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Was bleibt?

Von Saskia Hennigs erste Novelle weckt das Grauen.
Was bleibt von uns in dieser Welt, wenn wir gehen? (Symbolbild: dpa) Was bleibt von uns in dieser Welt, wenn wir gehen? (Symbolbild: dpa)
Es gibt Debütromane, die ziehen einem die Schuhe aus. „Faserland“ von Christian Kracht war so einer und „Irre“ von Rainald Goetz. Und dann gibt es Debütromane, die verschlagen einem die Sprache. „Das große Leuchten“ von Andreas Stichmann ist so ein unvergessenes Leseerlebnis – und auch das Debüt der Frankfurter Schriftstellerin Saskia Hennig von Lange. „Alles, was draußen ist“ heißt ihre erste Novelle und diese wurde vor ein paar Wochen beim wellenschlagenden „Jung und Jung“-Verlag veröffentlicht. Das schmale Büchlein kommt unschuldig daher und versteckt sein Grauen zwischen zwei schön gestalteten Buchdeckeln. Die Erzählung wirft die gemeinste Frage auf, die sich der Mensch selbst stellen kann: Was bleibt von uns, wenn wir mal nicht mehr da sind?

Die 37-jährige Saskia Hennig von Lange zeichnet die allzu menschliche Sehnsucht nach Unendlichkeit anhand der Biografie eines einsamen Mannes nach. Der bekommt gesagt, was niemand gesagt bekommen will: Sie sind krank, den nächsten Frühling erleben sie nicht mehr. Zwischen Präparaten und Totenmasken fristet er sein trauriges Dasein in einem anatomischen Museum. Er hält seine Spaziergänge durchs Museum, sein ganzes Leben in Notizbüchern fest.

Dadurch stellt er sich ein seltsam tristes, deprimierendes Psychogramm aus, das noch trister und deprimierender ist als seine Wohnstätte – das Anatomiemuseum. Die Flucht in die Erinnerung, Fantasien über eine „Untendrunterwohnerin“ und das Analysieren verschiedener Geräusche, das sind die Wegbereiter seiner traurigen Existenz. Und bald schon öffnet sich ein tiefer Abgrund vor dem Leser, in dem er sich doch nur selbst und seine Ängste spiegelt. Man muss sich selbst gut im Griff haben, um dieses Buch ungerührt zur Seite zu legen.

Michel Houellebecq hätte seine Freude. „Alles, was draußen ist“ ist ein dichtes „Tagebuch noir“, leichtfüßig und poetisch, ausweglos und düster. Das hält lange nach, länger als so manches Leben.

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