30.11.2006

Als verführerische Lulu

Von Michael Kluger

Ein prächtiger Bildband feiert die schöne Stummfilm-Ikone Louise Brooks.

So berühmt wie die Garbo war sie nie. Aber so schön vielleicht schon. Was sich untrennbar mit Louise Brooks verbindet, sind das schwarz glänzende, zum Pagenkopf geschnittene Haar, ihre dunklen Augen, die weichen Wangen und der dunkel geschminkte Mund, aus dem strahlende Zähne hervorblitzten, wenn sie lächelte.

Nur 24 Filme hat sie in ihrem Leben gedreht, bemerkenswert sind nur einige wenige. Ihren letzten bereits 1938, da war sie Anfang 20. Danach war es lange still um die Amerikanerin. Und dennoch war sie ein Star. In den 50er Jahren entdeckte man sie neu und noch einmal Ende der 70er Jahre: Sie wurde ein Mythos, eine Kultfigur.

Zum 100. Geburtstag am 14. November hat ihr der Verlag Schirmer/Mosel einen prachtvollen Fotoband mit Schwarzweiß-Bildern gewidmet, der begleitende Text stammt von dem renommierten englischen Filmhistoriker Peter Cowie. Man sieht sie in Filmszenen, erotischen Posen, in Szenen der Verführung mit kaltem, tödlichem Blick, mal kokett, mal melancholisch und versonnen hingelagert. Der Band ist eine großartige, atemberaubende Hommage an diese geheimnisvolle Schönheit.

Einen ihrer größten Erfolge hatte Brooks 1928 mit der Komödie „In jedem Hafen eine Braut“ (A Girl in every Port) unter der Regie von Howard Hawks. In diesem Film entdeckte sie Georg Wilhelm Pabst und engagierte sie auf dem Höhepunkt ihrer US-Karriere nach Berlin. Und dann kam der Film, der sie unsterblich machte: 1929 spielte sie unter der Regie von Pabst in „Die Büchse der Pandora“ an der Seite von Fritz Kortner die Lulu von Frank Wedekind. Sie wurde die Femme fatale schlechthin und auch in Europa ein Star. Noch im selben Jahr folgte „Tagebuch einer Verlorenen“.

Warum blieb ihr der große Hollywood-Ruhm versagt? Sie passte nicht zum Filmbetrieb, sie war zu eigensinnig und widerspenstig. Manches verheißungsvolle Angebot schlug sie aus. Mit fast 80 starb Louise Brooks in Rochester, New York. Dieser wunderbare Band setzt ihr ein herrliches Denkmal.

Peter Cowie: „Louise Brooks – Lulu forever“, Verlag Schirmer/Mosel, München. 240 S., 49,80 Euro.

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