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Das Grauen

Von Raymond Carvers Geschichten machen stumpf und besoffen vor Destruktivität und Angst.
1998 zeigte ARTE den Film "Short Cuts" (1993) nach Kurzgeschichten von Raymond Carver. (Foto: Arte) 1998 zeigte ARTE den Film "Short Cuts" (1993) nach Kurzgeschichten von Raymond Carver. (Foto: Arte)
Das Grauen hat einen Namen: Raymond Carver. Und das weiß man, selbst wenn man nur zwei, drei Seiten dieser düsteren, bedrohlichen Kurzgeschichten gelesen hat, die einst John Updike und Philip Roth zum Schreiben animiert haben. Der 1938 in Clatskanie, Oregon geborene Carver war alkoholabhängig, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch sein karges Leben und schrieb, schrieb, schrieb. Vornehmlich Short Stories, die die Tragödien des American Dreams entlarvten.

Sein erster Erzählband „Würdest du bitte endlich still sein, bitte“ wurde 1976 veröffentlicht und war eine Sensation: Die kargen, wenige Seiten langen Stories waren härter als die Geschichten von Ernest Hemingway, trostloser als die Erzählungen von John Updike. Carver erzählt in seinen kurzen Geschichten von den Getriebenen des Amerikanischen Traums, von Alkohol und anderen Süchten, und diese traurigen Charaktere manövrieren sich in eine unbarmherzige Isolation.

Die Leiden dieser amerikanischen Untergeher sind es, die ein Bild von Amerika zeichnen, welches es so in der Literatur nicht eben häufig gibt. Carvers Geschichten sind allesamt suchterregend, in ihrer Ödnis faszinierend brutal. Es ist ein bisschen so, wie beim Trinken eines Whiskeys: Man kann das nur in Maßen genießen, Schluck für Schluck. Liest man maßlos, Story an Story, dann wird man stumpf und besoffen vor Destruktivität und Angst. Es geht dem Leser da so wie Carvers Charakteren.

Und so traurig und erbarmungslos wie in diesen Geschichten, so schlug auch das Leben bei Raymond Carver zu. Nur zwölf Jahre nach seinem ersten Ruhm starb Carver im Alter von 50 Jahren an Lungenkrebs. In Deutschland waren die Erzählungen dieses amerikanischen Chronisten fast vergessen weil vergriffen. Im vergangenen Jahr legte der Frankfurter S.-Fischer-Verlag nun das Gesamtwerk Carvers wieder auf und veröffentlichte die schaurigen Kurzgeschichten in seiner „Fischer Klassik“-Reihe. Es ist ein großes Glück, auch wenn man es beim Lesen nicht glauben mag.

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