Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 26.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Im Brighella wird die italienische Landhaus-Küche wahrhaft geadelt
Marcel Reich-Ranicki, Hellmuth Karasek und Tilmann Jens, der schreibende Sohn des großen Rhetorikprofessors Walter Jens, die ebenso vieles verbindet wie trennt, haben einen gemeinsamen Ort, an dem sie sich gerne aufhalten: das italienische Ristorante Brighella in Eschersheim. Allein deswegen könnte man schon von einem Künstlerlokal sprechen, doch da der Namen gebende Brighella auch der gewitzte Diener aus der „Commedia dell' Arte“ ist und in Gestalt des Mitinhabers Mario Borazio zumindest einmal im Jahr während eines Straßenfestes gemeinsam mit anderen Künstlern für große Unterhaltung sorgt, gilt dies noch mehr.
Für ein Lokal mit streitbaren Autoren geht es im Brighella aber sehr gesittet zu, das brave großbürgerliche Umfeld in Eschersheim würde auch nur wenig mehr zulassen. Leonardo Caporale (Küche) und Mario Borazio (Service) betreiben ihr Lokal nun seit beinahe 20 Jahren, wobei sie gerade in letzter Zeit an Qualität und Engagement gewonnen haben. Das Lokal ist im hübschen Trattoria-Stil eingerichtet und verfügt über eine Terrasse. Gespür für Stil erkennt man bereits an der Tafelkultur, die feinen und weichen Tischdecken und Servietten aus Leinen und Baumwolle von Bellomo aus Mailand vermitteln optisch und haptisch die gleiche Freude, wie das sorgfältig zubereitete Essen.
Die Gerichte entstammen einer durch Finesse und Modifizierung geadelten italienischen Landhausküche. Paradebeispiel sind die gebratenen Jakobsmuscheln auf grüner Fare-Saubohnen-Mousse mit Mangoldblättern und Zucchiniblütencreme. Dazu wird ein strohgelber sizilianischer Weißwein aus der Rebsorte Catarrotta von Ferreri empfohlen, weil in diesem Weinberg zur Entstehung von notwendigem Ozon diese Saubohnen gepflanzt werden. Die beiden Erzeugnisse treffen einander auf wunderbare und würzige Weise.
Die kleine, feine und faire Weinkarte ist handverlesen. Allein der fabelhafte und hierzulande höchst selten zu bekommende Valentino-Spumante Brut Zero 2000, ein besonders feinperliger und dezent nach Birne duftender Edel-Schaumwein aus Chardonnay, weckt als Aperitif Begeisterung. Auch die Spumante von Giacosa und Ca´ del Bosco sind eine wahre Wonne, die Qualität der Weine offenbart sich durch Terre Brune (Sardinien) oder Bricco Manzoni (Piemont). Leo, der sich in der Küche nie bekleckert und sich stets wie aus dem Ei gepellt den Gästen präsentiert, arbeitet auch sonst picobello und richtete die Teller herrlich an.
Ein schönes Gericht ist der grüne Spargel in einer Butter-Burratacreme (Frischkäse mit Mozzarellaoptik) mit Trüffelkäse und Sommertrüffel. Trüffelkäse kann sehr heftig ausfallen, doch Leonardo Caporale schafft eine elegante Version, die bei aller Deftigkeit im Geschmack leicht bleibt. Harmonie herrscht auch bei der Kombination von Gambas mit Maltagliate (grob geschnittenen Nudeln), extrem fleischigen Ochsenherzen-Tomaten und frischen Kräutern. Die Cuore di bue aus Ligurien passen auch bestens zum erstklassigen Büffelmozzarella im Brighella. Von superber Qualität ist das vitale tranchierte Bullen-Charolais-Filet auf Lampasciuni (wild wachsende Zwiebeln aus Apulien) mit karamellisierter Balsamicocremesauce. Auch das aromatische und sahnige Dessert Fior di Latte (Milcheis) mit feinem Grappa-Geschmack nebst Mango-Sorbet überzeugt. Die Küche grenzt sich nicht nur durch ihren ausgeprägten Hang zu Qualitätsprodukten und regionalen Besonderheiten von herkömmlichen italienischen Lokalen in Frankfurt ab, sondern auch durch neue Varianten, die man eher selten findet. Dazu gehört auch das gebratene Seeteufelmedaillon mit jungen Artischocken und Gincremesauce, die puristisch, präzise und entspannt wie das meiste hier ausfällt und sich nicht überlaut aufdrängt. Eine schöne Variante ist zudem das Risotto mit Salsiccia Albese, würziger Wurst aus Alba, oder das Landei in der Brotkruste mit Wachtelbrust, Schwarzwurzeln und Trüffelsauce. Der Service agiert aufmerksam, freundlich und vor allem nicht so windig wie bei vielen Mitbewerbern dieses Genres.
Brighella, Restaurant & Hotel, Frankfurt, Eschersheimer Landstraße 442, Tel. 069 53 39 92. Geöffnet: Montag bis Sonntag zwischen 12 und 15 Uhr sowie 18 bis 23 Uhr.
Hauptgerichte 18 – 24 Euro. Das Menü Colori e Sapori mit sechs Gängen und korrespondierenden Weinen (0,1 l pro Glas) kostet 108 Euro.
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