Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Freaky Frankfurt

Von Diesmal im Sex-and-the-City-Blog: Ins Bett mit dem Chef - ob das gut geht?
Die Atmosphäre ist sexy, es wird geflirtet - und die Kellnerin landet nach Feierabend mit dem Chef im Bett. Ist doch normal, findet sie ... (Foto: dpa) Die Atmosphäre ist sexy, es wird geflirtet - und die Kellnerin landet nach Feierabend mit dem Chef im Bett. Ist doch normal, findet sie ... (Foto: dpa)
Als ich mich am vergangenen Sonntagmorgen mit einer Freundin auf der Berger Straße beim Frühstück saß, machte sie einen irgendwie abwesenden Eindruck. Sie rauchte mehr als sonst, ihre Klamotten sahen aus wie von gestern, sie wirkte insgesamt nervös - und ihr Blick schweifte immer wieder in die Ferne. Ich fragte, was los sei, doch so richtig erzählen wollte sie nicht. Sie druckste und eierte herum, doch irgendwann rückte sie dann doch raus mit der Sprache: Sie hatte in der vergangenen Nacht zu viel getrunken und war mit einem Kerl im Bett gelandet. Doch nicht mit irgendwem. Sondern mit ihrem Chef.

Sie arbeitet in einem Bistro in Frankfurt und dort am Wochenende oft bis spät in die Nacht. Nach ihrer Schicht am vergangenen Abend hatte sie ihn gegen 3 Uhr mit zu sich genommen. Das Ganze hatte sich offenbar über Monate hochgeschaukelt. Ein tiefer Trinkgeldausschnitt, viel geflirtet, ein paar scheinbar zufällige Berührungen, Knistern in der Luft ... Und das alles in einer Location, in der am Samstagabend sowieso eine aufgeheizte, sexy Stimmung herrschte. "Wir hatten beide Lust drauf, also warum nicht?", sagte sie zerstreut, strich sich durch die schwarzen Haare und nahm einen tiefen Zug von ihrer Zigarette.

Ja, warum eigentlich nicht? Mir würden spontan an die hundert Gründe einfallen. Zum Beispiel, weil Sex alles verändert. Weil aus zwei Kollegen, aus einem Chef und einer Mitarbeiterin mit Hierarchie-Gefälle, plötzlich zwei Menschen geworden sind, die sich im Liegen auf Augenhöhe begegnen. Und deren Machtverhältnisse sich geändert haben. Weil, auch bei einem One-Night-Stand, Gefühle wie Erwartung, Zurückweisung und vieles mehr eine Rolle spielen können.

Meine Freundin hatte diese Bedenken offenbar so gar nicht. Sie nahm noch einen tiefen Zug von ihrer Zigarette und einen hastigen Schluck von ihrem schwarzen Kaffee. "Bei uns hat das echt nichts zu bedeuten", erklärte sie mir. "Da wird sich gar nichts ändern."

Ich betrachtete sie. Hochgewurschtelte, rabenschwarz gefärbte Haare. Dunkle Ringe unter den blauen Augen, die mich völlig übernächtigt ansahen. Sie war ungeschminkt und irgendwie schutzlos. Entweder bist du verflucht abgebrüht, dachte ich - oder furchtbar naiv.

Ein paar Tage später traf ich meine Freundin auf einer Party wieder. Leise fragte ich sie über unsere pfefferminzbeladenen Hugo-Gläser hinweg, ob sie ihren Chef schon wiedergesehen hätte. "Lustig, dass du fragst", grinste sie. "Er ist nämlich grad gestern nach der Arbeit nochmal mit zu mir gekommen ... Ist wirklich ganz entspannt, ab und zu ein Blickwechsel bei der Arbeit, aber er ist immer noch mein Chef und ich immer noch seine Angestellte."

Ich bin mal gespannt, wie lang das gut geht. Ich meine, um sich auszurechnen, dass das gar keine gute Idee ist, muss man doch kein Genie sein! Wenn man unkomplizierten Sex will, muss man sich ein unkompliziertes Umfeld suchen. Einen fremden Mann, eine fremde Gegend, ein Hotelzimmer. Je anonymer, desto besser. An diese Friends-with-Benefits-Sachen, also an Sex unter Freunden, glaube ich einfach nicht. Gute Freunde, die sich alles erzählen, die telefonieren und sich ihr Herz ausschütten - und dann noch Sex haben? Wo, bitte, soll denn da der Unterschied zu einer Beziehung liegen? Da ist doch die Gefahr viel zu groß, dass einer danach noch kuscheln will - und sich ruckzuck verliebt. Nein, geht es nur um Sex, dann muss man sich schützen. Auch emotional.

Diskutieren Sie mit unserer Bloggerin! Wenn Sie sich noch nicht registriert haben, können Sie das kostenlos nachholen: Klicken Sie dafür einfach unter dem Kommentarfeld am Seitenende auf den beige hinterlegten Reiter „Für nicht registrierte Nutzer“. Dort können Sie sich ganz unkompliziert mit einem Benutzernamen Ihrer Wahl, einem Passwort und Ihrer E-Mail-Adresse anmelden. Anschließend erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink, den Sie nur noch anklicken müssen – und schon können Sie kommentieren. Natürlich werden Ihre persönlichen Daten nur intern verwendet und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben. Unsere Blogger freuen sich auf Ihre Beiträge!
Zur Startseite Mehr aus Anne Zegelman - Freaky Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse