03.02.2012

Dr. Othmar Hermann über die SGE

Irgendwann einmal die Meisterschaft

In unserer Serie "Meine Eintracht" spricht Dr. Othmar Hermann über seine Sammelleidenschaft, die Hoffnung auf den Wiederaufstieg und das Idol Jürgen Grabowski.

Dr. Othmar Hermann. Foto: PrivatDr. Othmar Hermann. Foto: PrivatDr. Othmar Hermann. Foto: PrivatUnsere Eintracht gegen die andere Eintracht ist ein Spiel, dass ich schon unzählige Male gesehen habe. Mein erstes Spiel im Stadion habe ich im August 1965 gesehen, damals gewann die Eintracht gegen den HSV mit 2:0.

Es war das erste Spiel von Jürgen Grabowski, der für mich bis heute ein großes Idol geblieben ist. Mein Lieblingsspieler über alle die Jahre ist aber Dr. Peter Kunter, da Torhüter mich immer besonders fasziniert haben.

Leidenschaftlicher Sammler

Damals habe ich mir als Kind natürlich ein Programm gekauft und auch die Eintrittskarte ganz sorgsam aufgehoben. Ich hatte wohl schon von Geburt das Sammlergen, seit 1960 sammele ich Kinoprogramme und Filmposter, es sind jetzt mehr als 50.000 Exemplare.

Auch meine Eintrachtsammlung habe ich schnell erweitert. Ich ging zum Training an den Riederwald und habe mir Autogramme geholt. Außerdem bin ich als Kind durch die Stadt gezogen, habe mir bei Richard Kreß in seiner Drogerie an der Zeil und bei Erwin Stein in seinem Tabakladen Unterschriften organisiert, bei Dieter Stinka war ich dann sogar mal in seiner Privatwohnung.

Später bin ich auf Flohmärkten herumgezogen, habe Annoncen in Zeitungen geschaltet und meine Sammlung immer mehr vergrößern können. Das Archiv, das ich bis heute aufgebaut habe, ist sicher das größte private Eintracht-Archiv, das es gibt. Ich sammele aber nicht nur Eintracht- Sachen, auch andere alte Fußball- Memorabilien sind für mich interessant.

Ich habe ein Programm vom 9. Juni 1907, ein Fußballwettspiel in Mittweida, das gilt als das älteste bekannte deutsche Fußballprogramm. Eine weitere große Rarität ist das Programm vom ersten Länderspiel in Frankfurt 1922 gegen die Schweiz.

Das fand damals am alten Riederwald statt, also im Stadion der Eintracht. Das Waldstadion gab es ja zu dem Zeitpunkt noch gar nicht. Mein größter Erfolg war die Übernahme des privaten Archivs von Paul Imke; die Eintracht hatte damals kein Geld und kein Interesse an ihrer Historie.

Alte Frankfurter erinnern sich vielleicht noch an den „Annoncen- Imke“, der in der Vorkriegszeit auf der Zeil sein Geschäft hatte. Imke hat selbst bei der Eintracht gespielt und jahrelang die Vereinszeitungen und Stadionzeitungen herausgebracht. Nach Imke`s Tod konnte ich 1987 seinen Nachlass übernehmen. Da habe ich an einem einzigen Tag meine Sammlung fast verdoppelt. Solche Glücksfälle sind selten, kommen aber immer mal wieder vor.

So konnte ich kürzlich eine Medaille zur Süddeutschen Meisterschaft 1932 erstehen, auch ein großer Schatz und super selten. Bei der Suche nach Sammlerstücken gibt es natürlich immer Konkurrenten. Hier in Frankfurt kennen wir Sammler uns aber und die Zusammenarbeit klappt wirklich gut.

Mit Frank Gotta habe ich vor einigen Jahren ein Buch herausgebracht „Im Herzen von Europa“. Das war ein Bildband zur Geschichte der Eintracht, der in einer relativ kleinen Auflage gedruckt wurde. Mittlerweile ist „Im Herzen von Europa“ selbst ein Sammlerstück und kaum zu kriegen. Mit dem Museum arbeite ich natürlich auch toll zusammen.

Mehr als 20 Stücke aus meiner Sammlung sind im Eintracht-Museum zu sehen. Und vor den Heimspielen ist das Foyer immer der Treffpunkt für uns Sammler, da werden oft neueste Schätze präsentiert und die aktuelle Lage analysiert. Kurz vor Anpfiff schmeißt uns Matze dann immer raus, dann stellen wir uns der Zweitligarrealität.

500 Mal live dabei

Nicht mehr großartige Vergangenheit, Meisterschaft, Europapokal. In fast 50 Jahren Eintrachtfansein habe ich unzählige Spiele gesehen, es müssen mehr als 500 gewesen sein (vom Freundschaftskick der Altvorderen mit Richard Kreß, Hans Weibächer, etc, den Pokalenspielen, dem WM Finale 1974 mit Grabi und Holz und vielen bis zu den vielen Liga- und EC-Spielen) aus dieser Erfahrung schöpfe ich auch meinen Optimismus.

Die Eintracht hat schon weitaus schwierigere Situationen gemeistert und ist immer wieder gekommen. Deswegen bin ich auch in der Gegenwart optimistisch, der Wiederaufstieg wird meiner Meinung nach klappen. Der gehört natürlich auch zu meinen großen Wünschen an die Eintracht: Wiederaufstieg, irgendwann einmal die Deutsche Meisterschaft, und: Dass in meiner Programmsammlung noch ein paar kleine Lücken geschlossen werden können. Das wär es doch.

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