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Freaky Frankfurt

Von Leidenschaft mit Ansage: Gestern haben wir die Romantik zu Grabe getragen.
In Alt-Sachsenhausen die große Liebe zu finden kann natürlich passieren - doch unsere Bloggerin hält das für eher unwahrscheinlich. Foto: Archiv In Alt-Sachsenhausen die große Liebe zu finden kann natürlich passieren - doch unsere Bloggerin hält das für eher unwahrscheinlich. Foto: Archiv
Gestern haben wir die Romantik offiziell zu Grabe getragen. Ich war mit Björn und seinem besten Freund Manuel in Frankfurt unterwegs, als es passierte. Und was ich an diesem Abend erlebt habe, hat meinen Glauben an den zarten, sich langsam entfachenden Funken, dieses Umwerben und Abwägen, möglicherweise für immer zerstört.

Die Jungs hatten Lust auf Musik und ein lockeres Umfeld, also gingen wir ins Spritzehaus nach Sachsenhausen und saßen dort auf harten, klebrigen Stühlen, während eine Rockband ohne Namen die Gitarren röhren ließ. Dieser Ort ist ein lautstarkes und ziemlich gewöhnungsbedürftiges Phänomen, aber wer ihn einmal liebt, wird ihn immer lieben. Es ist einer dieser Schuppen, die man niemals im Hellen sehen möchte: Ein bisschen miefig, ein bisschen schmuddelig, ein bisschen Legende und ein klein wenig Angst vor Herpes. Ja, es ist ein Ort zum Abstürzen, doch das ist allen klar, die dort bei ohrenbetäubend lauter Musik billig Bier und Äppler trinken. Die Leute, die am Wochenende im Spritzehaus herumhängen, sind genauso unaufgeregt wie der Laden selbst. Die meisten Männer tragen Jeans und T-Shirt, die Mädels enge Ledercorsagen, verschmiertes Make-up, Röhrenjeans und zottelige 80er-Jahre-Frisuren.

Und eben eine dieser Mädels stand plötzlich neben uns. Wir hatten uns etwas abseits hingesetzt, doch irgendwie schaffte die Dame es trotzdem, von der Tanzfläche aus direkt neben unserem Tisch zu landen. Sie sah nicht übel aus. Vielleicht Ende 20, offene blonde Haare mit fransigem Pony, ein silbernes Ringpiercing in der Unterlippe, absichtlich zerrissene Jeans und irgendeine Art von tiefem Ausschnitt, um den sich schwarzer Stoff vor einem ziemlich großen Busen bauschte.

Ich fürchte, ich muss es zugeben: Ich griff instinktiv nach Björns Hand, um die territorialen Ansprüche zu klären. Sie lächelte mich an und drehte sich, fast ohne, dass ich überhaupt ein Stocken bemerkt hätte, sofort weiter zu Manuel. "Hi", sagte sie und stütze sich direkt vor ihm auf den Tisch.

Mein Herz schlug plötzlich bis zum Hals. Meine Freundinnen und ich flirten nicht so offensiv, wir ermutigen lieber mit den Augen und tun dann überrascht, wenn wir angesprochen werden. Deshalb fand ich es unglaublich spannend, Zeugin einer so offensiven Männerjagd zu werden.

Ich folgte ihrem Blick und betrachtete Manuel so, wie sie ihn in diesem Moment sah. Er ist das, was man als schönen Mann bezeichnen würde: Strubbelige schwarze Haare, blaue Augen mit ein paar Lachfältchen und ein freches Grinsen. Und dazu riecht er auch noch gut, nach einer Mischung aus Waschpulver und einem herben Männerparfüm.
"Ich bin Katrin", sagte sie einfach, und ich war beeindruckt.
"Manuel", antwortete er cool. "Magst du was trinken?"

Eine Stunde später waren Katrin und Manuel kurz davor, alle Hemmungen abzulegen. Sie saß auf seinem Schoß und verzog bei jeder Gelegenheit verführerisch ihr gepierctes Mündchen. Es konnte sich nur noch um Minuten handeln, bis Manuel sie endlich küssen würde.

Doch Katrin fand offenbar, dass das alles viel zu lange dauerte. "Ich gehe jetzt nach Hause", sagte sie klar und deutlich. "Willst du mitkommen?"
Oha, dachte ich. Manuel schluckte und nickte. "Okay."
Katrin saß noch immer auf seinem Schoß. "Sex ist okay, aber ich bin ziemlich müde, deshalb machst du die Arbeit."
Manuel, Björn und ich starrten sie an. "Okay", sagte Manuel.
"Ich liege unten, da muss ich nicht so viel machen", bestimmte Katrin, während sie aufstand und ihre Lederjacke unter dem Tisch hervorzog. "Und ich hab morgen früh was vor, also musst du danach gehen. Aber ich rufe dir ein Taxi, wenn's vorbei ist."
"Okay", sagte Manuel.
"Okay", sagte Björn. Ich stieß ihn in die Rippen.
Manuel stand auf und zwinkerte uns zu. "Ich geh dann mal."
Es war eine komische Situation. Denn natürlich stellten sowohl Björn als auch ich uns vor, wie die beiden Sex haben würden - und wie Katrin unten lag und nichts tat, während Manuel "die ganze Arbeit machte".

Auf dem Heimweg dachte ich über diese völlig blutleere Vereinbarung nach. Bis zu dem Moment, als Katrin plötzlich anfing zu verhandeln, hatte ich das Gefühl, das könnte eine ganz heiße Nacht bei den beiden werden. Keine Regeln, nur wilde Leidenschaft ohne Nachdenken. Doch wo, bitte, ist da das Überraschende, das Knistern des Unausgesprochenen, wenn Sex schon im Vorfeld verhandelt wird? Und es ist ja nicht nur die Erotik, die da beerdigt wird, bevor sie überhaupt richtig losbrechen kann. Es ist die Romantik. Ja, ich gebe zu, ausgerechnet im Spritzehaus die große Liebe zu finden, ist eher unwahrscheinlich. Aber auch das einfach Dableiben ist doch schön, das nebeneinander Einschlafen und am nächsten Morgen Weitermachen - mit Schmusen und vielleicht sogar Kennenlernen.

Liebe Frauen, auch wenn Ihr genau das Gleiche wollt wie Katrin: Sagt es nicht auf eine solche Weise. Das ist nicht sexy. One-Night-Stands sind gut und schön, und eigentlich ist es ja auch schön, wenn vorher geklärt ist, was beide wollen. Doch Ehrlichkeit schmeckt in diesem Fall dann doch am besten, wenn sie dosiert daher kommt und noch Raum lässt für das, um was es dabei eigentlich geht.

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