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Kleiner Mann, große Welt

Von Heute im Aufreger-Blog: Putin und die Protest-Mädels - das war so nicht gedacht.
Männlich: Wladimir Putin im Urlaub. (Foto: dpa) Männlich: Wladimir Putin im Urlaub. (Foto: dpa)
Nach RTL schickt seit vergangener Woche auch der Privatsender Pro7 sein Dutzend C-Promi-Weibsen in die Wüste. Schon vor wenigen Monaten, im vergangenen Mai, kam es deshalb zum Streit über die Formatrechte zwischen den beiden Sendern. Das Medienmagazin DWDL.de titelte: "The bitch fight is on: ProSieben kontert RTL-Wüstenshow".

Ärger mit den "Bitches", ich übersetze das jetzt mal frei mit dem deutschen Wort "Weibsstücke", hatte in den Tagen der Leichtathletik-WM in Moskau auch Russland-Chef Wladimir Putin. Aber nicht falsch verstehen: Denken Sie nicht, ich wolle die beiden Russinnen, die sich bei der Siegerehrung der 4x100-Meter-Staffel provokativ geküsst und damit ihren Protest gegen Putins umstrittenes Anti-Homo-Gesetz ausgedrückt hatten, als Miststücke (oder Schlampen, wie das englische Wort „Bitch“ ja auch übersetzt werden kann) bezeichnen. Nein. Die Frauen waren mutig. Ihnen gebührt mein Respekt.
 
Im Gegensatz zu Stabhochsprung-Olympiasiegerin und Putins Politik-Marionette Jelena Isinbajewa sind Tatjana Firowa und Xenia Ryschowa für mich die wahren Volksheldinnen dieser Spiele. Aber ich kann mir schon gut vorstellen, dass auch Putin kurz an das B-Wort gedacht hat, als er den Kuss im TV oder live in der Arena gesehen hat. Ging doch schon seine persönliche Eröffnung der ersten IAAF-Leichtathletik-WM im eigenen Land mächtig in die Hose...

Ich kann mir den gebeutelten Trotzkopf Putin so richtig vorstellen: Oberkörper frei, mit Cowboy-Hut auf und Jagdgewehr bei Fuß, sitzt er schmollend an seinem Schreibtisch. In der Hand hält er die Feder eines Spatzen, den er glorreich mit einer Kanonenkugel erlegte und dessen kleiner Kopf neben dem großen Ölgemälde hängt, das den Göttervater Zeus mit seinen Gesichtszügen abbildet. Wie er konzentriert an der feierlichen Eröffnungsrede einer Olympiade feilt, die ganz im Zeichen der Männlichkeit steht...

Meine treuen Genossen und Genossen, Brüder, Landsmänner,

ich habe einen Traum, dass eines Tages in meinem Russland Olympische Spiele ausgetragen werden, bei denen keiner gegen meine Unterdrückungsmethoden der Schwulen und Lesben protestiert!

Ich habe einen Traum, dass eines Tages, ich, Wladimir Putin, Olympische Spiele eröffnen werde, deren Wettkämpfe noch männlicher sind, als ich es bin!

 
  • Disziplin 1, ein Wettkampf, gemacht nur für stahlharte Männer: Mit der Handkante Räder aus Steinblöcken kloppen.
  • Disziplin 2: Sibirische Eisbären mit den Händen erlegen. Handschuhe gegen die Eiseskälte gibt’s aber keine.
  • Disziplin 3: Keulen-Duell mit Neandertaler-Perücke und Säbelzahntiger-Outfit. Selbst geschossen und ausgeweidet, das Tier. Bonuspunkte bekommt derjenige, der dem Vieh das Fell mit den Zähnen über seine Ohren zieht.
  • Disziplin 4: Frauen-Weitwurf. Einfach die aufmüpfigen Pussy-Riot-Femen-Dingens am Schopf packen, kräftig schleudern und als nächste Sojus-Rakete ab auf den Mars. Dann sind wir auch mal in irgendwas besser als der Amerikaner.
  • Disziplin 5: Die Königsdisziplin! Mit freiem Oberkörper nebst einem braunen Gaul mit grimmiger Autokratenmimik für die Kameras demokratischer Schmierfinken posen.
 
Meine treuen Genossen und Genossen, Brüder, Landsmänner, ich habe einen Traum, dass eines Tages, ich, Wladimir Putin, Zar von Leningrad, den Sieger der ersten homophoblympischen Spiele küre – mich!!!!
 
Ich habe heute einen Traum...

Wie die Rede weitergeht? Keine Ahnung! Da fehlt mir doch echt die Pointe. Ist aber auch egal. Denn das Putin - in allen Disziplinen sicherlich ungeschlagen, unangefochten, unerreicht als einzig wahrer Mister Maskulin auf Lebenszeit - die Stadionbühne verlässt, werden wir nicht erleben. Denn das verbietet ja der Kodex des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Genauer: Paragraf 50 der Olympischen Charta. Darin steht, dass jede Demonstration "politischer [...] Propaganda an den olympischen Stätten [...]" untersagt ist.

Blöd,oder? Für die wandelnde Propagandamaschine Putin!? Ich bin allerdings sehr sicher, dass er einen Weg findet, doch irgendwie bei "seinen Spielen" mitmachen zu dürfen. Notfalls schafft er dafür halt einfach ein bescheuertes Gesetz. Darin hat der Steinzeit-Despot ja Erfahrung...

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