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Nie wieder Wettlesen?

Von „Der Volksverdummung steht Tür und Tor offen“: Ende des hochkarätigen Bachmannpreises.
Rainald Goetz mit blutender Stirn beim Ingeborg-Bachmann-Preis 1983. Ein eindringlicher Moment der Literatur. (Bild: ORF, Screenshot: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_BEjgp9MAEY" target="_blank" style="text-decoration:underline;">www.youtube.com</a>) Rainald Goetz mit blutender Stirn beim Ingeborg-Bachmann-Preis 1983. Ein eindringlicher Moment der Literatur. (Bild: ORF, Screenshot: www.youtube.com)
Die Hiobsbotschaft kam am vergangenen Donnerstag – und sie schickte einen wütenden Mob unzähliger Kulturschaffender in den Ring: Kaum hatte der Österreichische Rundfunk (ORF) bekanntgegeben, im Rahmen eines radikalen Sparprogramms den Bachmannpreis ab 2014 nicht mehr zu finanzieren, ihn also abzusetzen, da wehte der wütende Proteststurm schon durchs Internet. „Der Volksverdummung steht Tür und Tor offen“, gab etwa Susanne Dobesch-Giese, Generalsekretärin des österreichischen P.E.N.-Clubs, zu Protokoll und fügte hinzu, dass Österreich nun „ein Land des Musikantenstadels“ werde.

Der designierte Hanser-Chef Jo Lendle rief zur Vernunft und gab zu bedenken: „Klagenfurt ist eine Schule der Urteilsbildung.“ Und auch das berüchtigte Jury-Mitglied Daniela Strigl zeigte sich irritiert: „Ich halte es für bedenklich, dass manche Politiker und ORF- Führungspersönlichkeiten das deutsche Feuilleton brauchen, um zu erkennen, was wir am Bachmann-Wettbewerb haben.“

Die Absetzung des Wettlesens gab ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nur wenige Wochen vor dem Literatur-Turnier bekannt, aus taktischen Gründen, natürlich. 350.000 Euro koste die Produktion des Klagenfurter Wettlesens, doch liegen die Einschaltquoten seit Jahren im Keller. Der ORF will sich diesen Luxus nicht mehr leisten. Die Argumente der Fernsehanstalt liegen auf der Hand. Die Sportübertragungen und Quizshows werden eben teurer. Was für ein Zynismus und was für ein Eingeständnis ans scheinbar doof vor sich hin glotzende und unmündige Fernsehpublikum. Überschäumend vor Wut und Spott erklärte Bachmannpreis-Träger Franzobel auf seiner Facebook-Seite: „Was wir brauchen, sind Übertragungen von Reifentests der Formel 1, Berichte von Fußballtrainings, Liveschaltungen zum Skiwachseln. Aber doch sicher keinen Literaturlesewettbewerb, kein Juroren-beim-Denken-Zusehen. Poesie? Fad! Das ist doch nicht mehr zeitgemäß. Darum ja, schafft den Bachmannpreis ab, verbrennt alle Bücher, sprengt Bibliotheken, streicht den Deutschunterricht. Bravo. Und die letzten unbeugsamen Leser sperrt ins Getto."

Verleger Helge Malchow bringt das aufs Tablett, was eigentlich nicht zu übersehen ist: „Und wichtig ist auch, dass der Bachmannpreis eine lange Tradition fortsetzt, die bis zur Gruppe 47 zurückgeht und dann von Marcel Reich-Ranicki in die Zukunft getragen wurde. Das ist ein kultureller Schatz, den wir verteidigen müssen.“ Auf ins Gefecht.

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