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Freaky Frankfurt

Von Naddel und Ralph Siegel trennten sich 2001 per SMS. Und nicht nur die!
Naddel und Ralph Siegel waren 2001 für vier Monate ein Paar. Deutschland durfte teilhaben. (Archivfoto: dpa) Naddel und Ralph Siegel waren 2001 für vier Monate ein Paar. Deutschland durfte teilhaben. (Archivfoto: dpa)
Was gibt es Schöneres, als morgens zum Piepen des Handys wachzuwerden? Im Minutentakt schrieb meine Freundin mir Nachrichten. "Ruf mich an - ich krieg die Krise!", "Melde dich! Es ist dringend!" und "Anne, hilfe!!!!!" Ich versuchte, die müden Augen aufzukriegen, und starrte mit einem Brennen im Kopf auf den leuchtenden Bildschirm. Oh nein, das klang ja gar nicht gut! Ich stolperte aus dem Bett und hastete, schon mit dem Handy am Ohr, ins Wohnzimmer. Während es tutete und ich darauf wartete, dass meine Freundin abnehmen würde, überschlugen sich in meinen Gedanken bereits die Ereignisse. Was konnte passiert sein? Vielleicht war sie krank. Verletzt. Oder womöglich war jemand gestorben. Ja, bestimmt war jemand gestorben.

Während mein Herz schneller schlug, lauschte ich dem Tuten nach. Sie hob nicht ab. Am Ende war sie gar im Krankenhaus - vielleicht war ihre Mutter gestürzt! Oder sie wurde gerade in dieser Sekunde operiert. Was für eine Horrorvorstellung. Vor allem auch, weil wir heute Abend zu viert etwas unternehmen wollten. Sie und ihr Freund, Björn und ich. Und sie wollte fahren! Nicht auszudenken, wenn sie die Verabredung absagen und ich womöglich keinen Glühwein auf dem Hochheimer Markt trinken könnte!

Nachdem ich es mehrere Male versucht und sie immer noch nicht erreicht hatte, wählte ich die Nummer ihres Freundes. Er klang irgendwie seltsam, als er sich meldete. Kratzig, schleppend, dunkel. "Bist du betrunken?", rief ich ins Telefon, während ich die Kaffeemaschine einschaltete. Es war acht Uhr morgens. "Nein", raunte er zurück. "Ich bin nicht betrunken. Ich habe geweint."
Ich musste mich setzen. Oh Gott, es war wirklich jemand gestorben!
Mit vor Angst bebender Stimme fragte ich: "Was ist los?"
Er räusperte sich. "Ich hab es beendet."
Einen Moment lang wusste ich überhaupt nicht, wovon er sprach. "Was hast du beendet?"
"Na meine Beziehung. Heute morgen."

Ich schnappte nach Luft. So plötzlich, aus dem Nichts ... Ich war schockiert und betroffen. Und da war noch etwas anderes. Irgendwas an dieser Sache stimmte nicht. "Heute morgen?", fragte ich nach. "Wie denn das? War sie bei dir?"
"Öhm, nein, nicht direkt", antwortete er zurückhaltend.
Mir dämmerte Schlimmes. "Aber du hast doch nicht am Telefon Schluss gemacht?"
Er räusperte sich. "Ich habe ihr eine SMS geschrieben und ihr erklärt, dass ich mich trennen möchte."

Mein erster Reflex war, einfach zu lachen. "Per SMS?", keuchte ich, und plötzlich war mir sehr übel. "Du hast eine zweijährige Beziehung per SMS beendet?"
Ihm war das Gespräch hörbar unangenehm. "Also ich hab jetzt keine Lust, darüber zu reden", sagte er. "Aber falls du es genau wissen willst, ich wollte ihr die Möglichkeit geben, erstmal nachzudenken, bevor sie etwas sagt, was ihr später leid tut."

Kaum zu glauben! Wahrscheinlich hatte er sogar noch das Gefühl, ehrenhaft zu handeln! Aber in Wirklichkeit ist das einfach eine saumäßig feige Nummer. Mal ehrlich: Wie können erwachsene Menschen sich so dermaßen unreif verhalten?? Jemandem per SMS zum Geburtstag zu gratulieren ist schon fast untragbar. Aber jemanden per SMS abzuservieren ist einfach schlechter Stil, unfair, kindisch! 

Eine andere leise Erinnerung steigt in meinem Hinterkopf auf. Moment, da war doch mal was ... Meine Damen und Herren, lehnen Sie sich zurück, denn es geht los: Denken wir gemeinsam mit Schrecken an Naddel und Ralf Siegel zurück. Ja, auch das gab es - die Ex von Dieter Bohlen und der Schlagerproduzent waren 2001 für ganze vier Monate ein Paar. Naddel machte der SMS Schluss, durften wir aus der "Gala" erfahren. Und Siegel heulte so laut auf, dass die ganze Nation erschrak. Er hatte Recht. Das war einfach mies von der Naddel. Geht gar nicht. So.

Dabei ist Schluss machen per SMS ja fast noch human. Zumindest, wenn ich an eine Geschichte zurückdenke, die sich während meiner Schulzeit ereignet hat. Damals wurde mein bester Freund per Pager verlassen! Pager, das waren diese bunten kleinen Dinger, die man immer dabei hatte. Die Vorläufer von Handys. Wollte man jemandem eine Nachricht auf den Pager schicken, rief man eine Nummer an und gab dort eine Nachricht auf. Der Empfänger bekam sie dann in kleinen schwarzen Buchstaben auf seinem Display angezeigt. Und da stand: "Wir müssen uns leider trennen. Ich hoffe, du verstehst das." Bumm. Sehr nett, danke fürs Gespräch. Antworten konnte man damit nämlich nicht.

Und übrigens, lieber langhaariger Michael aus Michelsbach: Schlussmachen per Brief ist auch blöd. Auch 1998 war das schon schlechter Stil. Das sollte an dieser Stelle mal gesagt werden.

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