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Kleiner Mann, große Welt

Von Wer austeilen kann, muss auch einstecken können. Das hat sich auch unser Autor Daniel Waldschik auf den Fettleib geschrieben und kneift sich diesmal in die eigenen Speckringe...
FNP-Blogger Daniel Waldschik will seinen Pfunden an den Kragen. (Symbolbild: dpa) FNP-Blogger Daniel Waldschik will seinen Pfunden an den Kragen. (Symbolbild: dpa)
Hui, da hab ich ganz schön draufgehauen, oder, in meinem vergangenen Blog? Nicht nur, dass die armen Single-Schweine ihren Stolz und das letzte bisschen Würde in die Tonne kloppen und sich vor einer ganzen Nation zum Vollhorst auf der Suche nach was F…baren machen. Nee. Da kommt ausgerechnet noch so ein unverschämter Flegel daher, ich, und zieht die dicken Dorftrottel und korpulenten Knauser auch noch durch den Dreck.
 
Es scheint mal an der Zeit, mir über die eigene Wampe zu streicheln. Passt auch irgendwie zu unserer FNP-Gesundheitsserie, die noch bis zum Mitte Juni läuft. Die hat nämlich mit dem Thema Adipositas begonnen. Nicht zu verwechseln mit Adidas. Das eine hat drei Streifen, das andere drei schwabbelige Rettungsringe. Und deswegen gesundheitlich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ein guter Anlass also, dass ich dicker Hund auch mal mein Fett weg bekomm’.
 
Ich kämpfe ja schon länger mit Übergewicht. Wobei. Kämpfen is’ das falsche Wort. Faul auf der Couch rumlungern, Chips und Süßkram in sich reinstopfen, spüren, wie die schweren Knochen mehr und mehr einrosten und deshalb den dicken Hintern nich’ mehr hoch zu kriegen, kann man wohl kaum „kämpfen“ nennen. Resignation trifft’s da doch eher. Sie wollen Zahlen? Können Sie haben:
 
  • Alter: 33
  • Größe: 160cm (aufgerundet)
  • Gewicht: 77 Kilo (abgerundet)
  • BMI: 30 (Adipositas Grad I)
  • Bauchumfang: Kurz vor der Entbindung
  • Herzfrequenz bei Belastung: doppelte Lichtgeschwindigkeit
  • Penistest: durchgefallen.
 
Ok. Gerade die letzte Angabe wird hier wahrscheinlich keinen Schw… interessieren. Aber als Journalist muss ich halt auch die harten Fakten auf den Tisch knallen. Gesundheitlich is’ damit ja nicht zu spaßen, wenn Mann aus der Vogelperspektive nur noch Plauze statt Piepmatz „bewundern“ kann.

Pommesfett schmiert meine Glieder

Auch so ist die Entwicklung meiner Körperfülle sehr bedenklich. Früher war ich die Sportskanone schlechthin, lag bei durchtrainierten 60 bis 63 Kilo auf den laufenden Metersechzig. Ok, ich hab geraucht wie ein Schlot, mich nicht wirklich gesund ernährt und auch meist erst gegen Abend weit nach 18 Uhr gegessen – generell war ich da weit entfernt von all dem, was einem Gesundheits- oder Ernährungsexperten raten. Trotzdem: Als leidenschaftlicher Kicker und wieselflinker Flügelflitzer strotzte ich nur so vor Saft und Kraft. Mittlerweile fühlt es sich an, als schmiere triefendes Pommesfett meine ungelenken Glieder.
 
Woher’s kommt? Naja. Du hörst mit dem Rauchen auf, freundest dich wieder mit deinen Geschmackszellen an. Statt Kippe gibt’s halt endlich mal was zum Kauen. Der Appetit ist wieder da. Allein dadurch hab’ ich meine ersten zehn Kilogramm draufgepackt. Die restlichen Kilo Übergewicht hab’ ich mir „verdient“, weil ich seit Jahren nicht mehr Kicken kann. Warum? Holzbein knarrt. Zig Ärzte und Orthopäden hab’ ich besucht. Ganz offensichtlich is’ mir nich’ mehr zu helfen. So ’ne Achillessehnenreizung kann ganz schön lästig sein. Und schmerzhaft. Die vermiest einem selbst das lockerste Ausdauertraining im Fitness-Studio. Alles Ausreden meinen Sie? Ok, ich lass das mal gelten. Aber das bedeutet nicht, dass ich mich nich’ auch mal gegen meinen körperlichen Verfall gewehrt hätte.

"Deine Muskeln müssen brennen!"

Beispiel gefällig? Gern. Ich hatte mal eine Tae-Bo-Heimtraining-DVD. Was Tae-Bo ist? Außer saumäßig anstrengend! Hat was mit Rhythmus-Gefühl zu tun. Also eigentlich so mal gar nix für mich. Am Übelsten war aber der muskelbepackte Schwarze, der vor sechs durchtrainierten Sport-Schnitten sein Power-Workout abspult und mich dabei permanent durch die Flimmerkiste motivieren wollte. „Deine Muskeln müssen brennen. Streng dich mehr an. Noch zehn, neun, acht…!“ Wissen Sie, was nach der ersten (und einzigen) Übung gebrannt hat? Die DVD-Box. Lichterloh.
 
Was soll’s. Jammern, meckern, Trübsal blasen nutzt ja nix. Specktitten zusammenkneifen und nach vorne blicken. Mein strammes Ziel: Mindestens sechs Kilogramm in acht Wochen. Besser wären acht. „Ambitioniert“, meint der Uli, mein Coach. Vier Einheiten á 60 bis 90 Minuten haben wir vereinbart. Mein persönlicher Weg nach Golgatha. Auf Spinning-Bike, Cross-Trainer und Laufband. Nur, dass ich es eben freiwillig mache! Hanteltraining? Gibt’s vorerst keins. Besser so. Mein Studio, das Sportif in Wiesbaden, hat zwar ein recht angenehmes Publikum. Aber die Spiegelaffen, die sich bei jedem Hantelzug am liebsten den Bizeps küssen würden, sich selbstverliebt im Spiegel anflirten und ständig an die Brust packen wie kleine Jungs in der Pubertät ihren Mitschülerinnen, gibt’s da auch. So will ich nicht enden – also, nicht als Grapscher. Als Spiegelaffe. Wobei: Ich war ja solchen Posern einst gar nicht so uneins. Wem der Schuh passt. Bei meinen Elefantenhufen drückt der eher.
 
Bevor ich's vergesse: Was Sie bisher gelesen haben, ist bereits eine gute Woche her. Meine ersten Einheiten hab’ ich also schon hinter mir. Smells like fucking Schweinehund war einmal. „Immer dran bleiben“, sagt der Uli. Klappt bislang ganz gut. Bei jedem Training brüllen mir nämlich James Hetfield (Metallica), Bruce Dickinson (Iron Maiden), Kurt Cobain (Nirvana) oder Ozzy (Black Sabbath) aber mal sowas von in die Ohrmuschel – das  muss sich für meinen inneren Fettmops anfühlen, als schlage Donnergott Thor höchstpersönlich mit seinem Hammer auf den Amboss. Welcher faule Hund kann bei so ’nem Krach schon lenzen und in Ruhe vor sich hin gammeln?

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