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Kleiner Mann, große Welt

Von Unser Blogger Daniel Waldschik will künftig seine spitze Zunge zügeln. Aufregen wird er sich aber trotzdem...
Viel zu sagen hätte unser Blogger Daniel Waldschik über die schöne RTL-Sendung "Wild Girls - Auf High Heels durch Afrika". Doch diesmal denkt er an sein Karma. (Screenshot RTL: aze) Viel zu sagen hätte unser Blogger Daniel Waldschik über die schöne RTL-Sendung "Wild Girls - Auf High Heels durch Afrika". Doch diesmal denkt er an sein Karma. (Screenshot RTL: aze)

Hallo, ich bin's wieder! Sie haben es ja sicher gemerkt: Vor zwei Wochen gab es keinen Dani-Blog. Warum? Volontär-Grundkurs in Bonn-Röttgen. Wie es war? Nur soviel: Es gab jede Menge span­nende Geschichten und praktische Recherche- und Schreibtipps von erfahrenen Journalisten. Den Hauch von Klassenfahrt für Ü30-Jährige, die es auf ihre mittelalten Tage nochmal richtig krachen lassen, blenden wir mal aus. What happens in Röttgen stays in Röttgen!

Kurz gesagt: Da war nicht viel mit Aufreger-Themen, über die ich hätte schreiben können. Im Gegenteil. In den beiden Semi­narwochen hatte ich echt viel Zeit zum Nachdenken. Nach meinem C-Promi-Bashing im vergange­nen Blog-Beitrag hagelte es nämlich zum ersten Mal so richtig Kritik. Berechtigt! Fest steht: Papp­nasen wie Gina-Lisa Lohfink oder Ex-Bachelor Paul Janke sind immer ein gefunden Fressen, wenn's um gepflegtes Lästern geht. Trotzdem – und da haben meine Kollegen recht: Wahllos verbal auf einzelne Personen eindreschen ist einfach zu einfach. Da habe ich die Grenze des guten Geschmacks doch schon weit überschritten. Und auch, wenn der Blog-Artikel in den ersten beiden Tagen, als er noch online war, ohne Ende gelesen wurde: Ich möchte nicht als der erste Niveaulos-Volo in die Geschichte der FNP eingehen. Ab sofort reiß' ich mich am Riemen. So gut es geht wenigstens. Außerdem wissen wir doch alle: Sowas kommt immer irgendwann wieder zurück.
 
„Tust Du Gutes, bekommst Du Gutes“ - Alles nur Quatsch, sagen Sie? Ich hab' ein tolles Positiv-Beispiel. Selbst erlebt. An meinem ersten Urlaubstag Anfang Juli. Mit meiner Freundin ging's bei 'ner kleinen Spritztour zum Niederwald-Denkmal in Rüdesheim. Tolles Wetter. Tolle Route durch den Rheingau. Alles prima. Dann: Rückfahrt. Aus heiterem Himmel fangen alle Alarm- und Warnleuchten auf der Armaturenanzeige unseres kleinen Peugeots wie verrückt an zu blinken. Nach etwa einer Minute alles wieder vorbei. „Glück gehabt“, denk ich. „Alles wieder gut!“ Ab zum Wiesbadener Bahnhof. Auto abstellen. Schnell rein ins Lilien-Caree, paar Kleinigkeiten besorgen. Zurück am Auto. Tür auf, Sachen verstauen, Schlüssel ins Zündschloss, umdrehen, Stille.

Denkste!

Hallo? Zündung? Nochmal probieren. Schlüssel raus, rein, drehen. Nix. Nochmal. Wieder nix. In mir brodelt's. Verreckt mir ausgerechnet am ersten Urlaubstag die Karre. Ich war echt bedient. Hilft nix. Abschleppdienst rufen und nach Schierstein zum Peugeot-Händler schleppen lassen. Toll, wenigstens das ging reibungslos. Schnelldiagnose in der Werkstatt: Zündung oder Anlasser kaputt. Das erste wäre kostenlos, das andere würde uns schlappe 550 Euro kosten. Aber wir wollten die Hoffnung nicht aufgeben. Warum? Am Sonntag noch hatten wir einem kleinen Mädchen, das in den Nerotal-Anlagen hilflos an ihrem Fahrrad rumgewerkelt hatte, die Fahrradkette wieder draufgezogen. Tust du Gutes, bekommst du Gutes!
 
Selten so gelacht. Am Mittwochmittag – meine Freundin und ich gönnten uns auf einer Parkbank am Schlachthof in Wiesbaden gerade einen eisgekühlten Matcha Grüntee aus'm Starbucks – kam der ernüchternde Anruf vom Autohaus. Es war also dann doch der Anlasser, der den Geist aufgegeben hatte. Was für 'ne bittere Pille. Die Kohle, die wir nun in unseren kleinen Löwen stecken mussten, war doch eigentlich für unseren Urlaub im November eingeplant. Ärgerlich. Betröppelt machten wir uns zu Fuß auf den Heimweg. Blick nach rechts. Lag auf der anderen Parkbank ein Autoschlüssel. Weit und breit kein Mensch. Was machen? Natürlich. Erstmal Schlüssel einstecken.

Mal überlegen. Im Bahnhof sitzt die Bundespolizei, da kann man den bestimmt abgeben. Denkste. „Geben Sie den bei der Bahn ab“, verlangte die Frau an der Gegensprechanlage. Ich schon voll genervt. Gut. Gehen wir eben an den Infoschalter der Bahn. Der Bahnangestellte, der halb gelangweilt im neugebauten Glaskasten saß, wollte den Schlüssel allerdings auch nicht annehmen. Ich platz fast. Der hat den gefundenen Schlüssel nämlich deshalb nicht angenommen, weil wir den statt auf dem Bahnhofsgelände zwei Meter neben dran auf dem Parkplatz gefunden hatten. Dani ready to take off in 3,2,1, booom. Paragrafenreiter sind echt ätzend. Verlangte der doch tatsächlich, dass wir zur Stadt rennen und den Schlüssel im Fundbüro abgeben. Bin ich der einzige, der hier denkt: Wenn ich in Bahnhofsnähe was verliere, würde ich doch zuerst bei denen nachfragen, ob was abgegeben wurde?
 
Was für ein Stress
 

Am liebsten hätte ich das Fundstück auf die Gleise geschmissen, so sauer war ich auf den Bahnfritzen. Da will man anderen helfen, und bekommt dann auch noch Steine in den Weg gelegt. Zum Glück war meine Freundin dabei. Die ist so die Geduldige, die Ruhige, die erst überlegt, und dann was sagt – bei mir ist das ja umgekehrt. Wir machten uns dann zurück zum Fundort, schauen, ob da jemand zu finden ist, der verzweifelt sucht. Fehlanzeige. Niemand da. Dann der Geistesblitz: Einfach mal die Fernbedienung drücken. Klack klack – direkt auf dem Stellplatz vor der Parkbank, auf der der Schlüssel lag, surrte die Zentralverriegelung. Wir haben schließlich den Schlüssel hinter den Scheibenwischer geklemmt. In der Hoffnung, dass derjenige, der ihn verloren hat, dort  nachschaut und fündig wird. So nah lagen also Leid und Freud beieinander – wir die Gebeutelten, die zur Kasse für ihre Karre gebeten werden, sind also diejenigen, die einem anderen Glück bringen und vermutlich einen Haufen Rennerei und Geld sparen. Wann wohl der Bumerang zurückkommt? Tust du Gutes...
 
Donnerstag. Schnell noch Geld für die Reparatur vom Sparkonto aufs Girokonto überwiesen. Anruf vom Autohaus. Auto kann geholt werden. Ab in den Bus Richtung Dernsches Gelände, da dann um­steigen in den Bus nach Schierstein. Wissen Sie, wer nicht kam? Richtig. Der Bus nach Schierstein. Wissen Sie, wer sich aufgeregt hat? Richtig? Der Erzähler dieser Geschichte, ich! Eigentlich sollte ich das ja gewohnt sein. Ist in Wiesbaden ja nix Neues. Is' da öfter so, dass Busse mir nichts dir nichts einfach so ausfallen. Diesmal halt ganz ohne Schnee – die ESWE ist eben flexibel.

Wir hocken also 'ne gute Stunde einfach mal so in der Hitze rum und warten auf den nächsten Bus, der nach Schierstein fährt. Naja. Irgendwann ist der Bus dann da. Wartet gleich das nächste Drama: Der Schreihals, der Pommes will, und seine Mutter in die Hölle wünscht, weil die ihm keine kauft. So langsam nehm' ich das Ganze ironisch. Kaum hält der Bengel seinen Mund, kann ich es mir nicht verkneifen und sage laut: „Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hab' ich grad echt Hunger – auf Pommes!“ Da war was los, kann ich ihnen sagen. „Maaamaaaa, kauf mir jetzt endlich Pooommmeeeeeeees...“
 
Danke Peugeot!

 
Nach vierzig Minuten Ich-will-jetzt-Pommes-Rumgebrülle im überfüllten und stickigen Bus sind wir endlich bei Peugeot angekommen. Noch bevor wir zur Tür reingehen, hab' ich meine EC-Karte gezückt. Ich will's schnell hinter mich bringen. „Hi, Sie haben angerufen. Waldschik. Wir wollen unseren kleinen Flitzer holen.“ Die Dame am Schalter kramt auf ihrem Schreibtisch rum, zieht ein Schriftstück aus der Mappe und sagt: „Sie wissen ja, was gemacht wurde. Auto steht hinten.“ Schnell noch wünscht sie uns eine gute Fahrt und drückt mir den Schlüssel in die Hand. Perplex schau ich sie an, winke mit meinem Plastikgeld und frage, ob sie mich denn nicht be­zahlen lassen wolle.

„Wieso“, fragt sie. „Das geht doch auf Garantie.“ Raten Sie, wer im Dreieck gesprungen ist – vor Freude. Peugeot hatte wegen des Anlasserdefekts, den es an unserem Auto gab, wie sie sagte eine Rückrufaktion laufen. Da wir unseren Flitzer gebraucht gekauft hatten, wussten wir davon allerdings nicht. Wir seien wohl trotz KFZ-Ummeldung nicht als neue Halter gemeldet worden, weshalb uns Peugeot nicht über die Aktion informieren konnte. So hat man es uns zumindest vor Ort in Wiesbaden-Schierstein erklärt. Egal. Nicht weiter nachfragen. Wir freuen uns riesig - und können ja nun doch in den Urlaub! Juhuuuuuuu!! Danke Peugeot!!!
 
Ich für meinen Teil bin überzeugt: Tust du Gutes, bekommst du Gutes.

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