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Kulturblog

Von Das ist ein ganz altes Vorurteil, mit dem im Jüdischen Museum aufgeräumt wird. Sehenswert!
Das Jüdische Museum in Frankfurt zeigt eine neue Ausstellung. (Foto: dpa) Das Jüdische Museum in Frankfurt zeigt eine neue Ausstellung. (Foto: dpa)
Im Jüdischen Museum soll mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, dass Juden und Geld untrennbar miteinander verbunden sind. Noch vor der Nazi-Herrschaft in den 1930er und 1940er Jahren hatte Frankfurt eine große, vor allem aber blühende jüdische Gemeinschaft. Jedoch nicht nur aus diesem Grund haben es unzählige jüdische Gepflogenheiten - allen voran diverse Redewendungen - in unseren Sprachgebrauch geschafft. Wo wären wir Frankfurter sonst ohne all die Schmocks, die Mischpoke oder den heißgeliebten Tinnef?

Abgesehen von verinnerlichten Begrifflichkeiten und der einen oder anderen Sehenswürdigkeit haben es aber auch einige hässliche Dinge in so manche Köpfe geschafft. Als vor kurzem meine verstorbenen Großeltern Diskussionsthema waren, erinnerte ich mich lebhaft daran, dass bei ihnen "der Jud'" eigentlich immer als Synonym für einen großnäsigen, geldstrotzenden Typen stand, im besten Fall vielleicht noch für einen Geizhals. Weder damals noch heute war das politisch korrekt und dennoch gibt es Schubladen, die im Oberstübchen so fest eingebaut sind, dass man sie nur schwer wegphilosophieren kann, sollten sie mal in einem schwachen Moment geöffnet werden.

Dass das Biest Antisemitismus aber auch heute noch durch die entnazifizierten Straßen streift, verdeutlicht eine Ausstellung im Jüdischen Museum. Das Thema: "Juden. Geld. Eine Vorstellung". Die Kuratorin Liliane Weissberg versucht den Menschen einen Spiegel vorzuhalten und mit dem Klischee des mammonbesessenen Juden aufzuräumen. Der Spannungsbogen reicht dabei von historischen Objekten bis zu Fassbenders "Der Müll, die Stadt und der Tod". Die im Raum stehende Kardinalsfrage ist dabei: Shakespeares Shylok, der seinen Schuldnern Fleisch aus dem Körper schneiden will, oder doch eher Lessings Nathan, der den Sultan Saladin großzügig beschenkt?

Die Wahrheit - die (vermutlich) jeder für sich selbst finden muss - ist dabei irgendwo in der Mitte zu finden. "Juden. Geld. Eine Vorstellung" wirft unangenehme Fragen auf, die jedoch erfreulich subtil gestellt werden. Noch bis zum 6. Oktober haben wir die Chance einen Blick auf diese außergewöhnliche Ausstellung zu werfen. Ich würde mich freuen, wenn sie viele Frankfurter wahrnehmen.

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