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Frankfurt im Fokus

Von Mit offenen Ohren durch Frankfurt - Straßenmusiker sind überall.
Unser Blogger trauert ihnen schon jetzt ein wenig hinterher, den Straßenmusikern Frankfurts, die nun in Winterpause gehen. (Foto: dpa) Unser Blogger trauert ihnen schon jetzt ein wenig hinterher, den Straßenmusikern Frankfurts, die nun in Winterpause gehen. (Foto: dpa)
Zugegebenermaßen wird es mit dem Voranschreiten der kalten Jahreszeit immer weniger - aber Anfang der Woche konnte man das Treiben der Straßenmusiker noch einmal richtig schön beobachten, wenn man die Zeil entlangflaniert ist. Das Spektrum wird dabei, zumindest ist das mein Eindruck, immer größer. Da findet man Geigen, Gitarren, Panflöten, Akkordeons oder Oboen, um nur einige Instrumente zu nennen. Dem (un)geschulten Ohr wird also einiges geboten.

Je nach verabreichter Dosis und persönlichem Musikgeschmack kann man dabei aber nicht immer alles in gleichem Maße ertragen. So gehen mir persönlich inzwischen die Panflötenspieler gehörig auf die Nerven. So sehr ich die Musik prinzipiell auch mag, ist es doch zu viel des Guten, wenn die erste peruanische Hochebenenkombo an der Hauptwache anzutreffen ist, nur um von den nächsten Teufelsbläsern fünfzig Meter weiter abgelöst zu werden. Die Kollegen der Pseudoindianerfraktion trällern dann ja auch nicht leise vor sich hin. Viel eher wird hier direkt tontechnisches Equipment aufgefahren, das sich auch in jedem Konzertsaal sehen lassen könnte.

Wenn man mit offenen Augen und Ohren durch die Innenstadt läuft, und ich sage jetzt mal vom Opernplatz bis zur Konstablerwache, ist es der schiere Wahnsinn, was einem da entgegengespielt wird. Das reicht von der Roma-Band, die – wenn auch eher bemüht als gekonnt – das stark romantisierende Nomadenleben mit handgeklöppelten Instrumenten zum Ausdruck bringt, bis hin zum Mann mit der Geige, der versucht, mit dem galoppierenden Snobismus auf der Freßgass‘ Schritt zu halten. Bei Letzterem bin ich dann auch in der Tat eine Weile hängen geblieben, da er angefangen hat, filmische Klassiker aufzuarbeiten. Egal ob „Herr der Ringe“, „Braveheart“ oder „Der letzte Mohikaner“: Der Mann konnte einfach alles aus dem Effeff herunterspielen und es dabei so klingen lassen, dass man es nicht nur erkennen, sondern wirklich genießen konnte. Das hat dann aber nicht nur bei mir funktioniert, sondern auch bei vielen anderen Passanten, die dann durchaus erfreut ihren obligatorischen Euro in den Hut geschmissen haben.

Jemanden, den ich immer wieder mal antreffe, ist der kurdische Folkloresänger mit dem Akkordeon, der meist irgendwo zwischen Konstablerwache und Brockhaus-Brunnen anzutreffen ist. Mit ihm hab ich mich dann auch mal ein wenig länger unterhalten und abgesehen von einigen netten Anekdoten dann auch erfahren, dass der Mann nicht nur eine echte musikalische Ausbildung genossen hat, sondern auch ganz ansehnlich verdient. An guten Tagen können es schon mal hundert Euro sein, erklärt er, verweist aber gleichzeitig auf den tatsächlich stattfindenden Kampf um die guten Plätze. In der B-Ebene wird man kaum einen Musiker finden, der länger als eine Stunde am Stück an ein und derselben Stelle steht. Und wenn man dann mal in der Musik versinkend, die Zeit vergisst, wird man vom nächsten Musiker lautstark darauf hingewiesen, dass es jetzt doch mal an der Zeit sei, sich vom Acker zu machen. Hat sich also was mit dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Leidensgenossen, wobei das sicherlich nicht auf alle zutrifft.

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