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Platin

Von Scheinwerfer auf dem Kopf: Eine Liebeserklärung ans Blond-sein.
Platinblond fällt auf. Das wusste schon Jahrhundert-Ikone Marilyn Monroe. (Bild: Allan Whitey Snyder, dpa) Platinblond fällt auf. Das wusste schon Jahrhundert-Ikone Marilyn Monroe. (Bild: Allan Whitey Snyder, dpa)
Es gibt sie, diese Frauen, die seit Jahren die gleiche Frisur tragen. Meine Mutter gehört dazu, einige meiner Freundinnen und auch eine liebe Kollegin, die ihr Haar lang, blond und glatt trägt. Ich beneide diese Frauen. Denn sie haben schon vor langer Zeit genau die Frisur gefunden, die zu ihnen passt. Sie wissen, was ihnen steht, und sind selbstbewusst genug, dabei zu bleiben. 

Es gibt sie also, diese Frauen. Und es gibt uns andere. Die experimentieren, aber meist nicht aus Lust heraus. Sondern aus Notwendigkeit. Die irgendwie immer auf der Suche sind nach der einen, der besten Frisur. Zu denen ich gehöre ich. Eigentlich bin ich dunkelblond. Aschblond, straßenköterblond. Der Volksmund hat viele verächtliche Namen für diesen ganz besonders langweiligen Haarton, den neben mir ein großer Prozentteil aller Deutschen schamhaft unter einer Tönung versteckt oder herausblondiert. Irgendwie geht es ja auch gar nicht anders. Denn Dunkelblonde finden oberhalb des Haaransatzes irgendwie nicht so richtig statt.

Die logische Konsequenz ist, dass ich seit meinem 14. Lebensjahr eigentlich immer etwas mit meinen Haaren gemacht habe. Sie waren lang und kurz, glatt und lockig, rot, schwarz, lange sogar lila und immer mal wieder mit blonden Strähnchen durchsetzt. Wenn ich doch mal einige Zeit beim Dunkelblond geblieben bin, dann war auch das chemisch behandelt. Denn ein dunkles, intensiv leuchtendes Aschblond ist etwas ganz anderes als dieses graustichige Grünbraunrotgold, das ich eigentlich auf dem Kopf habe. 

Seit genau einer Woche bin ich nun strahlend blond. So hell wie nie. Marilyn-Blond, platinblond. Kein Vergleich zu den wenigen goldblonden Strähnchen der vergangenen Jahre. Das musste sein, ich hatte meine langen, lockigen, dunkelblond getönten Haare so satt.

Drei Stunden saß ich beim Friseur und erlebte eine Metamorphose, eine Art magische Verwandlung. Kaum trat ich aus dem Salon ans Tageslicht, hatte ich das Gefühl, die ganze Welt sieht mich plötzlich anders an. Schockierend. Meine hellblonden Haare stechen aus der Masse heraus, sind ein leuchtender Lichtpunkt. Da gucken die Leute natürlich hin. Und die Männer erst recht. Ein spontan herbeigeführter Test auf der belebten Zeil belegt: Hellblond ist einer von drei Schlüsselreizen, die Männer optisch ansprechen (die beiden anderen sind Brüste und Hintern). Ich werde angeschaut, angezwinkert, angesprochen, sogar im Auto an der roten Ampel vom Fahrer neben mir bemerkt und abgecheckt.

Den größten Unterschied mache ich aber mit mir selbst. Hellblond zu sein ist wie einen knallroten Mantel zu tragen: Man steht im Blickpunkt, als ob man beim Betreten eines Raumes laut rufen würde: "Sehr her, hier bin ich!" Da muss der ganze Rest ebenfalls stimmen. Also investiere ich seit meiner Blondierung noch mehr als vorher in Make-up, Klamotten, Ohrringe. Noch bin ich eine Neu-Blondine. Doch ich lerne jeden Tag dazu und genieße es.

Als überzeugte Experimentiererin kann ich aber schon jetzt sagen: Vielleicht ist meine neue Frisur nicht für immer. Sollte mir mein Scheinwerferlicht auf dem Kopf irgendwann zu viel werden, töne ich mich einfach wieder dunkelblond. Und weg bin ich, verschwunden in der Masse. Auch das ist irgendwie magisch.

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