Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 26.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Mockenhaupt setzt auf "Plan A"
Sie hat viel investiert, um ihren Traum zu verwirklichen. Und "Mocki" ist guter Dinge. Nun will sich Sabrina Mockenhaupt beim Frankfurt-Marathon für Olympia 2012 qualifizieren.
Von Jörg Daniels
Frankfurt. Das "Unberechenbare" – das fasziniert Sabrina Mockenhaupt am Marathon. "Du kannst nach jedem Marathon irgendeine Geschichte erzählen", sagt die 30-Jährige. An diesem Sonntag, im Anschluss an den 30. Marathon in Frankfurt, würde sie am liebsten eine "positive Geschichte" von sich geben. Eine, die davon erzählt, dass es bei ihr "bis hinten raus gut gelaufen" sei, dass sie "die zweite Hälfte schneller als die erste" habe laufen können. Und eine, die ihr gezeigt hat, "dass sich der Weg für mich gelohnt hat", wie Mockenhaupt es ausdrückt.
2008 war bisher das erfolgreichste Jahr in ihrer Karriere. Die 1,55 Meter große Ausdauerspezialistin von der LG Sieg kam im olympischen 10 000-Meter-Finale von Peking auf den 13. Platz – in 31:14,21 Minuten mit einem persönlichen Rekord in einem anspruchsvollen Teilnehmerfeld. Im Herbst folgte ihr Sieg beim Frankfurt-Marathon. Es war erst ihr zweiter Marathon, den sie schließlich in 2:26:22 Stunden gewann. Aber mit dieser Zeit wäre die beliebte deutsche Langstreckenläuferin diesmal nicht zufrieden. Sie sagte gestern in Frankfurt: "Es soll bloß keine 2:26 am Anfang stehen." Mockenhaupt strebt eine Zeit um "2:25 Stunden" an – "vielleicht auch knapp darunter", wie sie mitteilte. Eine persönliche Bestzeit (bisher 2:26:21 Stunden, erzielt 2010 beim Marathon in Berlin) soll es also sein. Das ist ihr "Plan A" als eine der Topfavoritinnen in Frankfurt.
Über 700 km im Monat
Die Olympia-Norm von 2:30 Stunden zu unterbieten – so lautet ihr "Plan B" für diesen Sonntag (Start 10 Uhr vor der Festhalle). Einer, der für Mockenhaupt auf jeden Fall zu realisieren sein sollte. Die Olympischen Spiele 2012 in London sind ihr großes Ziel. Viermal nahm Mockenhaupt, die sich in den zurückliegenden Jahren von den Bahn- zu den Straßenläufen orientiert hat, an Olympia teil; 2012 würde sie in England ihren ersten Marathon bestreiten. "Es ist mein riesiger Traum", sagt die frühere 10 000-Meter-Europacup-Siegerin. Der eine Fortsetzung erfahren würde, wenn sie in London unter die ersten zehn Läuferinnen käme. Doch mit 2:26 Stunden, das weiß Mockenhaupt, würde das bei der Konkurrenz aus Kenia, Äthiopien oder Russland nicht funktionieren. So gesehen wird Frankfurt für sie ein wichtiger Wettkampf und Testlauf.
Ihren Traum zu verwirklichen, dafür hat sie zuletzt viel investiert. 2010 lief Mockenhaupt gemessene 6419 Kilometer – in diesem Jahr waren es in manchen Monaten über 700. Am Samstag legte sie 35 Kilometer zurück – "rauf und runter, bei mir im Siegerland. Meine Vorbereitung ist besser als in den Jahren zuvor." Trotzdem ist der Respekt vor der Strecke geblieben. "Man muss vorsichtig an den Marathon herangehen", so Mockenhaupt, die als "komplette Läuferin" gilt und in Frankfurt ihren sechsten Marathon absolviert. "Da fehlt mir dieses Selbstbewusstsein, diese Erfahrung." Über 200 Kilometer hat sie im Höhentrainingslager in St. Moritz absolviert – "das hätte ich letztes Jahr nicht machen können. Jetzt habe ich das Gefühl, länger laufen zu können als richtig schnell", so die 32-malige nationale Meisterin auf den Langstrecken.
Frankfurt ist ihr einziger Marathon 2011. Anfangs wollte sie in Berlin laufen. Dann merkte "Mocki", mehr Zeit zu brauchen – weil sie mit dem Start ins Jahr nicht zufrieden war. Und: "Mein Herz hat mir gesagt, dass Frankfurt die richtige Entscheidung ist."


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