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Freaky Frankfurt

Von Wenn eine Liebe kaputt geht, ist das Schlussmachen der schlimmste Teil.
Am Anfang ist alles wunderschön, unschuldig, richtig. Wie kann man so etwas Gutes herzlos beenden? (Foto: Fotolia) Am Anfang ist alles wunderschön, unschuldig, richtig. Wie kann man so etwas Gutes herzlos beenden? (Foto: Fotolia)
Jemanden zu verlassen ist unglaublich schwierig. Deshalb habe ich es bisher vermieden. Bis auf einmal, als es gar nicht anders ging, weil die Situation zu eingefahren war und nie nächste Liebe schon in den Startlöchern stand. Doch Fakt ist: Schlussmachen will gelernt sein. Denn abgesehen davon, dass es ganz schlimm ist, jemandem einen Dolch ins Herz zu stoßen und eine freundliche Beziehung in einen Alptraum zu verwandeln, gibt es dabei noch sehr viel mehr zu beachten.

Zum Beispiel den richtigen Zeitpunkt. Gerade bei Fernbeziehungen ist das eine ganz heikle Geschichte. Natürlich will man sich nicht am Telefon trennen. Also fährt man persönlich hin - womöglich eine weite Strecke. Meist ja übers Wochenende. Freitagabend kommt man an, gestresst, müde, hungrig, verschwitzt. Da will man sich eigentlich erst einmal ausruhen, etwas essen und am nächsten Tag mit klarem Kopf an die Sache herangehen. Denn völlig logisch ist: Sobald die Katze aus dem Sack ist, muss man verschwinden. Gemeinsam den Rest des Wochenendes auszusitzen, artet nur in emotionales Blutvergießen aus, das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Also verbringt man die Nacht miteinander. Gut möglich, dass der Noch-Partner kuscheln möchte, wenn man nebeneinander im Bett liegt und sich einige Tage oder gar Wochen nicht gesehen hat. Was tut man in einer solchen Situation? Mitkuscheln wäre ein netter Abschied, allerdings auch ganz schön garstig. Denn nur man selbst weiß ja, dass es ein Abschied ist. Und serviert man den Freund am nächsten Morgen ab, ist klar, man hat ihn in der Nacht zuvor eiskalt ausgenutzt. Eleganter ist es also, nicht mitzukuscheln. Doch dann wird sich der Noch-Partner fragen, was eigentlich los ist - und über früher oder später wird man doch mit der Sprache herausrücken, weil man ja doch kein emotionales Ungeheuer ist. Und schließlich nachts um drei mit Reisetasche und völlig übermüdet auf der Straße stehen.

Also spielt man vielleicht bis Sonntagmorgen heile Welt, lässt die Bombe nach einem reichhaltigen Frühstück platzen und erwischt bequem den 16-Uhr-Zug nach Hause. Dann fährt man allerdings mit dem nagenden Gefühl heim, sich ziemlich mies verhalten zu haben.

Auch ich hatte mal eine Fernbeziehung. Von Frankfurt nach Nürnberg, an jedem zweiten Freitag hin und sonntags zurück. Wir waren mehr als zwei Jahre zusammen, und die ersten eineinhalb Jahre war es schön. Das letzte halbe Jahr hätten wir uns vielleicht sparen können - wenn ich gewusst hätte, wie man Schluss macht. Denn es lag nicht nur am richtigen Zeitpunkt, der in einer Fernbeziehung so schwer zu finden ist.

Fakt ist: Ich weiß nicht, wie man eine Beziehung beendet. Ich habe keine Ahnung, keine Erfahrung und nicht genug Mut, um jemanden zu verlassen. Und ich will es auch gar nicht. Dazu fehlt mir das Talent, dazu bin ich viel zu ängstlich. Denn wenn diese Worte einmal ausgesprochen sind, kann man sie kaum mehr zurück nehmen. Aber vielleicht möchte man das ja, kaum, dass man es gesagt hat! Also muss man sich seiner Sache ganz, ganz sicher sein. Aber wann ist man das schon, gerade in Beziehungen? Da wird ja naturgemäß geliebt und gestritten, dass nur so die Fetzen fliegen.
 
Als Scheidungskind habe ich damals fast hautnah miterlebt, wie mein Vater meiner Mutter mitgeteilt hat, dass es aus ist. Im Restaurant, bei der Vorspeise. Und ich weiß, dass meine Mutter danach nicht mehr die Selbe war - und zwar nicht nur, weil sie den Hauptgang nicht mehr richtig genießen konnte. Tief verwundet, unter Schock, zerbrochen - und das für Jahre! Wie könnte ich einem anderen Menschen, für den ich ja doch in einem Eckchen meines Herzens noch Gefühle habe, so etwas antun?

Nein, das kann ich nicht. Ich sitze die Situation lieber aus und raufe mich mit meinem Partner zusammen. Es gibt ja auch wieder gute Zeiten, denke ich dann - und habe bisher immer recht behalten. Im Prinzip ist das die Variante, die früher dafür sorgte, dass Ehen hielten. Man blieb einfach zusammen, denn eine andere Möglichkeit gab es ja quasi nicht.

Nun sagt mein Psychologen-Bruder immer: "Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung." Und natürlich stimmt das. Aber ich bin extrem leidensfähig, aufopferungsvoll gar - mit dem egoistischen Grund, niemanden verletzen zu müssen und nicht als die Böse dazustehen. Denn der, der Schluss macht, ist eben das Ungeheuer. Ich weiß, dass das falsch ist. Aber ich kann es nicht ändern.

Nun, Ihr werdet es erraten: Ich habe in meinem Leben trotzdem nicht nur eine Beziehung gehabt. Wenn die Liebe scheitert, man gemeinsam beschließt, es nicht weiter zu versuchen - dann kann ich das akzeptieren. Eine gemeinsame Entscheidung ist fair. Und wenn es wirklich nicht mehr geht, kommt man irgendwann zusammen an den Punkt, an dem man darüber reden muss und will. Doch eine Trennung mit Überraschungseffekt ist so gemein. So viel Respekt schuldet man sich und dem Anderen. Und nicht eine Trennung bei der Vorspeise, wenn Hauptgericht und Nachtisch schon bestellt sind.

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