Mainzer verderben Diego den Einstand
Mainzer Stehaufmännchen schocken Wolfsburg und beschenken ihren Trainer
![]()
Ende eines irren Spiels: Die Mainzer Andre Schürrle (rechts) und Radoslav Zábavník (vorne) gratulieren Adam Szalai, der gerade das 4:3 erzielt hat. Foto: dpa Bei Diegos Einstand gelingt dem FSV Historisches: Nach einem 0:3-Rückstand hat seit fast 20 Jahren kein Bundesligist mehr gewonnen.
Wolfsburg. In der Halbzeit piepte das Handy von Manager Christian Heidel. «Oje», lautete die SMS seines Vaters, der angesichts des 1:3-Rückstandes des FSV Mainz 05 beim bis dahin hoch überlegenen VfL Wolfsburg nicht als einziger Böses befürchtete. «Hoch gewinnen wir nicht mehr», antwortete Heidel ironisch. Am Ende einer phänomenalen Aufholjagd feierten die Mainzer Stehaufmännchen aber dann doch noch einen denkwürdigen 4:3-Auswärtssieg.
«Es gibt Spiele, da sagt man als Trainer besser nichts und lässt die Eindrücke sprechen», sagte Coach Thomas Tuchel und leitete alle Glückwünsche sofort an die Protagonisten auf den Rasen weiter: «Der Trainer ist für das Was verantwortlich, die Spieler aber für das Wie. Und das Wie war diesmal außergewöhnlich.»
Während sein Trainerkollege Steve McClaren mit hochrotem Gesicht die Einstellung seiner Spieler, die eine 3:0-Führung verspielten, kritisierte («Mentale und charakterliche Probleme waren offensichtlich»), schwang bei Tuchel in jedem Satz unüberhörbar Stolz mit. «In meiner Mannschaft herrscht ein Geist, den sich jeder Trainer wünscht», sagte der Fußballlehrer, dem die Spieler einen Tag vor seinem 37. Geburtstag einen Eintrag ins Geschichtsbuch schenkten.
Einen Drei-Tore-Rückstand in der Bundesliga aufgeholt hatte zuletzt vor fast 20 Jahren der VfL Bochum beim 4:3 über Fortuna Düsseldorf. Dank der Maximalausbeute von sechs Zählern finden sich die Mainzer wie zu Beginn der Vorsaison in der Spitzengruppe wieder und empfangen am Sonntag den ebenfalls mit zwei Siegen gestarteten Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern zum überraschenden Spitzenspiel.
Dass die jungen Profis nun die Bodenhaftung verlieren, ist unwahrscheinlich, denn Tuchel hat ein feines Gespür, was das Innenleben seiner Mannschaft anbelangt. Als die Spieler in Wolfsburg zur Halbzeit mit hängenden Köpfen in die Kabine schlichen, richtete er sie mit einer demonstrativen Siegessicherheit wieder auf. «Der Trainer hat eine super Rede gehalten und gesagt, dass im Fußball alles möglich ist und wir an uns glauben sollen», verriet der Ungar Adam Szalai, der in der 86. Minute den umjubelten Siegtreffer erzielte.
Zuvor hatte der FSV durch Treffer von Morten Rasmussen (39.), Elkin Soto (48.) und Andre Schürrle (58.) vor 21 116 geschockten Zuschauern ausgeglichen. Dass die Gäste bei der Einstands-Party des 15-Millionen-Euro-Neuzugangs Diego, dessen Tor zum 3:0 (30.) den unerklärlichen Leistungsabfall der Wölfe einleitete, den Spielverderber gaben, war ihnen nur recht. «Wir sind nicht gekommen, um mit Diego zu feiern», meinte Szalai.
Stattdessen feierten die Mainzer Spieler und Fans selbst. Die Verantwortlichen ließen sich jedoch von den Emotionen nicht blenden. «Wir schnappen jetzt nicht über und korrigieren die Saisonziele. Unser erstes Ziel bleibt, den Vertrag mit der Bundesliga um ein Jahr zu verlängern», sagte Christian Heidel. sid
Zum 24. September 2011 gestalteten Schüler Ihre Zeitung. Alle erschienenen Artikel lesen Sie hier.
Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.
Kommentare