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Freaky Frankfurt

Von Heute im Sex-and-the-City-Blog: Haben Sie schon mal in eine Tasse gepinkelt?
Schwanger oder nicht schwanger? Selten ist der Klogang so dermaßen stressig. (Foto:Kristin Gründler - Fotolia.com) Schwanger oder nicht schwanger? Selten ist der Klogang so dermaßen stressig. (Foto:Kristin Gründler - Fotolia.com)
Es gibt eine Form der Langsamkeit, die nur Frauen kennen. Es sind diese zwei Minuten, dieses Warten auf eine Linie. Dieses Hoffen auf einen dünnen, dunkelblauen Strich. Oder auf zwei. Mädels wissen, wovon ich rede: Vom bösen S-Wort. Dem Schwangerschaftstest.

Allein schon das Erlebnis, dieses Teil zu kaufen! Passenderweise hängen sie ja direkt bei den Kondomen, die einem hähmisch grinsend zuzuflüstern scheinen: Hättest du uns beim letzten Mal mitgenommen, wärst du nun nicht hier!

Auch ich muss heute einen Schwangerschaftstest kaufen. Ausgesucht habe ich mir dafür die Drogerie im Nachbar-Stadtteil, denn sicher ist sicher. Ich schleiche durch die Drogerie und habe bereits eine ganze Menge unverfängliche Artikel wie Zahncreme, Nagellack und ein paar billige Ohrringe in meinen Korb gelegt. Ja, ich trödele absichtlich, nur um den Moment der Wahrheit noch weiter hinauszuschieben. Irgendwann nähere ich mich dann aber doch dem Regal, an dem die zahlreichen Schwangerschaftstests baumeln. Diskret bleibe ich vor dem Ständer stehen und beäuge die bunten Packungen aus den Augenwinkeln. Das Premiumprodukt kostet mehr als 15 Euro, doch es gibt auch billigere. Zum Glück.

Meine Hand zuckt. Noch kann ich so tun, als stünde ich nur zufällig hier, im Gang zwischen Deorollern und Küchenrolle. Ach, seufze ich innerlich, was würde ich dafür geben, diesen Moment gegen die Peinlichkeit eines Kondomkaufs einzutauschen! Ach was, ich sollte mich wirklich nicht so anstellen! Blitzschnell greife ich nach der Basis-Version für schlanke 7 Euro und lasse die weiße Packung mit der rosa Schrift in meinem Korb verschwinden. Hastig häufe ich die anderen Artikel darüber und gehe erhobenen Hauptes zur Kasse.

Berta, was kosten die Kondome?

"Berta, was kosten die Kondome?" Jeder, der sich schon einmal in einer solchen Situation wiedergefunden hat, kennt dieses Gefühl, in einen schlechten Film geraten zu sein. Der Kauf eines Schwangerschaftstests unterscheidet sich nur durch einen wesentlichen Faktor vom Kondomkauf: dem Blick der Verkäuferin. Kauft man Kondome, erntet man belustigte, vielleicht sogar ein wenig anerkennende Blicke. Kauft man einen Schwangerschaftstest, kann man sich des Mitgefühls der Kassiererin gewiss sein. Armes Mädchen, scheint ihr Blick zu sagen. Und: Bin ich froh, dass ich nicht in deiner Haut stecke.

Nachdem sie die weiße Verpackung mit der rosa Schrift gefühlt extra-langsam über den Scanner gezogen hat und ich ihr vor lauter Nervosität meinen Bibliotheksausweis statt der EC-Karte gereicht habe, stecke ich den Test in meine Handtasche. Auf dem Weg nachhause brennt er fast ein Loch in den Stoff. Irgendwie hat man bei Produkten, die auch nur im entferntesten mit Sexualität zu tun haben, doch immer das Gefühl, dass jeder weiß, was man da mit sich herum trägt.

Die 80er Jahre leben fort

Daheim öffne ich die Verpackung aus Pappe, die nach Erbrochenem müffelt, und ziehe den Test heraus. Weißes Plastik. Und auch hier wird der zierliche altrosafarbene Ton der Verpackung aufgegriffen, das Hinterteil und die durchsichtige Kappe schimmern zart und mädchenhaft. Wenn sich das Design jedes anderen Produktes geändert hat, in der Aufmachung dieses Plastikteils leben die 80er Jahre fort. Mit einem Seufzen falte ich die Gebrauchsanleitung auseinander. "Halten Sie den Teststreifen fünf Sekunden lang unter fließenden Urin", empfiehlt man dort freundlich. Nein danke. Ich entscheide mich für die ebenfalls aufgeführte Variante mit einem "sauberen Gefäß" und schlurfe in die Küche, um eine Tasse zu holen. Doch halt! Egal, für welche Tasse ich mich entscheide, ich werde sie danach nicht mehr zum Kaffeetrinken benutzen können.

Zähneknirschend ziehe ich einen alten Kaffeebecher aus dem Schrank, der ohnehin schon einen Sprung hat, und führe ihn seiner Bestimmung zu. Anschließend tunke ich den Teststreifen in den warmen Urin, als ob ich einen Keks in einen Cappuccino stippen würde. Nur, dass dashier deutlich weniger appetitlich ist - und dass ich dabei die Sekunden abzählen muss.

Anschließend ziehe ich die Kappe über den pipinassen Teststreifen - igitt! - und lege ihn vor mich auf die Badkacheln. Warum setzt man sich eigentlich für diese Art von lebensprägenden Antworten so oft auf den Boden? Vielleicht, weil man sich erden will?

Wie bei Dalí

Zwei Minuten können ganz schön lang sein. Die Sekunden ziehen sich fast gummiartig dahin, wie eine der berühmten Camembert-Uhren von Salvador Dalí. Zeit, die man nutzen kann, um sich verrückt zu machen. Im Kopf abzuspulen, wie man auf jede Art von Ergebnis reagieren wird. Ein Baby? Wir? Ausgerechnet jetzt? Wollen wir das denn überhaupt? Oder schon einmal Babynamen durchzugehen. Alexa ist doch wirklich hübsch für ein Mädchen.

Zwei Minuten sind rum. Ich bin kein Hasenfuß und schaue mutig und ohne Zögern sofort auf den Test. Eine Linie. Ich bin nicht schwanger. Puh, Glück gehabt. Obwohl wir momentan kein Baby geplant haben, bin ich überrascht über die kleine, leise Enttäuschung. Aber ich bin vor allem eins: Unglaublich, freudentaumelig, atemlos, jubelschreiend erleichtert!

Eine Lehre habe ich aus dem Ganzen allerdings gezogen: Das nächste Mal bestelle ich meinen Schwangerschaftstest bei Amazon - stress- und portofrei. Als Frau mit Erfahrung besitze ich nun ja sogar eine Pipi-Tasse, die ich spülen und ganz hinten im Badschrank vergraben werde.

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