Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 24.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Marathon-Bundestrainer will finale Olympia-Qualifikation
Nach der verpassten Chance am Sonntag in Frankfurt sollen die deutschen Topläufer 2012 einen neuen gemeinsamen Anlauf für London nehmen.
Frankfurt. ![]()
Jan Fitschen. Foto: dpa Nach Stunden, in denen Ronald Weigel viel gegrübelt hat, sitzt der Bundestrainer gestern im Seminarraum eines Frankfurter Hotels und sagt: "Bei den Männern steht die große Null." 24 Stunden zuvor hatte kein deutscher Läufer beim Frankfurt-Marathon die Olympia-Norm für die Spiele 2012 in London geschafft. Nun sieht Weigel noch eine Möglichkeit für "die letzte Olympia-Chance": "Ich will zielgerichtet diesen einen Wettkampf, bei dem alle Olympia-Kandidaten an den Start gehen", so der Bundestrainer. Und weiter: "Ich sage es knallhart: Der Veranstalter, der uns die besten Rahmenbedingungen bietet, für den entscheiden wir uns."
In Frage kommen im Frühjahr 2012 Hamburg oder Düsseldorf. Oder zum Beispiel Tokio. "Wir können es auf jeden Fall probieren", sagt Jan Fitschen zum geplanten deutschen Finale für London. Der Wattenscheider war am Sonntag in Frankfurt bester Deutscher auf Rang 31 mit einer Zeit von 2:15:40 Stunden. Die Olympia-Norm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes aber beträgt 2:12:00 Stunden.
Diese in Frankfurt zu unterbieten, traute Weigel André Pollmächer zu. Doch der 28-Jährige beendete den Wettbewerb nicht. "Das Rennen war für mich von Anfang an ein totgeborenes Kind", sagte er gestern. "Das Ergebnis lag nicht ausschließlich an mir. Wenn man in eine neue Dimension laufen will, aber schon nach 19 Kilometern allein laufen muss, dann soll mir mal jemand vormachen, wie das funktioniert." Der wichtigste Helfer für Pollmächer, Wilson Kigen, sagte dem Deutschen einen Tag vor dem Wettkampf ab. "Da gab es nicht nur Irritationen, sondern auch ein bisschen ein Nachspiel im Hinblick auf finanzielle Dinge", sagte Christoph Kopp, der sportliche Leiter. "Nächstes Mal versuchen wir es, noch professioneller zu machen."
Pollmächer suchte die Fehler aber auch bei sich. "Ich bin viel zu aggressiv ins Rennen gegangen", meinte er. "Ich war zu hektisch." Zu intensiv trainiert haben will Pollmächer, der vom Bundestrainer betreut wird, hingegen nicht. Immerhin besitzt er Aufzeichnungen über das von ihm Geleistete. "Vor meiner Zeit gab es eine Verselbstständigung der Athleten. Jeder konnte machen, was er wollte. Es gab keine Aufzeichnungen und keine Auswertungen", so Weigel. An der hohen Olympia-Norm für London hält der Bundestrainer fest. "Mit vernünftigem Training ist man in der Lage, es zu schaffen." jda


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