30.09.2011 Eintracht Frankfurt

Mo Idrissou: Kein Leisetreter

Für Mohamadou Idrissou schließt sich mit der Rückkehr nach Frankfurt ein Kreis

Zu Beginn des Jahres 2001 nahm Idrissou das „Abenteuer Deutschland“ In Angriff. Der damals gerade 20 Jahre alte Stürmer wechselte von Cotonsport de Garoua aus dem Norden Kameruns ins winterliche Frankfurt – zum FSV.

Mo Idrissou hat gut Lachen: Der Stürmer erzielte bereits fünf Tore für die SGE. Foto: dpaMo Idrissou hat gut Lachen: Der Stürmer erzielte bereits fünf Tore für die SGE. Foto: dpaMo Idrissou hat gut Lachen: Der Stürmer erzielte bereits fünf Tore für die SGE. Foto: dpa Frankfurt. Dort stürmte er an der Seite des ehemaligen Eintrachtlers Christoph Westerthaler in der viertklassigen Oberliga. Der FSV, der als turmhoher Favorit gestartet war, verpasste übrigens trotz des brandgefährlichen Sturmduos den Aufstieg als Vierter deutlich.

Und dass, obwohl Westerthaler im Herbst seiner Karriere bewies, dass er für diese Spielklasse im Grunde noch zu gut war – er traf in 33 Spielen 26 Mal. Doch das ist eine andere Geschichte.

Ein Volltreffer

Idrissou, der übrigens sogar einmal in der Zweiten Mannschaft in der Kreisliga A eingewechselt wurde, schoss in 18 Spielen 15 Tore und erwies sich so ebenfalls als Volltreffer für die Bornheimer. Allerings zog er nach nur einem halben Jahr ablösefrei weiter zum Regionalligisten SV Wehen.

Die Eintracht, die mit ihrer Zweiten Mannschaft in der Oberliga noch hinter dem FSV landete, war auf das vor ihrer Haustür kickende Stürmertalent noch nicht aufmerksam geworden. Erst als Idrissou auch in Wehen überzeugte, wurde am Riederwald über ihn nachgedacht.

Nur Fußball im Kopf

Der damals als Scout bei der Eintracht in Lohn und Brot stehende Karl-Heinz Körbel und Manager Tony Woodcock kamen jedoch zu spät – Erstligist Hannover 96 hatte die besseren Argumente gegenüber der damals wie heute zweitklassigen Eintracht. Anderthalb Jahre nachdem er seine Heimat verlassen hatte, war Idrissou in der Ersten Liga angekommen – und bald auch Nationalspieler Kameruns.

Idrissou wuchs in Kameruns Hauptstadt Yaoundé auf. Als er drei Jahre alt war, kam sein Vater Asatou bei einem Autounfall ums Leben und seine fortan alleinerziehende Mutter Mairamou war nicht eben begeistert davon, dass ihr Sohn nur Fußball im Kopf hatte. „Mo“ Idrissou schlich sich also heimlich zum Probetraining eines Fußballinternats – und wurde prompt für gut befunden.

Mit einiger Überredungskunst bogen er und die Trainer es hin, dass er tatsächlich von zu Hause fort durfte, wenn auch nie länger als für eine Woche.

Später spielte der Schlaks in Baffousam, rund 300 Kilometer von Yaoundé entfernt, dann sogar knapp 1000 Kilometer nördlich seiner Heimatstadt beim Meister Garoua. Im Februar 2001 stieg er bei 30 Grad in ein Flugzeug und landet rund zehn Stunden später in Frankfurt.

Nicht immer pflegeleicht

In Deutschland hat Idrissou auch schon mal angeeckt, zum Beispiel in Freiburg, wo er von 2008 bis 2010 unter Vetrag stand. „Ich habe keine Lust mehr, mit euch Absteigern zu spielen. Ich spiele nächstes Jahr Champions League“, soll er dort gesagt haben.

Die Fans konterten ihn bei seinem nächsten Auftritt im Breisgau mit fröhlichen Gesängen: „Idrissou, spiele Champions League – aber nur auf der Playstation.“

Bei seinem nächsten Verein, Borussia Mönchengladbach, erhielt Idrissou wegen allzu forscher Beschwerden über eine Nichtberücksichtigung durch den Trainer eine Abmahnung und musste eine Geldstrafe bezahlen.

Zusammengerasselt ist Idrissou auch mal mit Oliver Kahn, der damals noch bei Bayern München im Tor stand. Der Tritt des Angreifers gegen den Torhüter und die daraus resultierende Rote Karte brachten den MSV Duisburg, für den er von 2006 bis 2008 stürmte, fast um ein verdientes 0:0 beim deutschen Rekordmeister.

Dass der Kameruner auch außerhalb des Platzes nicht nur positive Schlagzeilen machte, ist seine Privatsache und hat deshalb hier nichts zu suchen. Eintracht-Trainer Armin Veh jedenfalls weiß genau, wen und was sein Sportdirektor Bruno Hübner für ihn an Land gezogen hat: „Das Schöne ist, dass er vorher zwar große Worte redet – aber auf dem Platz auch alles gibt.“

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Kommentare

Prof. Kantholz schrieb am 30.09.2011 12:37 Uhr

Liebe FNP

"Im Februar 2001 steigte er bei 30 Grad in ein Flugzeug und landet rund zehn Stunden später in Frankfurt"

Das mag ja sein, aber "steigte" sollten Sie vielleicht in "stieg" ändern ;-)


Anmerkung der Redaktion
Danke für den Hinweis.

Marius SGE schrieb am 30.09.2011 14:07 Uhr

And die Redaktion

Soweit ich mich erinnere haben die Fans von Freiburg nicht „Idrissou, spiele Champions League – aber nur auf der Playstation.“ gesungen, sondern:
"Idrissou spielt Champions-League auf PS3, die ganze Nacht, von zwölf bis acht."
Lg

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