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Reicher Mann macht Party
Beim Frankfurter Volkstheater hatte Hofmannsthals „Jedermann“ Premiere
Vom Leben und Streben des reichen Mannes ist hier das große Bankett zu sehen. Es prassen: Ralf Bauer als Jedermann (vierter von links), Helmut Markwort als Tod (stehend daneben) und Alexandra Seefisch (als Buhlschaft) mit den übrigen Darstellern des Ensembles. Fotos: StuGraPho
Von Jutta W. Thomasius
In der diesjährigen Freilichtaufführung der Dialektbühne vor dem Dom spielt Ralf Bauer die ambivalente Titelrolle und Helmut Markwort den Tod.
Frankfurt. Aus der «Jedermann-Legende», die der wortmächtige Franke Fitzgerald Kusz vom Verspathos eines Hugo von Hofmannsthal befreite und vom mittelalterlichen zum modernen Menschenspiel stilisierte, ist ein vollmundiges hessisches Volksstück geworden. Dazu ein so Frankfurt-bezogenes wie Goethes Gretchen. Und modern wie die Glitzerwelt der Manager, Immobilienhaie und Disco-Promis. Die pralle Frankfurter Mundart kommt dabei nicht zu kurz.
Das Gewissen babbelt
Wolfgang Kaus, Regisseur und Bearbeiter der Kusz-Vorlage (und von diesem bei der Premiere hoch gelobt), hat’s geschafft. Da bewältigen 13 patente Schauspieler klug, spielfreudig und kompetent die Darstellung von insgesamt 24 Rollen. Da ziehen drei medienverwöhnte Stars (Ralf Bauer, Alexandra Seefisch, Helmut Markwort) und ein großartig agierendes Ensemble an einem Strick. Da erhält, was Kusz der Legende vom Sterben des reichen Mannes an Zeitnähe und Sprache einflößte, bei Kaus noch den krtischen Blick aufs Bankenviertel der Mainmetropole und deren Partygesellschaft dazu. Erlöst werden können aber sogar sie: durch Reue und Gottesglauben.
Im Archäologischen Garten zwischen Dom und Römerberg, von Rainer Schöne mit drei erhöhten Spielflächen, die den Mimen manchen Treppenlauf abfordern, ausgestattet, ist eine Prise Goethe Einstieg in die Fülle von mal saftig, mal sanft ausgelebten Aktionen. Jedermann Ralf Bauer, einer Goldbadewanne entsteigend, findet auf einem überzeugenden Zickzackkurs der Gefühle aus dem wollüstigen Übermaß zur Demut. Wie das als Buhlschaft und Jedermann-Liebchen hervorragend platzierte Multitalent Alexandra Seefisch würzt er sein Hochdeutsch mit sparsamen Mundart- Bröckchen. «Focus»-Chefredakteur Helmut Markworts Tod, ein eher wortkarger, gutmütiger Clochard-Typ mit Schlapphut und Knitterhose, bringt sich, «schee Hessisch babbelnd», fein und leise ein. Exzellent: Steffen Wilhelm (Teufel und Jedermann-Freund), Wolff von Lindenau (Mammon, ganz in Gold), Sabine Roller (Jedermanns Gewissen), Anette Krämer (Glaube) Detlef Nyga (Schuldner, Dünner Vetter) Silvia Tietz (Schuldner-Frau und Spielan- und Absagerin), Hans Zürn (Gottes Stimme) und Axel Küffes «rationalistischer Jedermann-Koch).
Das Geld regiert
Bärbel Christ-Hess und Claudia Rohde kleideten alle (inklusive vier Statisten) vollendet rollengerecht ein, das Zeit-und Textgemäße mit viel Gespür fürs «Überzeitliche» verbindend. Ein paar Musik-Tupfer, von Sascha Tauber aufgenommen, runden eine Produktion ab, die – dank Kaus, Schöne, Ensemble und Technik – das lange Rechteck des Archäologischen Gartens voll ausschöpft. Im Zuge der Altstadt-Wiedererichtung soll der Garten demnächst überbaut werden.
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