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Frankfurt im Fokus

Von Diesmal im Fokus-Blog: „Mehmet“ will sein Buch vorstellen. Wollen wir das?
Muhlis Ari 1999 als 14-Jähriger, kurz nach seiner Ausweisung aus Deutschland. Archivfoto: dpa Muhlis Ari 1999 als 14-Jähriger, kurz nach seiner Ausweisung aus Deutschland. Archivfoto: dpa
Frankfurt.  Ab dem 9. Oktober öffnet die Frankfurter Buchmesse wieder ihre Pforten und will, so die Schätzungen der Betreiber, zwischen 250.00 und 300.000 Besucher in fünf Tagen anlocken. Ein ganz ordentliches Sümmchen, auch wenn die Zahl der Aussteller in diesem Jahr leicht rückläufig ist. Dass die Frankfurter Buchmesse, trotz aller Widrigkeiten, noch immer eine Erfolgsgeschichte ist, freut mich aber ungemein.
 
Es ist auch herrlich mitanzusehen, wer mit welchen Töpfen klappert, um ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen. Kaum zu übersehen war dieser Tage, dass Muhlis Ari, besser bekannt als der Serientäter „Mehmet“, seine Autobiografie vorstellen möchte und daher darum bittet, dass der gegen ihn bestehende Haftbefehl ausgesetzt wird. Wenn man das kurz und knackig zusammenfasst, wirkt das Ganze schon beinahe wie eine Schmierenkomödie: „Mehmet“ hat, noch bevor er 14 Jahre alt wurde, rund 60 Straftaten begangen. Wurde ohne seine Eltern in die Türkei ausgewiesen, durfte 2001 dann aber wieder zurückkehren. 2005 ist er dann erneut straffällig geworden und sollte eine Haftstrafe antreten. Darauf hatte „Mehmet“ aber scheinbar keine Lust und hat die Flucht in die Türkei angetreten, wo er seitdem sein Dasein fristet. Jetzt hat er sein „spannendes“ Leben in Druckerschwärze gekleidet und will seine Autobiografie in Frankfurt vorstellen, natürlich der Literatur und der Aufklärung willen, um Geld geht es dabei selbstverständlich nicht.
 
Die Sprecherin des Riva Verlags, der sich dieses Pamphlets angenommen hat, betont, dass sie es begrüßen würde, wenn ihr neuster Autor erscheinen könnte, fügt aber mit einem letzten Funken Realitätssinn ausgestattet hinzu, dass sie es für nicht sehr wahrscheinlich halte. Für den Verlag dürfte sich Mehmets Fernbleiben indes nicht allzu dramatisch auswirken, haben sie doch noch so erquickende Literatur wie „Den Bro Code – Das Playboy Bundle“, Bushidos Autobiografie und die Bekenntnisse einiger Bandido- und Hells Angels Mitglieder mit im Gepäck. Herrlich, wie geduldig Papier doch sein kann.
 
Dann war da noch Paulo Coelho, der „trotz hoher Wertschätzung“ nicht zur Frankfurter Buchmesse erscheinen wird. Das ist besonders erstaunlich, weil das diesjährige Gastland Brasilien ist und Coelho zu den kommerziell erfolgreichsten Autoren dieses Landes gehört und weltweit in Bestsellerlisten vertreten ist. Von den Kritikern wird der Brasilianer hingegen nicht ganz so geschätzt wie von seinen Fans. Unvergessen Denis Schecks Beschreibung: „Paulo Coelho, unangefochtener König des Esoterikschunds, ein Autor, dessen in der Literaturgeschichte ganz und gar beispielloser grotesker Dilettantismus in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu seinem Erfolg steht.“
 
Das tut weh, aber Coelho dürfte das nicht stören - und es ist vermutlich auch nicht der Grund für seine Reiseunwilligkeit. Er spricht viel mehr davon, dass er mit der Auswahl der Autoren nicht zufrieden ist, er würde die meisten der eingeladenen Autoren nicht einmal kennen und bezweifle daher, dass es sich dabei um professionelle Schriftsteller handele. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Autoren, die er vorgeschlagen hatte, nicht eingeladen worden waren. Ja, auch alte Männer können schmollen wie kleine Kinder. Schön zu sehen, wie Frankfurt das Beste im Menschen hervorbringt. Also ich freue mich wieder einmal auf die Buchmesse!
 
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