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Frankfurt im Fokus

Von Diesmal im Fokus-Blog: Was muss Kunst können? Sie muss Monster verscheuchen.
Ist das Kunst oder kann das weg? Unser Blogger Andreas Schnell hat seine ganz eigene Meinung. (Foto: Graffiti in der Römerstadt, Christian Christes) Ist das Kunst oder kann das weg? Unser Blogger Andreas Schnell hat seine ganz eigene Meinung. (Foto: Graffiti in der Römerstadt, Christian Christes)
Läuft man mit offenen Augen durch Frankfurt, kommt man nicht umhin, die Kunst im öffentlichen Raum zu bemerken. Für manche sind es Schmierereien und Ärgernisse, für andere die gebündelte Rebellion in Form und Farbe. Die Rede ist von Streetart, die sich in unzähligen Variationen präsentieren kann. Am populärsten ist sicherlich Graffiti, aber auch das Plakatieren, Strick-Guerilla oder manchmal auch ein provokant angebrachter Sticker können der Kreativität Ausdruck verleihen.

Was muss Kunst können? Muss Kunst überhaupt irgendetwas können oder reicht es ihr für sich selbst zu stehen, fernab jeglicher Interpretationsspielräume? Das Kunst im Auge des Betrachters liegt, mag eine inflationär genutzte Ansicht sein, kann aber einen Funken Wahrheit nicht verbergen. Man denke nur an die legendäre Frage: „Ist das Kunst oder kann das weg?“

Für mich persönlich hat Kunst ein wichtiges Ziel erreicht, wenn ich davor stehen bleibe und vielleicht einen Gedanken verfolge, mich darüber echauffieren kann oder einfach nur schmunzelnd oder Kopfschüttelnd weitergehe. Mit viel Energie und Überzeugungsarbeit hat sich vor allem Graffiti in den letzten Jahren einen festen Platz in Frankfurt erkämpft. Es gibt legale Flächen, die fleißig genutzt werden, Initiativen, Aufklärungsarbeit - und es ist der Wille erkennbar, den Straßenkünstlern eine urbane Spielwiese zuzugestehen, auf der ganz oft Wundervolles erschaffen wird. Stark geprägt von der Szene in der USA und fest in der europäischen Tradition verankert, gibt es aber viele Wiedererkennungsmerkmale, die sich wie ein roter Faden durch die kreativen Ergüsse ziehen.

Will man etwas ganz anderes erleben, so muss man reisen oder aber der Schirn einen Besuch abstatten. Dort findet ab dem 5. September eine grandiose Ausstellung statt, die unter dem Namen „Street-Art Brazil“ läuft. Dort finden sich elf Streetart-Künstler aus brasilianischen Metropolen ein, um, in ganz Frankfurt verteilt, ihre Kunst zu realisieren. Da werden einige verrückte Dinge passieren, so soll beispielsweise das alte Polizeipräsidium – dass in all den Jahren nichts an Hässlichkeit eingebüßt hat – zur Zielscheibe der Sprayer werden oder auch die Fassade der Matthäuskirche. Natürlich werden auch Klischees bedient und ein Zug der Linie U5 angegangen. Auch in Südamerika scheint das besprühen von Zügen das Nonplusultra zu sein.

Davon abgesehen erhält man aber die einzigartige Möglichkeit, eine ganz andere Kunst zu entdecken. So gibt es beispielsweise eine junge Brasilianerin namens Fefe Talavera, die aus ausgeschnittenen Buchstaben riesig große Monster zusammensetzt. Sie folgt dabei einer mexikanischen Tradition, in der Alebrijes (kleine Pappmaschefiguren) erstellt werden, die in ihrem Ursprung dazu gedacht waren, Monster aus den eigenen Gedanken zu verscheuchen. Fefe bannt nun ihre eigenen Emotionen in den erschaffenen Buchstabenmonstern und führt den Grundgedanken auf eine ganz eigene Art weiter. Das ganze wirkt auf eine merkwürdige Weise entrückt, fasziniert - alles zugleich.

Für einige Wochen – die Aktion läuft bis zum 27. Oktober – bietet sich in Frankfurt die einmalige Gelegenheit, eine Reise nach Brasilien zu machen, ohne dabei das Stadtgebiet zu verlassen. Und wenn man die eingerosteten Portugiesischkenntnisse auffrischen möchte, ergibt sich vielleicht sogar die Gelegenheit, mit einem der elf Künstler ein paar Worte zu wechseln. Viel näher kann man Kunst und Kultur Brasiliens nicht kommen!

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