Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 26.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Marathon-Mann in Hongkong gelandet
Großer Schreck für unser Marathon-Team am Gepäckband
Unsere Männer in Hongkong: Feuerwehrmann Christian Luxenburger, der dank dieser Zeitung am Marathon in Hongkong teilnehmen darf. Und unser Reporter Thomas J. Schmidt, der den Sportler begleitet und jeden Tag aus der chinesischen Metropole berichtet. Bei der Ankunft erwartete die beiden schon eine böse Überraschung – ein Koffer fehlte.
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Schreck bei der Ankunft in Hongkong: Christian Luxenburger vermisst seinen Koffer – und darin sind seine Sportschuhe. Fotos: Schmidt Für Christian Luxenburger begann der Marathon in Hongkong mit einem Schrecken: "Nach elf Stunden Flug ist mein Koffer nicht da", sagt er. Der Koffer mit Bekleidung und Waschzeug, vor allem aber: Mit den Schuhen, an die der Feuerwehrtaucher gewöhnt ist. Luxenburger hatte sich bei dieser Zeitung um die Teilnahme an Asiens größtem Marathon beworben, und es hat geklappt.
Hilfreiche Geister
Auch das mit dem kurzfristigen Urlaub war möglich. Zwei Kollegen bei der Berufsfeuerwehr Frankfurt haben ihren Urlaub mit dem des laufbegeisterten Oberurselers getauscht. Die Frau war einverstanden, die Kinder getröstet – und jetzt sollte alles daran scheitern, dass die Laufschuhe fehlen? "Neue Schuhe zu kaufen und darin gleich einen Marathon zu laufen ist unmöglich" stöhnt Luxenburger am fast leeren Förderband bei der Taschenrückgabe auf. "Was ist da passiert?" Bedienstete der Fluggesellschaft Cathay Pacific, mit der der Marathon-Mann gekommen ist, nehmen sich der Sache an. Vermutlich hat jemand Luxenburgers Koffer mit seinem eigenen verwechselt, denn auf dem Förderband fährt noch ein einzelner dunkler Koffer im Kreis. Cathay Pacific verspricht, sich darum zu kümmern. Spätestens am Folgetag werde der Koffer ins Hotel gebracht. Na, mal sehen, denkt sich Luxenburger.
Top-Organisation
Seine Reise ist organisiert worden vom Hongkong Tourist-Board in Zusammenarbeit mit der in Hongkong ansässigen Fluggesellschaft Cathay und mit dem Regal Hongkong Hotel, wo Luxenburger für vier Nächte übernachtet. Sofort kümmern sich alle wegen des Malheurs mit dem Koffer: Cathay Pacific telefoniert dem Besitzer der stehengebliebenen Tasche nach, im zentral gelegenen Hotel sind die Verantwortlichen informiert. So lässt der 40-jährige Sportler Koffer Koffer sein. "Ich kann jetzt doch nichts machen", denkt er sich und geht auf seine erste Tour durch die Sieben-Millionen-Stadt.
Hoteldirektor Glen Farmer gibt ihm gleich ein paar Tipps mit auf den Weg. Etwa, als die beiden in der Lounge im 31. Stock stehen und hinunterblicken auf die Stadt: "Dort unten, fünf Minuten vom Hotel weg, ist der Victoria-Park. Dort ist am 5. Februar beim Marathon der Zieleinlauf, und dort startet auch der Zehn-Kilometer-Lauf, an dem ich selbst teilnehme", sagt der Hoteldirektor.
Später, im Park, sieht Luxenburger die Aussage bestätigt: Unaufgeregt, aber energisch arbeiten die Chinesen daran, Zeltkonstruktionen auf den Sportflächen des Parks aufzuschlagen. Ein erstes Hinweisschild hängt schon, auf dem der Weg zum Start abzusehen ist. Zwischen den Bauarbeitern treiben meist ältere Einwohner Sport oder liegen auf Bänken. Eine der Angewohnheiten der städtischen und traditionsbewussten Chinesen: Sie betrachten Sonnenbräune als unschön, weil nicht vornehm. Die Hongkonger, die es sich auf den Parkbänken gemütlich machen, verbergen die Gesichter deshalb unter großen Schirmen – auch, wenn die Sonne kaum durch den grauen Himmel dringt. Für hiesige Verhältnisse ist es zudem mit kaum 20 Grad recht frisch an diesem 2. Februar. Die Schläfer sind in dicke Decken gehüllt.
Unter manchen Pavillons und an manchen Tischen sind Zeitungen ausgebreitet. Vier oder fünf Männer sitzen darum und legen längliche Papierstreifen, bedruckt mit Punkten, sorgfältig auf die Zeitungsseite. Ihre Arbeit ist konzentriert, und Wind stört sie bisweilen. "Ja, wir spielen Fishing", sagt einer von ihnen in gebrochenem Englisch. "Es ist ein Brettspiel. Wir haben kein Brett, wir nehmen die Zeitung." Entspannung also in dem Park, wo drei Tage später tausende Läufer starten werden.
Der Hongkong-Marathon ist mit 65 000 Teilnehmern (Vorjahreszahl) die größte Marathon-Veranstaltung in Asien – auch wenn, wie bei vielen Läufen, die Zahl der Sportler wie Hoteldirektor Farmer, die nur auf die kurze Strecke gehen, weit überwiegt. Christian Luxenburger hat Größeres vor. "Ich bin fit", sagt er, "es sollte keine Probleme geben."
Und als dann bei der Rückkehr aus der Stadt auch der Koffer wieder da ist, geliefert noch am gleichen Tag, fühlt Luxenburger sich in der Metropole am Südufer des asiatischen Kontinents so richtig zuhause.
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