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Auffallende Aufmerksamkeit
Chinas Ministerpräsident Wen nimmt sich ungewöhnlich viel Zeit für die Kanzlerin
Die Beziehungen von Deutschland und China sollen auf eine neue Ebene gehoben werden. Dazu gehört auch vorsichtige öffentliche Kritik.
Peking. Der Regierungschef von 1,3 Milliarden Menschen hat sich viel Zeit für seinen Gast aus Deutschland genommen. Wen Jiabao empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Peking am Freitag mit militärischen Ehren in der Großen Halle des Volkes und führt sie stundenlang durch ein Programm in der Hauptstadt. Zudem erfüllt Wen der Kanzlerin, die heute 56. Jahre alt wird, einen Geburtstagswunsch: die Besichtigung der mehr als 2000 Jahre alten Terrakotta-Armee nahe Xi’an – lebensgroße Soldaten und Pferde in Gefechtsaufstellung. Weltkulturerbe.
Das eigentliche Geschenk für sie ist aber Wens auffallende Aufmerksamkeit. 2007, nachdem die Kanzlerin den Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, im Kanzleramt empfangen hatte, wollte er kaum Minuten mit Merkel verbringen. China, das Tibet seit 1951 besetzt hält, war empört über diese «Einmischung in innere Angelegenheiten».
Empörung ist verklungen
Die Empörung ist verklungen. Stattdessen regieren freundliche Worte der Wertschätzung. Bundeskanzlerin Merkel will die Beziehungen zu China auf eine «völlig neue Ebene» heben. Auch Wen Jiabao sprach von einer Intensivierung der Zusammenarbeit. «Es bestehen wichtige Entwicklungschancen für uns», erklärte Wen. «Wir sitzen im selben Boot».
«In der Krise liegt eine Chance», hatte Merkel bei einem Treffen mit Wen im Oktober 2008 gesagt und er hatte ihr erklärt, dass das chinesische Zeichen für Krise und Chance dasselbe sei. Gemeint war damals vor allem die weltweite Finanzkrise. Heute fühlt sich Merkel in dieser deutsch-chinesischen Auffassung bestätigt. Über die Sorgen um stabile Währungen und das Streben nach soliden Staatsfinanzen seien sich die Volks- und die Bundesrepublik – als ihr wichtigster Handelspartner in der EU – wieder näher gekommen.
Erstmals seit 40 Jahren haben China und Deutschland wieder ein gemeinsames Kommuniqué verfasst. Das 28-Punkte-Papier sieht eine engere Zusammenarbeit in der Politik – speziell auch beim Klimaschutz – sowie in der Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft vor. Vieles davon bleibt im Bereich von Absichtserklärungen, doch wird der Wille zu einer besseren Kooperation demonstriert. Die Regierungschefs beider Länder wollen nun jährlich zu Konsultationen zusammenkommen. Der große Wurf ist es nicht, aber ein Anfang.
Über andere Mitglieder der Delegation ist Wen sichtlich erfreut. Als er mit Merkel die Militärparade abgeschritten hat, warten am Ende die deutschen Topmanager. Er steuert direkt auf den BASF-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Hambrecht zu, lange Zeit Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, und begrüßt ihn ebenso freundlich wie Siemens-Chef Peter Löscher. Beide sind Dauergäste bei solchen Reisen der Kanzlerin. Und sie werden in China als Garanten für große Geschäfte geschätzt. Das größte Geschäft macht an diesem Tag wohl Daimler. Der Konzern unterzeichnete einen langersehnten Vertrag über ein Joint Venture mit dem chinesischen Lkw-Hersteller Beiqi Foton Motor Co.
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