31.01.2011 Eintracht Frankfurt

Königsblaue Verlockung

Patrick Ochs findet sich plötzlich auf dem Transferkarussell von Felix Magath wieder

Schalke 04 wirbt intensiv um Eintrachts Patrick Ochs. Ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann? Heute fällt die Entscheidung – so oder so.

Von Markus Katzenbach

Frankfurt. Sitzt er schon auf gepackten Koffern? Patrick Ochs nach der Partie in der Tiefgarage des Stadions.	Foto: RhodeSitzt er schon auf gepackten Koffern? Patrick Ochs nach der Partie in der Tiefgarage des Stadions.	Foto: RhodeSitzt er schon auf gepackten Koffern? Patrick Ochs nach der Partie in der Tiefgarage des Stadions. Foto: Rhode Gehen oder bleiben? Auch der Hauptdarsteller im plötzlichen Frankfurter Wechselfall konnte darauf keine Antwort geben. «Ich habe mich selbst noch nicht entschieden, ehrlich», sagte Patrick Ochs, als er sich am Sonntagabend frisch geduscht aus der Spielerkabine in Richtung Stadion-Tiefgarage trollte.

Allzu viel Zeit bleibt dem Eintracht-Kapitän freilich nicht mehr, um eine der wichtigsten Fragen seiner gesamten Fußballer-Karriere zu klären: Sollte er den seit Samstag im Raum stehenden Wechsel zu Schalke 04 tatsächlich vollziehen, müsste sein Name bis heute Mittag um 12 Uhr auf der Transferliste stehen und alle erforderlichen Verträge bis zum Ende der winterlichen Wechselperiode um 18 Uhr der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vorliegen.

Zum Ausklang einer ohnehin sehr bewegten Woche im Eintracht-Schlussverkauf mit den Abgängen von Steinhöfer, Korkmaz, Tosun und Alvarez sowie dem geplatzten Caio-Deal ist nun auf einmal noch Patrick Ochs auf Felix Magaths rasant rotierendes Transferkarussell geraten. Der mächtige Schalker Trainermanager sucht für den wahrscheinlichen Fall, dass Jefferson Farfan sich zum VfL Wolfsburg verabschiedet, Ersatz auf dem rechten Flügel – und hat in dieser Angelegenheit bei Eintrachts Vorstandschef Heribert Bruchhagen angefragt, wie dieser bestätigte.

«Felix und ich haben zwei Mal telefoniert. Aber es ist noch nichts entschieden», sagte Bruchhagen. Er habe noch eine Vielzahl von Gesprächen zu führen, eine Vielzahl von Argumenten zu beachten, die in den Entscheidungsprozess einfließen würden, erklärte er. Aus Sicht der Eintracht sind es vor allem diese Faktoren, die es abzuwägen gilt: der wirtschaftliche Gewinn, der sportliche Verlust – und der Wunsch des Spielers.

Frankfurter Bub


Ochs, ein echter Frankfurter Bub, der abgesehen von einem A-Jugend-Abstecher zu Bayern München für die Eintracht spielt, seit er sechs Jahre alt ist, schien am späteren Sonntag da noch immer hin- und hergerissen. Bei Magath kann er sofort ins Achtelfinale der Champions League und ins Halbfinale des DFB-Pokals einsteigen, perspektivisch auch in der Bundesliga vorne mitspielen – und das neben der Legende Raul und anderen Topstars. Und nebenbei gewiss auch noch eine ganze Menge mehr verdienen als in der Heimat am Main, wo er wiederum eine absolute Identifikationsfigur ist, bei der Weiterentwicklung der Eintracht eine tragende Säule wäre und schließlich auch weiß, was er hat.

«Wir haben diesen Transfer nicht gewollt. Er ist von außen an uns herangetragen worden», betonte Bruchhagen. «Patrick weiß seit Monaten, was wir mit ihm vorhaben: einen langfristigen Vertrag im Rahmen dessen, was für Eintracht Frankfurt möglich ist», sagte der Vorstandschef, ehe er zu einer großen Lobrede ansetzte: «Patrick Ochs spiegelt den Charakter dieser Mannschaft wider. Ich mache meinen Job sehr gerne gerade auch wegen Spielern wie Patrick, und dass wir jede zweite Woche 48 000 Zuschauer im Stadion haben, hängt auch mit dem Charakter von Spielern wie ihm zusammen.»

Bei aller Wertschätzung indes ist die königsblaue Offerte für Ochs wie für die Eintracht möglicherweise ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann. Im Sommer kann der 26-Jährige, dessen Vertrag eigentlich noch bis 2012 läuft, dem Vernehmen nach für eine festgeschriebene Ablösesumme von drei Millionen Euro gehen. Nun ließe sich vermutlich noch ein deutlich höherer Betrag erwirtschaften – zwischen fünf und sechs Millionen Euro, mit denen auf einen Schlag das finanzielle Loch in den Saisonplanungen gestopft wäre, nachdem das mit Caio nicht geklappt hatte.

Froh über Caio

Der Wechsel des Brasilianers zu Dynamo Moskau war am Donnerstag verblüffenderweise wegen einer in Frankfurt nie festgestellten «Knorpelproblematik» von russischer Seite abgesagt worden. Und Caio, der eigentlich schon weg war, kehrte prompt putzmunter in die erste Elf zurück und war beim 0:1 gegen den Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach noch der beste Frankfurter.

«Ich bin froh, dass er trotz der attestierten Knieverletzung so ordentlich in der Bundesliga spielen kann», kommentierte Trainer Michael Skibbe trocken. «Und ich bin froh, dass er wieder hier ist, weil er Qualitäten hat, die wir sonst nicht im Kader haben.»

Gleiches gilt für Patrick Ochs, auch wenn ihm in seiner vorerst vielleicht letzten Partie für die Eintracht nicht viel glückte. «Wenn Patrick uns verlassen sollte, wäre das ein enormer Verlust», urteilte Trainer Skibbe nach der dritten Niederlage in Folge. «Es ist überhaupt nicht im Sinne der Eintracht, Patrick abzugeben. Aber man muss ja auch sehen, was der Spieler will.»

Viel sagen wollte oder konnte dieser nach einer Partie mit ärgerlichem Ausgang dazu nicht. «Das Spiel ist wichtig, und das haben wir verloren», betonte Patrick Ochs, ehe er sich in eine vermutlich durchgrübelte Nacht verabschiedete.

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Kommentare

Roberto Blanco schrieb am 31.01.2011 10:32 Uhr

Ochs

Ochs hat "ehrlich" gesagt, dass er sich noch nicht entschieden hat. Jones hat damals auch gesagt, dass nichts entschieden wäre. Also geht sicherlich Ochs auch nach S04. Dies zeigt, dass er wohl eine Blutsbrüderschaft mit Jones hat. Er sollte aber auch wissen, dass weder Jones noch Steit bei S04 glücklich aber dafür reich wurden. Entsprechend ist seine Entscheidung nun eine Charakter Frage (Geld oder Frankfurter Bub). Auf der anderen Seite ist er auch ersetzbar, da seine Entwicklung auch seit Wochen stagniert.

Moritz schrieb am 31.01.2011 11:42 Uhr

Wechsel

Schon gehört?????? Ochs will die Mannschaft nicht im Stich lassen. Er bleibt. Hätte er sich auch frühen überleben können. Diese Wechsel in letzter Zeit haben viel Unruhe in die Mannschaft gebracht.

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