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Streik am Frankfurter Flughafen: Die Gewerkschaft Verdi hat zum Ausstand aufgerufen. Unser Blogger findet das prinzipiell erstmal okay. Foto: dpa Streik am Frankfurter Flughafen: Die Gewerkschaft Verdi hat zum Ausstand aufgerufen. Unser Blogger findet das prinzipiell erstmal okay. Foto: dpa
In unserer Gesellschaft, vielleicht sogar insbesondere in Frankfurt, der europäischen Finanzmetropole, fällt es den Menschen zunehmend schwer, sich über den Wert des Geldes klar zu werden. Für die, die bereits genug davon haben, dreht sich meist der gesamte Tagesablauf darum, Selbiges zu vermehren. Für die, die mehr davon gebrauchen könnten, geht es in erster Linie darum, Geld zu beschaffen. So oder so: keine wirklich schöne Lebensphilosophie.
 
Der US-amerikanische Schriftsteller Henry Louis Mencken hat einmal gesagt, dass der Hauptwert des Geldes in der Tatsache besteht, dass man in einer Welt lebt, in der es überbewertet wird. Damals so wahr wie heute.
 
Die Tage haben die Piloten der Lufthansa gestreikt. Um es vorwegzunehmen, ich bin ein großer Verfechter des Streikrechts und der Stärkung von Arbeitnehmerrechten, gerade auch durch gewerkschaftliche Anstrengungen. Mit einem durchschnittlichen Jahresbrutto von über 100.000 Euro gehören die Piloten der Lufthansa zu den sogenannten oberen Zehntausend unserer Gesellschaft. Es ging ihnen darum, einen lukrativeren Übergang in den Vorruhestand ab 55 zu bekommen. Nebenbei ging es dann auch noch um 10 Prozent mehr Lohn. Da das Streikrecht, ebenso wie die freie Meinungsäußerung, bei den meisten Menschen in unserem Land zu den verbrieften Rechten gehört, möchte in von Letzterem in diesem Fall Gebrauch machen und meine Empörung über eine derartige Unverfrorenheit äußern.
 
Ich halte es für moralisch fragwürdig, für Leistungen in einen dreitägigen Streik zu treten, die man mit Fug und Recht als echte Luxusprobleme bezeichnen kann. Einen besser bezahlten Frühruhestand? NOCH mehr Geld? Um im Frankforderisch zu bleiben: Ihr habt wohl ’en nasse Hut uff! Mein Vorschlag: Nehmt doch die 10 Prozent Gehaltserhöhung, die ihr gefordert habt, zieht diese von eurem Gehalt ab und spendet es Ärzte ohne Grenzen, da wird Fliegerei und Nutzen in echten Einklang gebracht!
 
Wer hingegen wirklich einmal wissen möchte, um was es bei dem Geld tatsächlich geht, und das die lustig bedruckten Papierscheinchen eigentlich nicht viel mehr sind, als das Vertrauen, das wir in das System haben, in dem wir leben, dem lege ich „Der Aufstieg des Geldes: Die Währung der Geschichte“ von dem Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson ans Herz. Dort gibt es ein äußerst aufschlussreiches Kapitel, mit dem Namen „Träume der Habgier“.
 
Ohne den moralischen Zeigefinger heben zu wollen oder allzu besserwisserisch daher zu kommen, sind die wirklich schönen Momente im Leben doch die, die gar nichts mit Geld zu tun haben. Kinder dabei beobachten, wie sie unbeschwert und gedankenverloren spielen, das Zusammensein mit guten Freunden, ein Spaziergang am Fluss oder das Lesen eines guten Buches, in dem man sich verlieren kann. Alles Momente, die kein oder wenig Geld kosten, zumindest mir aber heute noch im Gedächtnis sind.

 
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Den dritten Tag in Folge rief die Gewerkschaft Verdi zum Warnstreik auf, am 27. März 2014 erwischte es die Flughäfen. Alle Fotos: Thomas J. SchmidtDer Frankfurter Airport wirkte am Morgen ziemlich verödet.Medienvertreter waren natürlich vor Ort...,
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Pendler mussten auch am 25. März 2014 wieder gute Nerven mitbringen, denn die Gewerkschaft Verdi hatte die Angestellten des öffentlichen Dienstes wieder zum Warnstreik aufgerufen. Vor allem der Nahverkehr war davon betroffen, U-Bahne und Straßenbahnen standen still. Fotos: Kammerer (11), Schmidt (12), Kötter (9), Christes (11)Die Gewerkschaft Verdi fordert für die 2,1 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen eine Erhöhung aller Gehälter um einen Sockelbetrag von 100 Euro und 3,5 Prozent mehr Geld.Um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, wurden am 25. März 2014 zunächst das Rhein-Main-Gebiet, Mittel- und in Südhessen bestreikt.
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