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Post-Fukushima-Sushi

Von Der nukleare Supergau hat auch die japanische Kulturlandschaft nachhaltig beeinflusst. Eindrucksvoll präsentiert beim 13. Nippon-Connection-Festival in Frankfurt.
Vom 4. bis 9. Juni findet das 13. Nippon-Connection-Festival in Frankfurt im Mousonturm und der Naxoshalle statt. (Screenshot: aze) Vom 4. bis 9. Juni findet das 13. Nippon-Connection-Festival in Frankfurt im Mousonturm und der Naxoshalle statt. (Screenshot: aze)
Geht man mit japanischen Freunden, selbst wenn sie schon seit Jahrzehnten in Deutschland leben, Sushi essen, muss man sich auf einiges gefasst machen. Es ist, als würde man im Land der aufgehenden Sonne Grie Soss' essen, es kann niemals so gut sein wie die Pampe zuhause, schon aus Prinzip. Und selbst, wenn sie es tatsächlich wäre, ist das vollkommen belanglos.

Abgesehen von kulinarischen Schimpftiraden, die in einem echten Eklat enden können, wenn die rohen Fischröllchen auch noch von einem pakistanischen Aushilfskoch zubereitet werden, bekommt man aber auch eine Menge Erhellendes mit. Wenn wir ehrlich sind, wissen wir nichts von der japanischen Kultur, abgesehen von Klischees und Vorurteilen, die in blinkendes Neonlicht-Hightech-Geschenkpapier eingewickelt sind. Für uns besteht Japan aus komisch gezeichneten Comics, Samurais und elektronischen Geräten in unserem Wohnzimmer. All das ist nicht weiter schlimm, denn Deutschland besteht ja auch nur aus Sauerkraut, Bratwurst und Autobahn.

Bekommt man aber ein Fragment der japanischen Kulturlandschaft direkt vor die Nase gesetzt, kann man einen Blick hinter den Bambusvorhang werfen. Vom 4. bis 9. Juni findet das 13. Nippon-Connection-Festival in Frankfurt im Mousonturm und der Naxoshalle statt, das größte japanische Film-Festival der Welt. Mitten in der Mainmetropole - und man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass irgendwie keiner davon Kenntnis nimmt. Aber das ist eben auch ein Teil der japanischen Kultur, die leise, unaufdringlich und stets um Harmonie bemüht ist.

In welch schwere Krise Japan durch die Tsunami- und Atomkatastrophe gestürzt worden ist, erkennt man mitunter am besten, wenn man die Kreativen des Landes beobachtet. Und auch, wenn sich jeder ein wenig anders damit auseinandersetzt, ist das Thema im japanischen Film allgegenwärtig. Während Hidenori Kato satirisch-skurril damit umgeht und in seinem Kurzfilm „More Fukushima“ ein Japan zeichnet, in dem Strom aus einer Nameko-Pilz-Miso Suppe gewonnen wird, bekommt man in der Dokumentation „A2“ die Schrecken der nuklear verseuchten Sperrzone vor die Augen geführt und sieht, wie diese auch die bewohnten Randgebiete in Mitleidenschaft zieht.

Rund eine Woche bietet sich die Gelegenheit, Japan von einer ganz anderen Seite kennen zu lernen. Es sind nicht einfach nur Filme. Es sind Momentaufnahmen von Menschen und wie sie mit Tragödien, Schmerz und Zerstörung umgehen. Intime Einblicke in eine Welt, die uns ansonsten verschlossen bleibt. Weitaus besser als obszöne Mangas und vollkommen ungenießbares Sushi, selbst wenn der Tipp zur Nippon-Connection aus dem Essen letzterer entstanden ist.

Alle Infos und das vollständige Programm finden sich auf www.nipponconnection.com.

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