12.12.2007

Worüber der Kabarettist lacht, wenn’s der Comedian macht

Von Vince Ebert

Vince Ebert Vince Ebert spricht heute über die Unterschiede zwischen Kabarettisten und Comedians - Foto: Frank Eidel

Als Bühnenschaffender wird man oft gefragt: «Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kabarett und Comedy?» Meine Lieblings-Antwort lautet dann immer: «Der Comedian macht es wegen dem Geld, der Kabarettist macht es wegen des Geldes.» Trotzdem genießen die beiden Berufsgruppen ein vollkommen unterschiedliches Ansehen.

Wer sich z.B. als Comedy-Fan outet, gilt unter Kulturkritikern eindeutig als intellektueller Bodensatz. Minderbemittelt, primitiv, ja fast schon verfassungsfeindlich. Man kann sich sicherlich über die Gags von so einigen Komikern streiten, aber meines Wissens verstoßen sie nicht gegen die Genfer Konvention.

Doch wer in diesem Land die Leute ohne große Hintergedanken einfach so unterhalten will, galt schon immer als höchst verdächtig. Beim Humor verstehen wir Deutschen eben ganz wenig Spaß.

Der politische Kabarettist dagegen kann sich der uneingeschränkten Bewunderung des gesamten Bildungsbürgertums sicher sein. Wer sich minutenlang über die Frisur von Angela Merkel lustig macht oder zum x-ten Mal die Transrapid-Rede von Edmund Stoiber imitiert, gilt im Zweifelsfall als feinsinniger Beobachter, der gnadenlos seinen Finger in die gesellschaftspolitische Wunde legt.

So einfach ist das in der deutschen Kleinkunst. Wer sich eine lustige Perücke aufsetzt und Ulla Schmidt parodiert, der kommt in den «Scheibenwischer». Ohne Ulla Schmidt und nur mit Perücke kommt man bestenfalls zu «Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht.»

Doch Halt! Natürlich gibt es einen ganz klaren Unterschied zwischen Kabarett und Comedy. Im Gegensatz zum oberflächlichen Witzeerzähler hat der Kabarettist natürlich eine HALTUNG. Im Idealfall sogar eine politische. Ohne eine politische Haltung kommen Sie als Kabarettist noch nicht mal bis zum Bühneneingang.

Die Bandbreite dieser Haltung ist allerdings ziemlich eingeschränkt. Sie muss auf jeden Fall «links» sein. Damit sind sie schon mal auf der sicheren Seite. Und dann ist es auch erst mal egal, ob Ihre Bühnen-Weisheiten Sinn machen oder nicht – wenn die in irgendeiner Form einen linken Touch haben, finden das die meisten Kabarett-Fans grundsätzlich schon mal gut.

Sätze wie z.B.: «Die dä öben ham uns doch ölle beschissen!» kommen in der Regel sehr gut an. Kritiker schreiben dann meistens so Sachen wie: »...scharfzüngige und bissige Gesellschaftskritik.»

Comedians dagegen werden mit Sätzen wie: «...kalauerte sich mit flachen Pointen durch den Abend» abgefrühstückt.

Typische Comedy-Themen wie IKEA Kinderparadiese, Warteschlangen in Supermärkten und – ein absoluter Evergreen – die Beziehung zwischen Mann und Frau werden von der Presse mit Verachtung gestraft. Egal wie intelligent und witzig die Geschichten erzählt werden – ohne den Satz «Die dä öben ham uns doch ölle beschissen!» verdienen Sie sich in der deutschen Kleinkunstszene keine Lorbeeren.

Und wenn sogar noch irgendwie durchklingt, dass man die Marktwirtschaft eventuell auch ein bisschen o.k. findet, dann kann man sofort einpacken. Denn selbst Top-Manager besuchen Kleinkunstveranstaltungen, um sich als rücksichtslose Turbokapitalisten beschimpfen zu lassen. Das ist im Übrigen auch der Hauptgrund, weshalb sich der Berufsstand des «neoliberalen Kabarettisten» nie so richtig durchgesetzt hat. Inoffiziell natürlich schon. Die heißen dann eben «Comedians».

Der politisch korrekte Kabarettist dagegen verdient sich seine Immobilien und Aktienpakete, indem er seinem Publikum erzählt, dass die Marktwirtschaft alles kaputt macht. Fragen Sie deswegen also NIE einen Kabarettisten: «Kann man davon leben?» Genauso gut könnten Sie Ihren Hausarzt fragen: «Und – was machen Sie eigentlich so beruflich...?»

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