Zermalmen

Nein, Missverständnisse entstehen mit dieser Flirt-App wirklich keine mehr.
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Am Wochenende war ich mit meinem besten schwulen Freund unterwegs. Die Clubs waren voll, die Bars auch – und Ben wirkte mit seinem ärmellosen engen Oberteil aus glänzendem Stoff und tiefsitzenden Jeans wie die Königin der Nacht. Wir standen mit unseren Cocktails an der Bar und sahen uns an, was der Abend so zu bieten hatte. Irgendwann holte Ben sein Smartphone aus der Tasche, drückte darauf herum und hielt mir plötzlich das Foto eines attraktiven schwarzhaarigen Kerls mit nacktem Oberkörper und Sixpack unter die Nase. „Wer ist das?“, fragte ich. Ben lachte nur und zeigte mit dem Finger auf einen Kerl, der ein paar Meter weiter stand. Er sah dem Typen auf dem Foto zwar irgendwie ähnlich, wirkte jedoch insgesamt weniger gestählt, eher kuschelbärig. Ich starrte ihn an, das Handy, Ben. „Das ist eine App für schwule Männer“, erklärte mir mein Freund. Und zeigte mir auch gleich sämtliche Features des Programms mit dem schönen Namen „Grindr“ (zu Deutsch: „Zermalmer“). Allein der Name ist schon großartig, doch was diese App kann, verändert alles, was ich bisher übers Flirten wusste. Wer sich hier ein Profil anlegt, kann ein Foto hochladen und angeben, was er sucht: Schnellen Sex, eine Beziehung, ein Date. Dann muss nur noch die Telefonortung aktiviert werden. Und schon sehen sich die Nutzer untereinander, mit Foto, Entfernung in Metern, Status. „Gerade sind neun Männer hier in der Bar, die bei Grindr ein Profil haben“, klärte Ben mich auf und warf dem schwarzhaarigen Bär einen intensiven Blick zu. Ich war erschüttert und bin es noch immer. Ist das nicht unfassbar? Da existiert eine Art elektronische Sub-Ebene in dieser und wahrscheinlich jeder Bar in Frankfurt und den deutschen Großstädten. Und wir Heteros wissen nichts davon! Brav halten wir uns an das alte Balzritual, ohne zu ahnen, dass es schon längst abgelöst wurde. Programme wie Grindr sind zwar hemmungslos unromantisch, machen aber auch vieles einfacher. Und ersparen am nächsten Morgen zumindest die peinliche Frage: „Wollen wir uns wiedersehen?“ (Anne Zegelman)
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