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Worte malen Bilder

Kunstbetrachter schreiben Geschichten. Und wir hören zu und staunen.
Das MMK in Frankfurt. (Foto: dpa) Das MMK in Frankfurt. (Foto: dpa)
Sag mir, was du siehst – und schreibe einen Text darüber: Im letzten Oktober ging die Reihe „Acht Betrachtungen“ an den Start, eine Gemeinschaftsproduktion des Literaturhauses Frankfurt und des Museums für Moderne Kunst (MMK). Zwei Frankfurter Institutionen, die mit dieser Veranstaltungsreihe verbinden, was sowieso zusammengehört: Hier verschwimmen Text und Bild, Sprecher und Zuhörer vereinen sich.

Die Idee ist simpel, der Erfolg verdient: Ausgewählte Schriftsteller spazieren durch die verwinkelten Räumlichkeiten des Museums, betrachten Bilder, wählen eines aus. Zuhause schreiben sie einen Text darüber, über das ausgewählte Kunstwerk, wie es da hängt, im Museum. Dabei entstehen Geschichten, Assoziationsketten, Bewusstseinsströme, Essays – und diese lesen sie rund 200 selig lauschenden Zuhörern im Museum für Moderne Kunst vor. So war es von den Initiatoren erdacht, und so war das bei der Premiere im Oktober, bei der Lesung der umstrittenen Schriftstellerin Helene Hegemann, die sich einem Werk von Henrik Olesen annahm.

Sie las da gemeinsam mit dem Journalisten Thomas von Steinaecker, der seine Gedanken über das Werk „Raum unter der Treppe“ von Peter Fischli und David Weiss in Worte fasste. Seit jener Premierenveranstaltung sind die Eintrittskarten für die „Acht Betrachtungen“ begehrt und schnell vergriffen. Bei der Lesung von Leif Randt und Judith Schalansky, die im März im MMK zusammenkamen, musste man besonders schnell sein, wenn man da ein Ticket ergattern wollte. Aber das war ja klar, schließlich ist der Frankfurter Leif Randt seit seinem unglaublichen, fantastischen Roman „Schimmernder Dunst über Coby County“ das heißeste Eisen des deutschsprachigen Literaturnachwuchses.

Kühl und unnahbar erzählt Randt in seinem Roman von einer Stadt am Meer, von einer sakrosankten Metropole. Das ist eine sanfte Utopie, irre, waghalsig und von grandioser Sogkraft. Veröffentlicht wurde das Buch 2011, seitdem wartet man auf das nächste schriftstellerische Lebenszeichen des 30-Jährigen. Im März las Leif Randt nun im Rahmen der „Acht Betrachtungen“ im MMK und widmete sich dabei Mark Borthwicks Installation „A Room with a View“. An diesem Abend stellte auch Schriftstellerin Judith Schalansky ihre Überlegungen zu Andy Warhols „Most Wanted Man No. 11“ vor. Schalansky, die mit ihrem Buch „Der Hals der Giraffe“ von Auszeichnung zu Auszeichnung und Erfolg zu Erfolg eilt, ist in Frankfurt sowieso in aller Munde: Die Inszenierung des Romans „Der Hals der Giraffe“ im Senckenberg Museum war zu Beginn des Jahres stets ausverkauft.

Randt und Schalansky – was für ein Abend. Da wusste selbst der eloquente Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses, in seiner Eröffnungsrede nur mit Superlativen umzugehen: „Die Literatur dieser beiden Schriftsteller wird bleiben.“ Und weil man nicht fassen konnte und es schon gar nicht wiedergeben kann, was diese beiden Autoren da vorlasen, hat das Literaturhaus und das MMK alle Texte der Veranstaltungsreihe in einem schmalen Büchlein zusammengefasst. Kaufen kann man es ab Donnerstag, 27. Juni. Dann finden im Literaturhaus der Epilog und die Vorstellungen des Buches „Acht Betrachtungen“ statt. Verpassen sollte man das nicht. Genauso wenig wie die letzte Runde der „Acht Betrachtungen“: Am Donnerstag, 23. Mai, stellen die Schriftsteller Annika Scheffel und Saša Stanišic ihre Überlegungen zu ausgewählten Kunstwerken im MMK vor. (Christian Preußer)
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