das Wichtigste. Jetzt fühle ich mich körperlich besser, richtig fit und ich weiß, dass ich mehr bringen kann, wenn ich von Anfang an spiele. Aber noch mal: Was zählt ist, dass wir uns er Ziel als Mannschaft erreichen.

Auf Ihre Laufbahn in der Nationalmannschaft hat Ihr Wechsel in die Zweite Liga ja noch keinen Einfluss gehabt …

Karim Matmour Na ja, als ich in die Zweite Liga gegangen bin, haben in Algerien schon viele gefragt, warum ich das gemacht habe. Nicht jeder hat verstanden, wieso ich diesen Weg gegangen bin. Wichtig ist aber, dass der Trainer mir gesagt hat, dass ich immer dabei bin, dass Zweite Liga okay ist, so lange ich Spielpraxis habe. Und ich bin ja nicht irgendwo in die Zweite Liga gegangen, sondern zu Eintracht Frankfurt.

Über die Anzahl Ihrer Länderspiele gibt es ganz unterschiedliche Angaben. Wie viele waren es denn bisher?

Karim Matmour Ich glaube es waren 29 oder 30. Und davon drei Spiele bei der WM und ein paar beim Afrika-Cup. Aber das hat nichts zu sagen, es gibt viele sehr gute Nachwuchsspieler in Algerien, man muss immer Leistung bringen, um da zum Kader zu gehören.

Auf Ihrer Internetseite sind da auch nicht ganz aktuell. Und sie waren bis diese Woche noch Gladbacher …

Karim Matmour Ja, das ist so eine Geschichte, die mir ein bisschen unangenehm ist. Ich denke, ich lasse die Seite lieber sofort abschalten. Es hat einfach nach dem Wechsel mit dem Umzug und allem so viel zu tun gegeben, ich kam noch gar nicht dazu. Aber spätestens nach der Winterpause werde ich das alles neu gemacht haben, versprochen.

Sie sagen es: Die Winterpause steht vor der Tür. Wo verbringen Sie die freie Zeit. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Karim Matmour Ich weiß noch nicht, ob ich nach Algerien fahre, aber klar, ich fahre oft hin. Aber erstmal gehe ich nach Straßburg, denn ich komme von da und meine ganze Familie ist da. Wir werden ein bisschen Weihnachten feiern und dann fliege ich sicher ein paar Tage irgendwohin, um ein bisschen abzuschalten.


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