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Kleiner Mann, große Welt

Daniel Waldschik regt sich auf. In unserer Blog-O-Sphäre nimmt er sich heute die Raucher vor. Dabei kommt die Philippika aus berufenem Munde, gehörte er doch selbst bis 2006 zur Glimmstengel-Gemeinde.
Wer rauchen möchte, soll. Aber bitte nicht andere damit belästigen. (Symbolfoto: dpa) Wer rauchen möchte, soll. Aber bitte nicht andere damit belästigen. (Symbolfoto: dpa)
So kanns gehen mit den Vorsätzen. Da hab’ ich vollmundig verlauten lassen, nur über Dinge bloggen zu wollen, die die Gesellschaft nicht braucht. Und jetzt, nur einen Beitrag später, schon die Ausnahme? Klingt nach: „Ich will mit dem Rauchen aufhören! Haste vielleicht eine? Die geht noch, dann is’ aber wirklich Schluss.“
 
Wo wir auch schon beim Thema wären. Raucher, die Gesellschaft braucht euch. Jeden Cent, den Ihr in vollen Zügen verqualmt. Genüsslich, im blauen Dunst badend, Kippe für Kippe begleitet von dem leisen Knistern brennenden Tabakkrauts. Ich habe tatsächlich spontanen Reizhusten bekommen, als ich neulich die Schachtelpreise gelesen hab. Erinnert Ihr Euch? Die Packung kostete mal ’nen Heiermann. Hach ja. Die guten alten Fünf-Mark-Zeiten. Münze rein in den Automat, den immer kalten grauen Metallgriff feste ziehen, da kam das Päckchen mit den Glimmstängeln auch schon rausgepurzelt. Mittlerweile kostet das Fluppen-Pack fünf Euro. Autsch! Mit gut 14 Milliarden Euro ist die Tabaksteuer dafür eine der ertragreichsten Verbrauchsteuern in Deutschland und damit eine der wichtigsten Einnahmequellen des Bundes, um die Haushaltslöcher zu stopfen. Schade, dass man dazu nicht den Teer nehmen kann, mit dem die Raucher tagtäglich ihre Lungen pflastern. Wobei, die rund 60 Prozent Tabaksteuer und noch mal 15 Prozent Mehrwertsteuer pro Packung reichen ja auch aus. Oder? Nicht zu vergessen: 0,15 Cent pro Schachtel gehen für die Entsorgung des Päckchens drauf.
 
Damit wären wir dann auch schon bei meinem eigentlichen Aufreger. Mir persönlich ist es zwar nicht egal, wenn Möchtegern-Marlboro-Männer ihr Raucherbein wie angeschossene Cowboys hinter sich her ziehen müssen. Oder wenn an Kehlkopf-Krebs Leidende mit ihrer elektronischen Sprachhilfe klingen wie SAM für den C64 im Jahr 1982. Was mich aber stört: Wenn sich Qualmer in meiner Gegenwart die Seele aus dem Leib husten und dabei nach abgestandenem Aschenbecher riechen. Ich bin zwar Kneipenkind, aber kalter Rauch? Da konnte ich mich nie dran gewöhnen. Am meisten aber regt’s mich auf, wenn einer dieser Philip-Morris-Jünger seinen Filterstummel vor meinen Augen auf die Straße schmeißt – keine zwei Meter vom Mülleimer weg. Aber sich im gleichen Atemzug dann über die hohen Steuern beschweren. Rauchen macht scheinbar auch vergesslich: Von den Geldern werden nämlich gerade die Jungs bezahlt, die den Dreck wieder wegkehren. Wenn Sie mich fragen: Allein deshalb sollten Raucher für Lucky Strike, West, Camel und Co. tiefer in die Tasche greifen müssen. Man muss die Kuh melken, solange… 
 
Na komm. Man muss ja auch nicht gleich übertreiben. Und zugegeben: Ich bin ja nicht nur mit meinem Verstoß gegen den eigenen Vorsatz von der Linie abgewichen. Auch sonst sollte ich wieder mehr auf meine Linie achten. Verstehen Sie nicht? Naja. Meine Finger waren auch nicht immer die zart-hautfarbendsten. Zeige- und Mittelfinger meiner rechten Hand haben ihre vergilbten Zeiten allerdings längst hinter sich. Sprich: Ich bin wieder Nichtraucher. Endlich. Aber auch gerade deswegen so rigoros, wenn es um das Thema geht. Meine Belohnung fürs Aufhören: Nicht nur gefühlt 15 Kilo mehr auf den Rippen. Dafür feiert meine Lunge am 1. August ihren siebten Geburtstag. Ein Hauch von Ostern für meine Gesundheit – nur zeitverzögert.

Bis 2006 habe ich eifrig das kleine Nikotinmonster in mir mit Nikotin gefüttert. Und Koffein natürlich. Kaffee und Kippe – zehn Jahre lang gab’s nach dem Aufstehen erstmal lecker Nuttenfrühstück. Was ich Schornstein verraucht hab? Eine Schachtel am Tag war schon drin. An meine erste Zigarette erinnere ich mich übrigens, als wäre es gestern gewesen. Mein Opa hat sie mir gegeben. Aber weil kleine Kinder nicht mit Feuer spielen dürfen und Opilein nicht wollte, dass sein Enkelchen irgendwas ankokelt, hat er sie für mich angezündet. Die Marke? Eckstein. Ohne Filter. So richtig mit Wumms. Ähnlich stark wie die Roth-Händle.

Vermutlich deshalb hat sich die Erinnerung an meinen ersten Lungenzug so eingebrannt. Und mein Opa? Stand daneben und hat sich einen abgegrinst. Gott hab ihn selig. Aber wehe, er leiert im die letzten Kippen ausm Engelskleidchen. Ich kenn nämlich die Zollbestimmungen für die Tabakeinfuhr an der Himmelspforte nicht. Und all zu bald will ich da auch nicht hin. In diesem Sinne: Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit – und die anderer Menschen ebenfalls! (Daniel Waldschik)
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