30.08.2010 Mainz 05

Mainzer verderben Diego den Einstand

Mainzer Stehaufmännchen schocken Wolfsburg und beschenken ihren Trainer

Ende eines irren Spiels: Die Mainzer Andre Schürrle (rechts) und Radoslav Zábavník (vorne) gratulieren Adam Szalai, der gerade das 4:3 erzielt hat. Foto: dpaEnde eines irren Spiels: Die Mainzer Andre Schürrle (rechts) und Radoslav Zábavník (vorne) gratulieren Adam Szalai, der gerade das 4:3 erzielt hat. Foto: dpaEnde eines irren Spiels: Die Mainzer Andre Schürrle (rechts) und Radoslav Zábavník (vorne) gratulieren Adam Szalai, der gerade das 4:3 erzielt hat. Foto: dpa Bei Diegos Einstand gelingt dem FSV Historisches: Nach einem 0:3-Rückstand hat seit fast 20 Jahren kein Bundesligist mehr gewonnen.

Wolfsburg. In der Halbzeit piepte das Handy von Manager Christian Heidel. «Oje», lautete die SMS seines Vaters, der angesichts des 1:3-Rückstandes des FSV Mainz 05 beim bis dahin hoch überlegenen VfL Wolfsburg nicht als einziger Böses befürchtete. «Hoch gewinnen wir nicht mehr», antwortete Heidel ironisch. Am Ende einer phänomenalen Aufholjagd feierten die Mainzer Stehaufmännchen aber dann doch noch einen denkwürdigen 4:3-Auswärtssieg.

«Es gibt Spiele, da sagt man als Trainer besser nichts und lässt die Eindrücke sprechen», sagte Coach Thomas Tuchel und leitete alle Glückwünsche sofort an die Protagonisten auf den Rasen weiter: «Der Trainer ist für das Was verantwortlich, die Spieler aber für das Wie. Und das Wie war diesmal außergewöhnlich.»

Während sein Trainerkollege Steve McClaren mit hochrotem Gesicht die Einstellung seiner Spieler, die eine 3:0-Führung verspielten, kritisierte («Mentale und charakterliche Probleme waren offensichtlich»), schwang bei Tuchel in jedem Satz unüberhörbar Stolz mit. «In meiner Mannschaft herrscht ein Geist, den sich jeder Trainer wünscht», sagte der Fußballlehrer, dem die Spieler einen Tag vor seinem 37. Geburtstag einen Eintrag ins Geschichtsbuch schenkten.

Einen Drei-Tore-Rückstand in der Bundesliga aufgeholt hatte zuletzt vor fast 20 Jahren der VfL Bochum beim 4:3 über Fortuna Düsseldorf. Dank der Maximalausbeute von sechs Zählern finden sich die Mainzer wie zu Beginn der Vorsaison in der Spitzengruppe wieder und empfangen am Sonntag den ebenfalls mit zwei Siegen gestarteten Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern zum überraschenden Spitzenspiel.

Dass die jungen Profis nun die Bodenhaftung verlieren, ist unwahrscheinlich, denn Tuchel hat ein feines Gespür, was das Innenleben seiner Mannschaft anbelangt. Als die Spieler in Wolfsburg zur Halbzeit mit hängenden Köpfen in die Kabine schlichen, richtete er sie mit einer demonstrativen Siegessicherheit wieder auf. «Der Trainer hat eine super Rede gehalten und gesagt, dass im Fußball alles möglich ist und wir an uns glauben sollen», verriet der Ungar Adam Szalai, der in der 86. Minute den umjubelten Siegtreffer erzielte.

Zuvor hatte der FSV durch Treffer von Morten Rasmussen (39.), Elkin Soto (48.) und Andre Schürrle (58.) vor 21 116 geschockten Zuschauern ausgeglichen. Dass die Gäste bei der Einstands-Party des 15-Millionen-Euro-Neuzugangs Diego, dessen Tor zum 3:0 (30.) den unerklärlichen Leistungsabfall der Wölfe einleitete, den Spielverderber gaben, war ihnen nur recht. «Wir sind nicht gekommen, um mit Diego zu feiern», meinte Szalai.

Stattdessen feierten die Mainzer Spieler und Fans selbst. Die Verantwortlichen ließen sich jedoch von den Emotionen nicht blenden. «Wir schnappen jetzt nicht über und korrigieren die Saisonziele. Unser erstes Ziel bleibt, den Vertrag mit der Bundesliga um ein Jahr zu verlängern», sagte Christian Heidel. sid

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Ergebnisse Fußball, Bundesliga

1. FC Kaiserslautern – 1. FC Köln
0:1
1. FC Nürnberg – Borussia Dortmund
0:2
Bayer Leverkusen – VfB Stuttgart
2:2
FC Schalke 04 – 1. FSV Mainz 05
1:1
Hamburger SV – Bayern München
1:1
Hertha BSC Berlin – Hannover 96
0:1
SC Freiburg – Werder Bremen
2:2
TSG 1899 Hoffenheim – FC Augsburg
2:2
VfL Wolfsburg – Bor. Mönchengladbach
0:0
1 2 Borussia Dortmund
43
2 1 Bayern München
41
3 3 FC Schalke 04
41
4 4 Bor. Mönchengladbach
40
5 5 Werder Bremen
32
6 6 Bayer Leverkusen
31
7 7 Hannover 96
30
8 8 TSG 1899 Hoffenheim
24
9 14 1. FC Köln
24
10 9 VfL Wolfsburg
24
11 10 VfB Stuttgart
23
12 11 Hamburger SV
23
13 12 1. FSV Mainz 05
22
14 13 1. FC Nürnberg
21
15 15 Hertha BSC Berlin
20
16 16 1. FC Kaiserslautern
18
17 17 FC Augsburg
17
18 18 SC Freiburg
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